Zwanziger fordert Ethik-Komitee

SID
Theo Zwanziger war bis 2012 DFB-Präsident
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Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger fordert vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Einsetzung einer unabhängigen Ethik-Kommission, der DFB sieht dafür allerdings nach wie vor keine Veranlassung.

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E"Ohne diese fehlt es dem DFB an einem unabhängigen Gremium. Es muss eine Anklageinstanz geben, die nicht weisungsgebunden, sondern unabhängig ist", sagte Zwanziger im Interview mit der Tageszeitung Die Welt.

Unabhängig sei, "wer in den letzten vier Jahren vor seinem Amtsantritt eine deutliche Distanz zu den Fußballorganisationen hatte", betonte FIFA-Exekutivmitglied Zwanziger. Laut Statuten des Weltverbandes sei der DFB "verpflichtet, eine Ethikkommission einzurichten".

"Eine Fußballfamilie"

Zu möglichen Sanktionen äußerte der 68-Jährige aus Altendiez: "Wir sind eine Fußballfamilie, erst einmal werden wir Überzeugungsarbeit leisten. Die Qualität in den Rechtsorganen des DFB ist so groß, da wird man der Verbandsführung sicherlich verdeutlichen, wie wichtig diese Reform ist."

Der DFB vertritt eine andere Auffassung. "Für eine verbindliche Vorgabe der Verankerung einer Ethikkommission sowie eines Ethikreglements sehen wir keine Notwendigkeit", hatte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock am 6. Januar in seinem Brief an Gianni Infantino, Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA), geschrieben.

An der Position des DFB habe sich nichts geändert, hieß es auf Anfrage des "SID" am Montag.

Drei DFB-Vorstände in Lottogesellschaften

Sandrock hatte in seinem Schreiben verdeutlicht, es sei "kein sachlicher Grund ersichtlich, weshalb ein Mitgliedsverband, der über eine unabhängige Sportgerichtsbarkeit mit Instanzentzug sowie gesicherte Rechtsgrundlagen verfügt, (...) noch ein weiteres Rechtsorgan vorsehen sollte (...)".

Dass beispielsweise drei DFB-Vorstände in Aufsichtsräten von Lottogesellschaften, die Fußballwetten anbieten, sitzen, bezeichnete Zwanziger indes als "zweifelsfrei eine Interessenskollision".

Die Integrität des Wettbewerbs und der Spiele müssten "an höchster Stelle" stehen. Zwanziger weiter: "UEFA und FIFA sind in dieser Frage in den letzten Jahren deutlich sensibler geworden. Deshalb sollte auch der DFB nachziehen."

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