Schießt Daniil Kvyat ab!

Daniil Kvyat schoss beim Rennen in Sotschi nach dem Start Sebastian Vettel ab
© xpb
Cookie-Einstellungen

Platz 6, Daniel Ricciardo: Elfter wurde der Australier nach Startplatz 5 noch. Allerdings war er daran unschuldig. Die durch Kvyat ausgelöste Dreifachkollision in Turn 2 hatte ihn bereits hinter Hamilton zurückfallen lassen, der in der Auslaufzone dieses Mal den Styroporbalken auf der richtigen, linken Seite umfahren hatte.

"Eine gewaltige Menge" Abtrieb habe die Startkollision den Red Bull gekostet, sagte Teamchef Christian Horner nach dem Rennen. Unterboden und Seitenkasten waren stark beschädigt. Unter diesen Umständen war die Leistung gut, die Punkteränge um weniger als zehn Sekunden zu verpassen.

Platz 7, Kimi Räikkönen: Das Sochi-Autodrom ist keine Strecke für den Iceman, das war von vornherein klar. Wenn der Großteil des Fahrerfelds Probleme hat, die Vorderreifen auf Betriebstemperatur zu bekommen, dann hat Räikkönen ernste Probleme. Dafür machte er seine Sache sogar ziemlich gut.

Der Finne fuhr Platz 3 heraus. Ein standesgemäßes Resultat hinter den schnelleren Mercedes, aber immerhin vor den langsameren Williams. Einzig sein Qualifying bringt ihm deutliche Abzüge. Denn auch wenn seine Niederlagen gegen Teamkollege Sebastian Vettel mittlerweile Normalität sind, Bottas hätte er schlagen müssen.

Platz 8, Sergio Perez: Nico Hülkenberg bekam beim gemeinsamen Jubiläumsrennen der Force-India-Piloten keinen Stich. Schlecht für den Deutschen, der noch immer auf eine Chance bei einem Topteam hofft. Die hatte Perez bei McLaren schon, scheiterte aber an seinem teils aufbrausenden Temperament.

Bei seinem 100. Grand Prix deutete Perez einmal mehr an, zu was er im Stande ist. Er qualifizierte sich inmitten der Red Bulls. Er holte Punkte, obwohl er mit einem Reifenschaden schon nach der ersten Runde an die Box musste. Dass er sich in der Schlussphase mit frischeren Reifen von Romain Grosjean und Kevin Magnussen aufhalten ließ, war allerdings unnötig.

Platz 9, Jenson Button: Der größte Erfolg war das gewonnene Quali-Duell gegen Alonso und das nur um eine Zehntel verpasste Q3. Beim Start fiel der Brite zurück, als er dem Crash zwischen Ricciardo, Vettel und Kvyat über die Auslaufzone auswich, sich dabei hinter dem Australier anstellen musste und dann abbremste, als der Russe den Deutschen endgültig abschoss. Von da an ging es ums Aufholen. Das Spritsparen sorgte dafür, dass Button in der vorletzten Runde gerade so noch an Carlos Sainz jr. vorbeikam und einen Punkt mitnahm.

Platz 10, Romain Grosjean: Die Vorderachse macht Haas weiterhin Probleme. Wie in China kämpften Romain Grosjean und Esteban Gutierrez mit dem Auto. Irgendwas passt nicht, entweder das Setup oder die Radaufhängung selbst. So standen am Samstagabend nur die Startplätze 15 und 16 auf der Haben-Seite.

Grosjean nutzte seinen vorderen Platz besser. Während sein Teamkollege Hülkenberg abschoss, hielt sich der Franzose aus den Streitigkeiten heraus und lag nach der Auftaktrunde unter den ersten Acht. Magnussen kam beim Boxenstopp vorbei, aber Perez hielt Grosjean bis zur Ziellinie hinter sich. Eine ansprechende Verteidigungsfahrt.

Untauglich, Daniil Kvyat: Der Russe hat es gesagt: Es ist einfach, ihn nach dem Rennen in Sotschi zu kritisieren. Und es ist richtig. Und nötig. Was Kvyat aktuell zusammenfährt, geht auf keine Bullenhaut. In Australien verpatzte er das Qualifying, in Bahrain verpatzte er das Qualifying - mit dem aktuellen Red Bull in Q1 oder Q2 auszuscheiden, wenn sich der Teamkollege ganze zehn Plätze höher qualifiziert, entbehrt jeglicher Diskussionsgrundlage über eventuelle Aufholjagden. Shanghai war mit dem grandiosen, wenn auch riskanten Überholmanöver nur ein kleiner Ausreißer nach oben.

Bei seinem Heimspiel machte Kvyat das erarbeitete Aufsehen wieder zunichte. Der Russe überfährt den RB12 zu oft. "Es ist nur menschlich, Fehler zu machen", so Kvyat. Dass Helmut Marko ihn öffentlich anzählt, spricht allerdings Bände. Der Österreicher ist ein Mann klarer Entscheidungen: Hat er das Vertrauen in eines seiner Talente verloren, fliegt der Fahrer raus. Dieses Schicksal wird Kvyat ereilen - eher früher als später.

Sein einziger Vorteil ist, dass aktuell kein Pilot im Red-Bull-Nachwuchs fährt, der bereit für die Formel 1 scheint. Eine Variante gibt es dennoch: Kvyat geht zurück zu Toro Rosso, während Max Verstappen oder Carlos Sainz jr. schon in Barcelona zum Topteam aufrücken. Dabei hätte der Russe ebenfalls einen Vorteil: Er könnte sich nach kurzem Rummel ausschließlich aufs Rennfahren konzentrieren und sich für neue Aufgaben empfehlen. Denn für mich steht fest: Spätestens nach der Saison 2016 ist für Kvyat Schluss bei Red Bull.

Die Formel-1-WM 2016 im Überblick