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Formel 1

Hamilton gewinnt den Petit Prix

Lewis Hamilton gewann in Australien das 34. Rennen seiner Formel-1-Karriere
© getty

Weltmeister Lewis Hamilton hat den Saisonauftakt der Formel 1 in Australien gewonnen. Im Albert Park von Melbourne feierte der Engländer einen 58 Runden lang ungefährdeten Sieg, bei dem er Mercedes-Kollege Nico Rosberg problemlos in Schach hielt. Sebastian Vettel wurde bei seinem Ferrari-Debüt hinter dem Landsmann Dritter.

Der Heppenheimer profitierte von einem kapitalen Strategie-Fehler des Williams-Teams. Die Privatiers holten Felipe Massa zu früh zum Boxenstopp und verspielten Platz 3 leichtfertig, der Brasilianer kam als Vierter über die Ziellinie.

Das gesamte Ergebnis im Überblick

Sein Landsmann Felipe Nasr wurde bei seinem Formel-1-Debüt für Sauber Fünfter vor Daniel Ricciardo im Red Bull und Nico Hülkenberg im Force India. Marcus Ericcson (Sauber), Carlos Sainz jr. (Toro Rosso) und Sergio Perez (Force India) komplettierten die Punkteränge.

Jenson Button ging im McLaren-Honda als Elfter leer aus. Er war der letzte Pilot, der die Zielflagge sah. Valtteri Bottas (Williams) musste verletzt passen, Kevin Magnussen (McLaren-Honda) und Daniil Kvyat (Red Bull) stellten das Auto bei der Fahrt in die Startaufstellung ab, Pastor Maldonado (Lotus) crashte, Romain Grosjean (Lotus), Max Verstappen (Toro Rosso) und Kimi Räikkönen (Ferrari) mussten aufgeben.

Reaktionen:

Lewis Hamilton (Mercedes): "Ein fantastisches Ergebnis für das Team. Nico ist sehr gut gefahren. Aber wenn er den Druck erhöht hat, konnte ich immer reagieren. Das war nicht so einfach, weil wir nicht wussten wie lange die Reifen halten."

Nico Rosberg (Mercedes): "Rang 2 ist heute in Ordnung. Ein toller Start für das Team. Lewis hat das ganze Wochenende gute Arbeit abgeliefert, ist gefahren wie ein Weltmeister. Ich habe versucht Druck zu machen, aber es hat leider nicht ganz gereicht. 1:0 für ihn - aber die Saison ist lang. Ich werde ihm das Leben schon noch schwer machen."

Sebastian Vettel (Ferrari): "Das ist ein Riesenerfolg für uns. Es fühlt sich an wie ein Sieg, das hatten wir so nicht erwartet. Wir haben es geschafft, hier einen fast perfekten Job abzuliefern. Es ist natürlich eine riesige Erleichterung auf dem Podium zu stehen. Wir haben aber noch viel Arbeit vor uns, um die Mercedes herauszufordern."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Start: Valtteri Bottas fällt aus. Der Williams-Pilot klagte schon im Qualifying über Rückenschmerzen, verbrachte die Nacht im Krankenhaus und erhielt keine Startfreigabe. Eine Bandscheibe im unteren Rücken ist gerissen. Bei Kevin Magnussen geht auf dem Weg in die Startaufstellung der Honda-Motor hoch. Weißer Rauch aus dem McLaren-Auspuff. Der Däne wird nicht starten. Daniil Kvyat rauscht derweil in Turn 3 durchs Kiesbett - wohl ein Getriebeproblem. Der Russe rollt aus. Nur 15 Starter. 1966 in Monaco waren es immerhin 16 Autos. Perez, Verstappen, Ericsson starten mit den härteren Medium-Slicks.

RE-LIVE: Das ganze Rennen im Ticker

Start: Hamilton bleibt vorn, Rosberg kommt schlecht weg. Der Deutsche verteidigt gerade noch Platz 3 gegen Massa, der wiederum von Vettel verfolgt wird. Räikkönen kollidiert fast mit dem Teamkollegen, fällt hinter Sainz jr., Nasr und Ricciardo zurück. Sauber-Pilot Nasr muss deshalb Platz machen und erwischt Pastor Maldonado, der keinen Platz lässt und in die Mauer knallt. Ausfall, Safety Car!

Runde 1: Ericsson kommt direkt zum Reifenwechsel, auch Grosjean fährt in die Box. Der Franzose stellt das Auto aber ab. Noch 13 Fahrer im Rennen.

Runde 4: Re-Start. Nasr überrascht Sainz, der einen kaputten Frontflügel hat. Perez überholt Ericsson zu früh und muss den Platz wieder hergeben. Er ist Letzter, reißt zwei Runden später sein Abreißvisier vom Helm und fährt nach der minimalen Ablenkung durchs Kiesbett von Turn 3.

Runde 8: Räikkönen macht Boden gut, geht an Sainz jr. vorbei. Hamilton und Rosberg setzen sich ebenso von ihren Verfolgern ab wie Massa und Vettel. Nasr bremst Ricciardo, Sainz jr. und Räikkönen ein. Verstappen ist Neunter, knapp vor Hülkenberg.

Runde 14: Perez und Button, die Ex-McLaren-Kollegen beharken sich über mehrere Runden. Der Engländer wehrt die Angriffe erfolgreich ab, dann versucht's der Mexikaner in Turn 3 mit der Brechstange und knallt Button heftig in die linke Seite. Beide fahren weiter.

Runde 17: Räikkönen kommt zum Boxenstopp, das linke Hinterrad geht aber nicht richtig drauf. Der Finne verliert knapp fünf Sekunden.

Runde 22: Massa fährt in die Box und holt sich Medium-Slicks. Das Problem: Er kommt direkt hinter Ricciardo wieder raus. Das ist die Chance für Vettel, der vier Runden später ohne Kampf auf der Strecke Platz 3 übernimmt!

Runde 26: Total verpatzter Boxenstopp bei Toro Rosso und Sainz. Das kostet noch viel mehr Zeit als bei Räikkönen und wirft ihn auf den letzten Platz zurück. Da rücken die Punkte beim Debüt in weite Ferne!

Runde 27: Rosberg wechselt wie Hamilton von Soft- auf Medium-Slicks. An der Reihenfolge der Mercedes-Piloten ändert sich nichts, Rosberg hat aber anscheinend das schnellere Auto.

Runde 34: Bei Verstappen raucht's nach dem ersten Boxenstopp seiner Formel-1-Karriere aus dem Heck. Der Niederländer stellt den Toro Rosso vor der Zielkurve mit Motorschaden ab. Nur noch zwölf Autos im Rennen.

Runde 42: Räikkönen bleibt nach seinem zweiten Stopp Fünfter, wird aber langsam und stellt den SF15-T auf der Innenseite von Turn 4 ab. Wieder gab es Probleme beim Wechseln des linken Hinterrads, der Mechaniker winkte beim Losfahren hektisch, die Mutter war noch nicht fest. Das gibt eine Stop-and-Go-Strafe beim nächsten Rennen in Malaysia. Noch elf Fahrer auf der Strecke.

Runde 55: Ericsson drückt sich mit einem Überraschungsangriff auf neueren Reifen nach Start und Ziel auf der Innenbahn an Sainz jr. vorbei und übernimmt Platz 8.

Ziel: Lewis Hamilton gewinnt unangetastet mit 1,3 Sekunden Vorsprung seinen 34. Grand-Prix vor Nico Rosberg und Sebastian Vettel.

Mann des Rennens: Felipe Nasr. Was für ein Debüt! Der Brasilianer steuerte seinen Sauber ohne große Probleme auf Rang fünf. Besonders beeindruckend, wie er die arrivierten Piloten Ricciardo und Räikkönen rundenlang in Schach hielt, die im Konvoi mit Sainz jr. hinter ihm herfuhren. So gut kann ein Paydriver sein!

Flop des Rennens: Williams. Was war das denn bitte, liebe Strategen? Massa sollte seinen dritten Platz gegen Vettel mit einem frühen Stopp absichern. Die Renningenieure dachten, Ricciardo würde ebenfalls reinfahren. Das tat der Red-Bull-Pilot aber nicht. Massa hing mehrere Runden hinter ihm fest und verlor den Vorteil der weichen Reifen. Die Box erkannte den Fehler und funkte: "Qualifying no, push now!" Es brachte nichts. Podium leichtfertig verspielt.

Das fiel auf:

  • Unterschiedliche Setup-Strategien bei Mercedes? Rosberg optimierte offenbar mehr aufs Rennen und war mit mehr Sprit an Bord der schnellere Fahrer. Er cruiste gemächlich hinter Hamilton her und sparte Sprit für einen Angriff gegen Rennende. Dann konterte Hamilton mit schnellen Runden und baute den Abstand aus.
  • Dahinter Taktikspielchen: Ferrari versuchte bei Räikkönens erstem Stopp einen Undercut mit weichen Slicks, um so Nasr, Ricciardo und Sainz jr. zu überholen. Durch die Probleme mit dem linken Hinterrad und 8,7 Sekunden Standzeit ging der Poker nicht auf. Außerdem musste Räikkönen als einziger Pilot außer Ericsson deshalb zweimal zum Reifenwechsel kommen.
  • Vettel profitierte derweil von der verpatzten Williams-Taktik. Der vierfache Weltmeister setzte die Offset-Strategie mit dem späteren Stopp ohne Probleme um, brauchte nicht mal ein Überholmanöver. Massa verlor hinter Ricciardo viel zu viel Zeit.
  • McLaren fuhr mit Button eine "wir riskieren mal überhaupt nichts"-Strategie. Die Honda-Antriebseinheit lief auf Sparflamme, um endlich erstmals eine Renndistanz zu überstehen. Durch Räikkönen Ausfall rutschte der Weltmeister des Jahres 2009 in die Punkte, wurde aber direkt von Perez wieder verdrängt.

Der Formel-1-Kalender 2015 im Überblick

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