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Fussball

Ulmer wehren sich gegen Betrugs-Vorwürfe

SID
Schwere Zeiten für die Ulmer Spatzen: Mehrere SSV-Spieler sollen ein Spiel verschoben haben
© Getty

Ermittlungen, Verdächtigungen, Festnahmen: Fünf Jahre nach dem Fall Hoyzer wird die Fußball-Welt wieder von einem Wettskandal erschüttert.

Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt seit Anfang 2009 gegen 100 Beschuldigte in mehr als einem halben Dutzend Ländern und hatte am Donnerstag unter anderem die Berliner Brüder Milan und Ante S., die schon im Wettskandal um Ex-Referee Robert Hoyzer eine zentrale Rolle gespielt hatten, festgenommen.

Der Bande um die Hoyzer-Drahtzieher werden "fortgesetzte, gewerbsmäßige Wettbetrügereien" zur Last gelegt. Die Beschuldigten seien verdächtig, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus hochrangigen europäischen Fußball-Ligen gegen Geldzahlungen veranlasst zu haben, den Ausgang von Spielen im Sinne der Bande zu manipulieren und diese Situation für Wettbetrügereien ausgenutzt zu haben.

Wetten sollen vor allem in Asien platziert worden sein. Aktuell werden Spiele in mindestens neun Top-Ligen, darunter auch in Deutschland, auf Manipulationen untersucht. Deutschland soll nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" bislang nur am Rande betroffen sein.

Vorranging Osteuropa betroffen

Im Zentrum der Ermittlungen sollen vor allem Spiele in der Türkei, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Ungarn, Slowenien und der Schweiz stehen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte am Donnerstag bereits mehrfach erklärt, das Frühwarnsystem des DFB und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für die Überwachung des Wettmarktes (Sportradar) habe keine Beweise für etwaige Spielmanipulationen geliefert.

Mindestens ein Spiel mit Beteiligung eines deutschen Klubs steht bei den Ermittler der Staatsanwaltschaft in Bochum allerdings dennoch unter Manipulations-Verdacht. Es handelt sich um das Freundschaftsspiel zwischen Regionalligist SSV Ulm und dem vom deutschen Trainer Christoph Daum trainierten türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009.

Fenerbahce hatte das Spiel gegen Ulm 5:0 gewonnen. Laut den Unterlagen der Ermittler soll sich der Verdacht ergeben haben, dass bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm für ihre Bereitschaft genau in dieser Höhe zu verlieren insgesamt einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalten haben sollen.

Ulm-Manager "total geplättet"

Dabei handelt es sich aber nur um einen Anfangsverdacht. "Bislang gibt es nur einen Anfangsverdacht, deshalb müssen wir uns zunächst schützend vor die Mannschaft stellen. Aber wir werden als Verein alles zur Aufklärung beitragen", sagte SSV-Vizepräsident Mario Meuler, der bereits Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Bochum gefordert hat.

Derweil fiel SSV-Manager Markus Lösch eigener Aussage nach "Kinnlade herunter", als er von dem Verdacht erfuhr. "Ich bin total geplättet. Das kann ich mir auch vom Spielverlauf her nicht vorstellen", sagte Lösch der "Bild".

Auch SSV-Torwart Holger Betz konnte beim Spiel gegen Fenerbahce keine Unregelmäßigkeiten erkennen: "Wir hatten am Anfang zwei gute Chancen. Nach dem ersten Gegentor war das Spiel gelaufen. Wir hätten noch viel höher verlieren können." Er sei nicht kontaktiert worden und habe "auch nicht mitbekommen, dass jemand anderes angesprochen wurde".

Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen eine international agierende Bande am Donnerstag "eine Vielzahl von Durchsuchungen und Festnahmen im gesamten Bundesgebiet sowie im Ausland" vorgenommen worden seien.

UEFA kennt Details nicht

Am Freitag will sich die Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz (14.00 Uhr) in Bochum äußern. Bei der UEFA, die eng mit der Staatsanwaltschaft kooperiert, hielt man sich zunächst noch bedeckt.

"Details kennen wir nicht. Wir wissen noch nicht, welche Ligen in Deutschland betroffen sind und ob deutsche Vereine oder Funktionäre selbst aktiv waren - oder ob lediglich auf deutsche Spiele gewettet worden ist", sagte UEFA-Mediendirektor Rob Faulkner.

Zweiter Fall Hoyzer

Möglicherweise holt damit der Fall Hoyzer den deutschen Fußball wieder ein. Anfang 2005 hatte der damalige Bundesliga-Referee Robert Hoyzer gestanden, 67.000 Euro und einen Plasma-Fernseher für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben.

Am 17. November 2005 wurde er wegen des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Diese trat er am 18. Mai 2007 an.

Der Kroate Ante S. war damals wegen Wettbetrugs zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden, sein älterer Bruder Milan war mit einer Bewährungstrafe davongekommen. Nach "SZ"-Informationen wurde Ante S. am Donnerstag nach Bochum gebracht, sein Bruder kam in Berlin in Unterschungshaft.

Erneuter Wettskandal führt zu Festnahmen

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