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Fussball

Mit dem Affengriff zum Erfolg?

Von Jochen Tittmar
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© Getty

Wenige Tage vor dem Start der Bundesliga stellt SPOX alle 18 Klubs in der großen Vorschau-Serie vor - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: Borussia Dortmund.

München - "Ein Reset ist ein Vorgang, durch den ein elektronisches System in einen definierten Anfangszustand gebracht wird."

Laut dem Internet-Lexikon "Wikipedia" ist dies die Definition von Reset. Was das mit Borussia Dortmund zu tun hat?

Der neue Trainer Jürgen Klopp sagte im Hinblick auf die kommende Saison folgenden Satz: "Ihr müsst Euch alle neu polen, die Reset-Taste drücken, alte Schablonen wegschmeißen."

Das Alte, das war in Dortmund zuletzt biederer Fußball, ein unruhiges Umfeld und Häme von den eigenen Fans.

Angesichts dieser Vielzahl an offenen Baustellen wäre den Westfalen eher der Affengriff zu empfehlen: Das gesamte System runterfahren, eingefahrene Problemfälle ausmerzen und es neu sowie modern gestaltet wieder ans Tageslicht hieven. 

Das ist neu

Vergangene Saison holte der BVB einen Titel: Schießbude der Liga (62 Gegentore). Wenig verwunderlich daher, dass die Verantwortlichen nach Verstärkungen im Abwehrbereich suchten (Hier geht's zum Kader!).

Und fanden: Für Christian Wörns, Martin Amedick und Markus Brzenska holte man Felipe Santana, Patrick Owomoyela und Neven Subotic. Die seit Tomas Rosicky unzureichend besetzte Spielmacherposition wurde mit Tamas Hajnal aufgefüllt.

Über allem strahlt aber die Verpflichtung Klopps, der die Westfalen nach Jahren der sportlichen Tristesse in Heilsbringermanier wieder zurück auf den rechten Weg führen soll.

Die Taktik

Flache Vier, Verschieben, Pressing - alles Begriffe, die man in Dortmund zuletzt nur aus dem Fernsehen kannte. Klopp will diese nun mit Leben füllen und baut auf ein 4-4-2 mit eben jener flachen Vier, die er schon in Mainz spielen ließ.

In diesem laufintensiven System wird Kapitän Sebastian Kehl zusammen mit Hajnal die Zentrale verwalten. Flankiert wird dieses Gespann aller Voraussicht nach von Jakub Blaszczykowski (rechts) und Tinga, der verletzungsbedingt zum Saisonstart durch Florian Kringe ersetzt wird (links).

"Wichtig ist es, ein Grundsystem zu haben, von dem man auch abweichen kann, zu dem man aber immer zurückkehren kann. Daran arbeiten wir zurzeit", so Klopp im Gespräch mit SPOX

Abweichung von der flachen Vier hieße: Raute im Mittelfeld. In diesem Fall spielen die Außen auf den Halbpositionen, Kehl wäre Chef im zentralen, defensiven Mittelfeld und Hajnal rückt hinter die beiden Angreifer.

"Die Mannschaft ist da auf einem guten Weg, so dass wir irgendwann variieren können. Das muss unser Ziel sein. Wir haben nämlich Spieler, die für verschiedene Systeme prädestiniert sind", erläutert Klopp.

In der neu formierten Abwehr wird der "Kinderriegel" um die beiden 19-Jährigen Mats Hummels und Subotic die "Opa-Abwehr" (Robert Kovac und Wörns) aus dem letzten Jahr ablösen.

In den Testspielen würfelte Klopp das Team meist kräftig durch und testete wie wild Spieler und Systeme. Mit mäßigem Erfolg, einzig die erste Halbzeit im Supercup gegen die Bayern ließ erahnen, zu was die Mannschaft unter dem TV-Bundestrainer in der Lage sein kann.

Der Spieler im Fokus

Mats Hummels. Die Leihgabe vom FC Bayern wurde von Sportdirektor Michael Zorc enthusiastisch als "eines der größten deutschen Abwehtalente" betitelt.

In der Tat strahlt der vielseitig einsetzbare Hummels trotz seines zarten Alters bereits eine enorme Ballsicherheit und Ruhe aus, hat zudem ein gutes Auge und ist das, was man seit Klinsmann einen mitspielenden Verteidiger nennt. Hat sich auch frühzeitig ein gutes Standing im Team erarbeitet.

Hummels ins Comunio-Team? Jetzt im SPOX-Rating-Tool nachschauen!

Das Interview

SPOX: Aber die Gefahr eines Zaunsprungs besteht doch bei Jürgen Klopp immer, oder?

Jürgen Klopp: Sagen wir es so: Sollten wir irgendwann einen großen Titel gewinnen und ich würde mich auf dem Zaun wieder finden, hätte ich schon von schlimmeren Dingen gehört.

Hier das ganze Interview mit dem Trainer nachlesen!

Prognose

Nach Platz 13 in der Vorsaison, der schlechtesten Platzierung seit 20 Jahren, kann es eigentlich nur bergauf gehen.

Die am Rheinlanddamm übliche Pre-Season-Euphorie dämmte Klopp bereits mehrfach ein, versprach aber im Gegenzug bei seiner Vorstellung, dass es "die eine oder andere Vollgas-Veranstaltung geben" wird.

Interessant wird sein, wie der BVB die Zusatzbelastung UEFA-Cup wegstecken wird. Die Messlatte für Klopp liegt hoch, zu Platz sechs bis zehn sollte es aber dennoch reichen.

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