Fussball

Nach Gewaltattacke auf dem Platz: Schiedsrichter weiter in Behandlung

SID
Nach dem gewalttätigen Angriff auf einen Schiedsrichter hat der hessische Fußball-Kreisligist FSV Münster seine erste Mannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen. Entsprechende Medienberichte bestätigte der Vereinsvorsitzende Peter Samoschkoff dem SID.
© getty

Gewalt gegen Schiedsrichter hält den Fußball in Deutschland weiter in Atem. Das jüngste Gewaltopfer aus der hessischen Kreisliga muss weiter behandelt werden.

Nach der gewaltsamen Attacke durch einen hessischen Kreisliga-Fußballer befindet sich Schiedsrichter Nils C. weiter in ärztlicher Behandlung. Seinem Sohn gehe es zwar "den Umständen entsprechend gut", er habe aber weiterhin "starke Schmerzen", sagte der Vater des Opfers dem Hit Radio FFH.

"Es stehen noch weitere Untersuchungen an, was den Kiefer angeht", sagte der Vater, der sich weiter Sorgen um seinen Sohn macht. "Das andere, was seelisch in ihm vorgeht, ist noch eine andere Geschichte", sagte der Vater.

Verein meldet sich vom Spielbetrieb ab

Nils C. war am Sonntag im Spiel der hessischen Kreisliga C zwischen FSV Münster und TV Semd von einem FSV-Spieler per Faustschlag niedergestreckt und bewusstlos geschlagen worden. Der 22-Jährige musste per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden.

Der Vater konnte noch nicht sagen, ob sein Sohn jemals wieder ein Spiel pfeifen werde. Er werde "sehr große Angst" haben, wenn sein Sohn wieder auf dem Platz stehe. Eine Entschuldigung des Täters habe es noch nicht geben. "Ich würde es schön finden, wenn er sich melden würde", meinte der Vater.

Der Verein des brutalen Schlägers hat bereits auf den Vorfall reagiert und zog seine erste Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. "Wir wollten damit ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir so ein Verhalten nicht tolerieren", sagte der Klubvorsitzende Peter Samoschkoff dem SID.

Peter Beuth erhofft sich "Signal an die Sportfamilie"

Zudem wurde der gewalttätige Spieler aus dem FSV Münster ausgeschlossen. Samoschkoff kündigte an, den Täter im Falle einer Geldstrafe in Haftung zu nehmen. Der Täter war vor seinem Schlag vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen worden.

Hessens Innenminister Peter Beuth forderte derweil eine lebenslange Strafe für den Täter. Für ihn könne "nach einer solchen Tat neben einer konsequenten rechtsstaatlichen Bestrafung des Täters nur eine lebenslange Sperre für den organisierten Fußball die Konsequenz sein", erklärte der Minister.

Beuth kündigte außerdem an, seine Forderung nach lebenslangen Sperren für prügelnde Spieler gegen Schiedsrichter in der kommenden Woche auf der Sportministerkonferenz zu thematisieren. "Davon erhoffe ich mir, dass deutschlandweit ein Signal an die Sportfamilie ausgesendet wird", sagte der Minister, der auch darauf hinwies, dass dem Profifußball eine besondere Vorbildfunktion zukomme. "Was dort vorgelebt wird, spiegelt sich in den unteren Ligen wider."

Schiedsrichter planen Streik

Als Reaktion auf die zunehmende Gewalt auf den Fußball-Plätzen hatte schon am vergangenen Wochenende in Berlin ein Schiedsrichter-Streik stattgefunden. Dieser soll aber zunächst ein einmaliges Vorgehen bleiben. "Wir gehen davon aus, dass alle Spiele am Wochenende stattfinden. Mir liegen keine anderslautenden Informationen vor", sagte Pressesprecherin Vera Krings vom Berliner Fußball-Verband dem SID.

Aus Protest gegen die zunehmende Gewalt gegen Referees waren am vergangenen Wochenende alle Unparteiischen von der Berlin-Liga abwärts von ihren Spielen abgesetzt worden. Aufgrund dieser Maßnahme seitens des Schiedsrichterbeirats hatte sich der BFV dazu gezwungen gesehen, den kompletten Spieltag abzusagen. Mehr als 1000 Spiele waren betroffen.

Beschlossen worden war der Streik im Schiedsrichterbeirat - "mit ziemlich deutlicher Mehrheit", sagte Jörg Wehling, Vorsitzender des BFV-Schiedsrichterausschusses, dem RBB. Mit dem Streik wollten die Unparteiischen auf die zunehmenden Aggressionen gegen sich bei Fußballspielen aufmerksam machen.

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