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Formel 1

Ferrari hat seine Nummer eins

Von Alexander Mey
Alonso geht in Führung - muss aber wegen seines Frühstarts eine Durchfahrtsstrafe verbüßen
© Getty

Auch in der Formel-1-Saison 2010 beurteilt SPOX-Redakteur Alexander Mey nach jedem Rennwochenende in seinem Driver-Ranking die Leistungen aller Fahrer - unabhängig von der Stärke ihrer Autos. Diesmal dabei: Michael Schumacher. Ausgabe 4: China-GP.

Schon wieder habe ich ein tolles Rennen gesehen, schon wieder hat mir und wohl allen anderen Fans das Wetter einen Gefallen getan. Unter schwierigsten Bedingungen haben sich wieder einige Fahrer durch fahrerische Extraklasse hervorgetan. Michael Schumacher leider nicht.

Meine Wertung für den China-GP:

Platz 1, Lewis Hamilton: Nicht mehr Schumacher, er ist im Regen der Beste, das hat China eindeutig gezeigt. Fahrerisch zumindest. Sein Gespür für das Limit unter widrigen Bedingungen ist faszinierend, seine Überholfähigkeiten sind begnadet. Seine Duelle gegen Schumacher, Vettel, Rosberg und andere waren hart, aber nie über der Grenze zum Unfairen. In diesem Punkt hat er sich im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal gesteigert. Einschränkend muss man zu seiner Leistung sagen, dass das Qualifying wieder mal nicht optimal war und dass er die Reifen nicht so gut über die Runden gebracht hat wie sein Teamkollege Button.

Platz 2, Nico Rosberg: Man muss sich nur einmal anschauen, wie weit er im Teamduell vor Schumacher liegt. Mehr Worte braucht es eigentlich nicht. Rosberg bewegt den Mercedes über dem Limit, er ist besser als sein Auto. Genau das hat früher übrigens Schumacher ausgezeichnet. Besonders gut gefallen mir seine Qualifyings. In denen legt er nämlich regelmäßig den Grundstein für die guten Rennergebnisse.

Platz 3, Jenson Button: Da war er wieder, der Reifenflüsterer. Button selbst spricht beim China-GP vom besten Rennen seines Lebens. Das ist vielleicht ein bisschen euphorisch, aber in der Tat muss man sein Näschen für richtige Strategien in chaotischen Rennen bewundern. Schon 2009 im Monsun von Malaysia hat er gewonnen, jetzt wieder. Ein tolles Rennen, ohne dabei fahrerisch durch außerordentliche Manöver geglänzt zu haben. Das hat er nicht nötig, weil er immer zur richtigen Zeit das Richtige tut und perfekt auf seine Reifen aufpasst. Auch das zeichnet einen großen Rennfahrer aus, nicht nur spektakuläre Überholmanöver.

Platz 4, Sebastian Vettel: Er landet auf dem vierten Rang, weil er im Qualifying überragend unterwegs war. Der Vorsprung, den er auf seinen Teamkollegen herausgefahren hat, war mit 2,5 Zehnteln enorm groß. Auf eine Runde kann Vettel im Moment niemand das Wasser reichen. Im Rennen hat er den Start verhauen, das war sein Fehler. Dass er und sein Team danach bei der Reifenwahl nicht immer ganz richtig lagen, kann man Vettel nicht alleine vorwerfen. Löblich war, dass er in Zweikämpfen nie die Nerven verloren und mit Rang sechs abgeklärt Schadensbegrenzung betrieben hat.

Platz 5, Fernando Alonso: Der Fehlstart, ein Anfängerfehler. Alonso hat nach dem Rennen selbst eingestanden, dass ihm so etwas noch nie passiert ist. Es ehrt ihn, seinen Fehler so offen einzugestehen. Die folgende Strafe hat ihn jedoch mindestens ein Podium, vielleicht sogar den Sieg gekostet. Ansonsten war Alonsos Leistung am Wochenende wieder gewohnt stark. Im Qualifying hat er das Maximum aus dem Ferrari rausgeholt, im Rennen hat er Teamkollege Felipe Massa durch sein freches Manöver bei der Boxeneinfahrt den Schneid abgekauft. In dieser Aktion hat sich Alonsos Machtinstinkt gezeigt. Er ist die Nummer eins im Team. Sollte daran vor diesem Manöver noch jemand gezweifelt haben, jetzt weiß er bescheid.

Platz 6, Robert Kubica: Zu ihm fällt mir nichts Neues ein. Unglaublich konstant, fehlerfrei - und jetzt auch noch mit dem richtigen Riecher für die Situation im turbulenten Rennen. Kubica ist bei Renault ein würdiger Nachfolger von Alonso. So einen wie ihn hat das Team dringend gebraucht.

Platz 7, Witali Petrow: Sogar von ihm wurde Michael Schumacher überholt, hieß es nach dem Rennen in der Presse, quasi als Beleg für das Elend, in dem sich Schumi in China befand. Damit tut man allerdings dem jungen Russen total Unrecht. Er ist in Shanghai ein tolles Rennen gefahren. Gerade im Zweikampf ist er sehr stark, das hat er auch zuvor in der Saison schon gezeigt. Zum Beispiel gegen Hamilton in Malaysia. Jetzt war er zum ersten Mal an Teamkollege Kubica dran, weil er sich an dessen Fehlerlosigkeit ein Beispiel genommen hat. Zumindest fast. Einen Dreher hatte er im Rennen doch drin, der hat ihn sowohl im Rennen als auch im Ranking eine noch bessere Position gekostet.

Platz 8, Mark Webber: Start gegen Vettel gewonnen, beim Boxenstopp musste der Deutsche sogar hinter Webber anstehen. Doch dann wurde Webber von Hamilton von der Piste gedrängt und kam danach irgendwie nicht mehr in die Gänge. Im Gegensatz zu Hamilton und auch Vettel hatte er deutlich mehr Probleme damit, sich von hinten durch das Feld zu kämpfen. Das unterscheidet wohl einen sehr guten von einem großartigen Rennfahrer. Dazu sein klarer Rückstand im Qualifying auf Vettel - da ist nicht mehr als Platz acht im Ranking drin.

Platz 9, Adrian Sutil: Diesmal leider keine WM-Punkte für ihn, da er und sein Team bei der Reifenwahl im Rennen wie Red Bull nicht immer richtig lagen. Im Qualifying war Sutil erneut stark und ist dabei, sich unter den Top Ten zu etablieren. Vor allem hat er seinen Teamkollegen Vitantonio Liuzzi ganz sicher im Griff. Im Rennen ist trotz der verfehlten Taktik sein Können immer wieder aufgeblitzt, als er zwischenzeitlich das Tempo von Hamilton und Vettel mitgehen konnte und am Ende mit Riesenschritten auf Schumacher aufgeholt hat.

Platz 10, Rubens Barrichello: Auch wenn sein Rennen nicht besonders auffällig war und er ohne Punkte abreisen musste, möchte ich ihm den letzten Punkt dafür geben, dass er seinen vor der Saison hoch gelobten Teamkollegen Nico Hülkenberg wieder einmal eindeutig dominiert hat. Im Qualifying war der Deutsche sogar ratlos, wie Barrichello neun Zehntel schneller fahren konnte als er. Zum alten Eisen gehört Rubinho immer noch nicht.

Härtefall, Michael Schumacher: Ich weigere mich nach wie vor, sein Comeback als missglückt zu bezeichnen. In China war er zum ersten Mal weit unter seinen Möglichkeiten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann mit seiner Erfahrung die Probleme mit dem Auto nicht früher oder später in den Griff bekommt. Ich nehme an, dass viele Leute auch deshalb so enttäuscht von Schumacher sind, weil sie die Stärke von Rosberg etwas unterschätzt haben. Ich gebe Schumacher weiterhin Zeit - erst wenn er zum Saisonende immer noch sieben Zehntel langsamer ist als Rosberg, dann mache ich mir langsam Sorgen.

Meine Punkte für das Shanghai-Wochenende:

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