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Fussball

Die Youtube-Sensation aus Norwegen

Von Haruka Gruber
Der Matchwinner: Mit seinen Paraden sicherte Heinz Müller (r.) den Mainz-Sieg
© Getty

Er war ein Vagabund. Er stand vor den Trümmern seiner Karriere. Doch mit 31 ist Heinz Müller endlich angekommen. Dabei könnte er schon längst für den FC Arsenal oder den deutschen Meister spielen.

Als ob er magische Fähigkeiten hätte. Ein Kollege verbindet Heinz Müller die Augen, so dass dieser nichts mehr sehen kann - und doch pariert der Torwart jeden Schuss. Der Ball geht in den rechten Torwinkel, Müller hält. Der Ball geht in die linken Torwinkel, Müller hält.

Das spektakuläre Youtube-Video, das Müller zu einer kleinen Internet-Berühmtheit machte, datiert vom März 2007. Damals spielte er noch in Norwegen und war dort derart populär, dass die Liga mit ihm und mit Hilfe von Special Effects eben diesen amüsant-kuriosen Clip als PR-Aktion fürs Fernsehen aufnahm.

Zweieinhalb Jahre sind seitdem vergangen, doch die Kernaussage des Videos ist so aktuell wie nie: Heinz Müller ist nahezu unbezwingbar. Mit einer herausragenden Leistung rettete er dem FSV Mainz den sensationellen 2:1-Erfolg über den FC Bayern München.

Müller liefert perfektes Spiel ab

In der hektischen zweiten Hälfte, als sich Mainz kaum mehr befreien konnte, entnervte Müller die Bayern mit einer Serie von Paraden. Herausragend seine Reaktionsfähigkeit auf der Linie und seine Strafraumbeherrschung.

Anders als noch bei den ersten beiden Bundesliga-Spielen, als eine gute Gesamtleistung durch kleine Unsicherheiten und zwei verschuldete Strafstöße getrübt wurde, lieferte Müller gegen den Rekordmeister ein perfektes Spiel ab.

"Es war einer der schöneren Momente in meiner Karriere. Vor einer solchen Kulisse zu gewinnen, ist sensationell", sagte Müller. "Das Spiel wird mir lange im Gedächtnis bleiben."

Urtypus des Fußball-Vagabunden

Müller ist 31 Jahre alt und spielt seine 13. Saison als Profi. Der Durchbruch in Deutschland gelang ihm jedoch erst am Samstag gegen den FC Bayern.

Lange Zeit galt Müller als Urtypus des Fußball-Vagabunden. Zu gut für den Amateursport, zu schlecht für einen Stammplatz  bei einem Bundesligisten. Acht Jahre lang tingelte er durch Deutschland. Vom FSV Frankfurt über Hannover, Bielefeld, St. Pauli und Regensburg. Herauskamen jedoch nur 28 Zweitliga-Einsätze.

Müller scheiterte am Konkurrenzkampf - und an sich selbst. "Als junger Kerl war Heinz nicht immer der Professionellste", sagte Jörg Sievers, Müllers damals übermächtiger Rivale in Hannover.

Der Tiefpunkt

2004, mit 26, stand Müller vor den Trümmern seiner Karriere. Eine Schambeinentzündung verschlimmerte sich derart, dass Müller fast ein Jahr pausieren musste. "Ich war weg von der Bildfläche. Der Tiefpunkt. Ich hatte keine Perspektive. Man denkt darüber nach, ob es das war mit dem Fußball", erinnert sich Müller.

Als ihm in Deutschland nicht einmal ein Drittligist ein Angebot machen wollte, ging er nach Norwegen zu Odd Grenland, "um das Gefühl für den Sport zurückzubekommen". Damals eine Verlegenheitsentscheidung, sollte sich der Transfer als Zäsur in Müllers Karriere erweisen.

"Wer Ausreden sucht, entwickelt sich nicht weiter"

Nach guten Leistungen für Grenland wechselte er Anfang 2005 nach Lilleström zu Trainer Uwe Rösler und Manager Jan Age Fjörtoft. "Wir haben Heinz gesagt, dass er sich bei uns für englische Vereine interessant machen kann. Er hat die Chance ergriffen und unglaublich hart gearbeitet", sagt Fjörtoft gegenüber SPOX.

Vor allem die Arbeit mit Lilleströms Torwarttrainer Frode Grodas, früher bei Schalke aktiv, sei entscheidend gewesen. Müller: "Seitdem suche ich nach jedem Spiel das Zwiegespräch, gestehe mir Fehler ein, frage mich, was ich falsch gemacht habe. Wer Ausreden sucht, entwickelt sich nicht weiter."

Schnell etablierte sich Müller als einer der besten Keeper Norwegens und weckte - wie Fjörtoft versprach - Neugierde in England. Vor allem beim Zweitligisten FC Barnsley, der 2007 rund 400.000 Euro in Müller investierte.

Wenger und Magath als Müller-Fans

Im ersten halben Jahr als Stammtorwart überzeugte Müller derart, dass sich etliche Premier-League-Vereine wie Liverpool, Aston Villa, Everton und Fulham nach ihm erkundigten. Am hartnäckigsten jedoch waren Arsenal-Coach Arsene Wenger - und Wolfsburgs Felix Magath.

Ein Transfer zum VfL galt als beschlossen - bis sich Müller kurz vor der Vertragsunterzeichnung das Kreuzband riss.

Statt Müller holte Wolfsburg daraufhin Diego Benaglio, eineinhalb Jahre später ist der Schweizer und nicht Müller deutscher Meister. "Heinz hat ein bewegtes Leben hinter sich. Wenn er sich damals nicht verletzt hätte, würde er heute wohl bei Arsenal oder Wolfsburg im Tor stehen", sagt Mainz-Manager Christian Heidel, der sich über ein Schnäppchen freuen kann.

Überschaubare 300.000 Euro kostete Müller, der nach der Verletzung von Kapitän Dimo Wache zum Saisonstart und seiner Galaleistung gegen die Bayern als Nummer eins gesetzt sein dürfte.

"Irgendwann die Nationalmannschaft ins Auge fassen"

Müller ist ein Spätstarter. Ein Spätstarter, der etwas nachzuholen hat. Als er noch in Barnsley unter Vertrag stand, gab er die deutsche Nationalmannschaft als mittelfristiges Ziel aus.

"Es sollte überhaupt nicht großspurig klingen. Ich finde nur, dass jeder Sportler Ziele braucht, um sich zu motivieren. Wenn man in der zweiten Liga spielt, muss die Premier League das nächste Ziel sein. Wenn man sich in der Premier League etabliert hat, muss man irgendwann die Nationalmannschaft ins Auge fassen", sagte er damals.

Auch wenn es nicht die Premier League ist: In der Bundesliga ist Heinz Müller auf dem besten Weg, sich zu etablieren.

Mainz macht Bayern-Fehlstart perfekt

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