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Formel 1

Sebastian - der Kannibale

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel gönnte sich nach seinem Sieg von Singapur eine Fahrt im Riesenrad
© Getty

Sebastian Vettel entwickelt sich nach seinem neunten Saisonsieg in Singapur zum Kannibalen. Während er auch ohne WM-Titel feiert und gefeiert wird, freut sich der letzte verbliebene Gegner Jenson Button über Kleinigkeiten.

Eigentlich war Sebastian Vettel ja der Meinung, dass es nach seinem ersten Sieg beim Nachtrennen in Singapur nicht allzu viel zu feiern gibt. Okay, den Sieg vielleicht, der Vettel auf dem Podium sogar zu Tränen gerührt hat. Aber mit dem vorzeitigen Titelgewinn wurde es ja nichts.

Warum also eine große Party feiern? Anstatt eines rauschenden Festes, das man in Singapur sicher vortrefflich hätte feiern können, gab es nur eine Fahrt im gigantischen Riesenrad Singapore Flyer.

Im kleinen Kreis. Mit Vettel, Teamchef Christian Horner, Technikchef Adrian Newey - und Mark Webber, der sich sicher gefragt hat, was er dort sollte. Schließlich war er, obwohl Dritter im Rennen, ganz bestimmt kein Gewinner des Wochenendes, schon gar nicht neben seiner Nemesis Vettel.

Party-Crasher Button ist stolz

Webber ist neben Fernando Alonso der zweite Kerl, der seit diesem Sonntag aufhören kann, an die mathematische Chance auf den WM-Titel zu glauben. 127 Punkte Rückstand für den Australier, 125 für den Spanier. Fünf Rennen vor Schluss war es das endgültig.

Als einziger - nennen wir ihn Verfolger - von Vettel bleibt nach seinem zweiten Platz in Singapur Jenson Button übrig. 124 Punkte Rückstand bedeuten: Er braucht fünf Siege in Serie und fünf Ausfälle von Vettel. Klingt nach einem Kinderspiel...

Immerhin blieb ihm eine kleine Freude: "Ich bin stolz darauf, der Grund zu sein, warum Sebastian heute noch nicht seinen WM-Titel feiern kann."

Vettel: Kein WM-Titel durch die Hintertür

Eigentlich eine Gemeinheit des sonst so netten Herrn Button, aber vielleicht einfach nur eine Reaktion auf Vettels Drohung für die verbleibenden Rennen. "Für uns gibt es keinen Grund, vom Gas zu gehen", sagte Vettel.

Vettel will seinen WM-Titel nicht durch die Hintertür verteidigen, er will ein rauschendes Fest feiern - und zwar mit einem Sieg.

"Schön wäre es, wenn er die WM mit einem Sieg abschließen könnte", wünschte sich sogar der eigentlich unbeteiligte Ex-Champion Jackie Stewart. Wo könnte das Vettel besser tun als ist Suzuka, wo er 2009 und 2010 schon unschlagbar war?

Stewart: "Sebastian macht keine Fehler"

Wie alle Experten und alle Gegner hat auch er höchsten Respekt vor Vettels unglaublicher Saison. "Das ist die neue Generation von super guten Fahrern: Sebastian macht keine Fehler. Alle Fahrer, die Kollisionen produzieren, werden keine großen Fahrer. Aber er hat die Qualität für einen Großen. Er ist ein junger Kerl, der noch Fehler machen darf. Aber wenn er aus den Fehlern lernt - das zeigt seine Reife", erklärte Stewart.

Folgenschwere Fehler hat er 2011 weder in einem Rennen noch in einem Qualifying gemacht. Lediglich im Training hat er zweimal sein Auto demoliert. Auch in Singapur war er fehlerlos. "Sebastian fuhr in einer eigenen Liga", konstatierte Teamchef Horner.

Vettels einzige Bedrohung hieß Kovalainen

In Gefahr war sein Sieg nur einmal. Bei seinem letzten Boxenstopp wäre ihm ausgerechnet Hinterbänkler Heikki Kovalainen fast ins Auto gefahren, weil er von seiner Boxencrew zu früh losgelassen wurde. Vettel kam mit dem Schrecken davon, Lotus muss 10.000 Dollar Strafe zahlen.

Danach gab es für den Deutschen keinen Grund zur Sorge mehr, auch nicht, als Button in den letzten Runden rasant näher kam. "Wir waren uns unserer Sache vielleicht etwas zu sicher und haben den Motor schon zu früh geschont. Aber Sebastian hatte die Sache jederzeit im Griff. Zur Not hätte er noch schneller gekonnt", erklärte Red-Bull-Motorsportchef Dr. Helmut Marko, der einzige im Team, der erfrischender Weise den Mut hatte festzustellen: "Die WM ist gelaufen."

Titelgewinn mit perfektem Wochenende in Suzuka?

Er war es auch, der Vettel dazu ermutigte, weiterhin den Kannibalen zu spielen, der in der Manier der Radsport-Legende Eddy Merckx gnadenlos alle Möglichkeiten zu gewinnen ausschöpft, die sich ihm bieten. "Ich glaube nicht, dass einer unserer Konkurrenten stark genug ist, die letzten fünf Rennen alle zu gewinnen. Aber wir wollen es versuchen", sagte Marko.

Vettel liebe es einfach zu gewinnen, fuhr Marko fort. So sehr, dass er nach dem Rennen in Singapur sogar zugab, in den letzten Runden daran gedacht zu haben, die schnellste Rennrunde von Button noch anzugreifen, um ein perfektes Wochenende zu erreichen. "Aber mein Team hat gesagt: Denke nicht mal dran!", gestand Vettel in der Pressekonferenz.

Dieses Versäumnis wird er sicher versuchen, in Suzuka nachzuholen. Die Titelverteidigung mit einem perfekten Wochenende klar machen, das wäre nach seinem Geschmack.

Und ein Riesenrad gibt es im Freizeitpark neben dem Suzuka Circuit auch.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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