Formel 1

Die V-Männer regieren in Malaysia

Sebastian Vettel fährt seit 2015 für Ferrari
© getty

Platz 5, Sergio Perez:

Formel 1 fahren macht Spaß? Sicherlich. Aber auch dann, wenn man im malayischen Glutofen unter einer Viruserkrankung leidet, die den Magen komplett auseinandernimmt? Wohl eher nicht. Und genau aus diesem Grund war Sergio Perez laut eigener Aussage mehrmals kurz davor, das Rennen vorzeitig zu beenden.

Doch der Mexikaner kämpfte, hielt durch und belohnte sich mit Platz sechs. Als einziger Fahrer hinter den Topteams wurde er übrigens nicht überrundet.

Ganz nebenbei machte sich Perez zudem erneut einen Namen als Reifenflüsterer. 30 Runden und damit über die Hälfte des Rennens hielt er auf dem Supersoft durch und legte damit den Grundstein für sein gutes Ergebnis.

Platz 4, Lewis Hamilton:

Der Mercedes war an diesem Wochenende überraschend langsam. Trotzdem hievte der dreimalige Weltmeister seinen Silberpfeil auf die Pole Position. Weil er auf der einen Seite vom Technik-Pech seines WM-Rivalen Vettel profitierte und auf der anderen Seite - im Gegensatz zu Kimi Räikkönen - fehlerfrei blieb.

Am Rennsonntag kämpfte Hamilton gegen Verstappen dann mit stumpfen Waffen. Im Derating-Modus war er für den späteren Sieger leichte Beute, ging beim Verteidigen aber auch nicht das letzte Risiko. Eine weise Entscheidung, schließlich kämpft Hamilton primär um die Weltmeisterschaft und nicht um einzelne Rennsiege.

Dass er Verstappen im Anschluss nicht folgen konnte, lag am Mercedes und seinen überhitzenden Reifen. Vergleicht man aber Hamiltons Tempo mit dem von Bottas, war es ein solides Wochenende des Briten. Den Ausbau seiner WM-Führung auf nunmehr 34 Zähler wird er gerne mitnehmen.

Platz 3, Sebastian Vettel:

Innerhalb von zwei Stunden bauten die Ferrari-Mechaniker vor dem Qualifying einen neuen Motor in den Boliden des Heppenheimers. Nur, um dann festzustellen, dass das neue Aggregat nach einer halben Runde den Geist aufgibt. Für Vettel war die Quali damit für die Katz, er konnte keine Zeit setzen.

Trotzdem ist ein Podiumsplatz im Driver-Ranking verdient, weil der 30-Jährige ein formidables Rennen ablieferte. Allein in der ersten Runde machte er sieben (!) Positionen gut, im weiteren Rennverlauf arbeitete sich Vettel noch weiter nach vorne. Einzig an Ricciardo scheiterte er beim Überholversuch und fiel danach zurück. Kann man ihm das vorwerfen? Nein.

Vettels Supersofts waren schon alt und wurden in den Runden zuvor mächtig rangenommen. Zudem musste der viermalige Champ am Rennende Sprit sparen, um nicht vor der karierten Flagge stehen zu bleiben.

Der Crash mit Stroll in der Auslaufrunde geht nicht auf seine Kappe (siehe Härtefall). Wäre Vettel nicht am Feldende gestartet, hätte er zudem realistische Siegchancen gehabt.

Platz 2, Stoffel Vandoorne:

"Das war mein bisher bestes Rennen in der Formel 1", jubelte der junge Belgier nach seinem starken siebten Platz. Gerade hatte er keinen Geringeren als Fernando Alonso in den Schatten gestellt und sich in der WM sogar vor den Teamkollegen gesetzt (13 zu 10 Punkte).

Bereits am Samstag ließ Vandoorne den Spanier hinter sich. Am Sonntag sprang er nach einem guten Start kurzzeitig dann auf den fünften Rang, war gegen Perez und Vettel aber chancenlos. Nach seinen guten Leistungen in Italien und Singapur war es das nächste bärenstarke Wochenende von Vandoorne. Sollte sich Alonso für eine Vertragsverlängerung bei McLaren entscheiden, muss er sich nächstes Jahr warm anziehen.

Platz 1, Max Verstappen:

Nach Vettel und Vandoorne findet sich der nächste Fahrer mit "V" im Ranking wieder: Verstappen. Und selbstverständlich steht der Niederländer nach seinem Gala-Auftritt auf dem ersten Platz. Seine Leistung war tadellos, sein zweiter Sieg in der Formel 1 hochverdient.

Im Qualifying knapp seinen Teamkollegen Ricciardo geschlagen, verteidigte sich Verstappen beim Start gut gegen Bottas und schnappte sich wenige Runden später die Führung gegen Hamilton. Er spekulierte darauf, dass der WM-Leader nicht in die Vollen gehen würde - und sollte Recht behalten.

Anschließend lieferte er, wenn er gefordert war und zeigte über das gesamte Rennen eine astreine Pace. Verstappen, der am Samstag 20 Jahre alt geworden war, machte sich selbst mit dem Erfolg das beste Geburtstagsgeschenk und startete nach Maß in sein neues Lebensjahrzehnt.

Härtefall, Lance Stroll:

Eigentlich hätte der Kanadier den Sprung in die Top 10 schaffen können. Doch sein Manöver gegen Vettel in der Auslaufrunde war so unnötig, dass er den Einzug in die Punkte verpasst.

Natürlich, Vettel hätte in Kurve fünf nicht so weit innen an Stroll heranfahren müssen. Doch betrachtet man - und das ganz ohne deutsche Brille - die Wiederholung aus verschiedenen Perspektiven an, ist zu sehen, wie der 18-Jährige grundlos nach rechts in Vettel lenkt. Warum? Weil er wohl unaufmerksam war und nicht in den Rückspiegel guckte.

Die Rennleitung sprach Stroll zwar frei, wirklich überlegt war das Manöver aber eben nicht. Für Vettel könnte der Vorfall noch teuer werden, sollte sein Getriebe bei dem Crash zerstört worden sein.

Untauglich, Valtteri Bottas:

Der Silberpfeil des WM-Drittplatzierten war mit einem Aerodynamik-Upgrade ausgestattet, das seinen Sinn wohl verfehlte. Ein Handicap für Bottas, das seine schlechte Leistung aber nur bedingt erklärt. Sieben Zehntel fehlten ihm in der Qualifikation auf Hamilton, ganze 43 Sekunden beim Rennende.

Aktuell sei "die schwierigste Situation meiner Karriere", gab der Finne nach der Schlappe zu. In der Tat: Seit der Sommerpause sieht Bottas gegen Hamilton kein Land mehr und die Weltmeisterschaft kann er schon lange abschreiben. Selbst die Vertragsverlängerung bei Mercedes gab ihm keinen Aufwind. Steigert sich der Nachfolger von Nico Rosberg nicht bald, droht der Nummer-2-Status schon zu Beginn der neuen Saison.

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