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Basketball

"Hätte gern einen Körper wie LeBron"

Von Max Marbeiter
Andrei Kirilenko (r.) wechselte im Februar zurück zu ZSKA Moskau
© getty

SPOX: Blatt ist gerade erst in der NBA gekommen, Sie haben sie verlassen. Wann kam der Punkt, an dem Sie gesagt haben: "Das war's. Ich gehe zurück nach Russland"?

Kirilenko: Jeder ist unterschiedlich gebaut. Ich hätte gern einen Körper wie LeBron. Dann könnte ich vielleicht spielen, bis ich 40 bin. Jetzt kann ich immer noch auf höchstem Level spielen, aber nicht mehr eine ganze Saison über. Mit 34 ist es für mich mittlerweile viel schwieriger, meinen Körper in Schuss zu halten. Momentan fühle ich mich sehr gut, allerdings weiß ich nicht, wie lang ich noch auf diesem Level bleiben kann, ohne mich zu verletzen. Und genau das ist der Punkt. Irgendwann musst du einfach darüber nachdenken, wann du deine Karriere beendest und wie du bestmöglich auf deinen Körper achtgeben kannst. Momentan muss ich wahnsinnig viel investieren, um dieses Niveau zu halten. Manchmal zwickt es hier, manchmal dort (lacht). Dann denkst du: "Vielleicht wird es langsam Zeit."

SPOX: Spielte die Unsicherheit in der NBA auch eine Rolle. Möchte man gegen Ende der Karriere einfach nicht mehr in einer Situation sein, in der man theoretisch permanent das Team und damit die Stadt wechseln könnte? Stichwort: Trades.

Kirilenko: Am Ende weißt du ohnehin nie, wo du endest, wohin es dich verschlägt. Ich hatte eine großartige Karriere. Ich bin glücklich mit meiner Zeit bei den Utah Jazz. Salt Lake City ist meine zweite Heimat geworden, meine Kinder wurden dort geboren. In Minnesota war ich ebenfalls glücklich. Dort hat sich eben die Philosophie verändert und sie wollten das Team verjüngen. In Brooklyn hatten wir mit all den Veteranen richtig gute Chancen auf den Titel. Das sind alles wertvolle Erinnerungen. Es ist nahezu unmöglich, wie Tim Duncan die gesamte Karriere über beim gleichen Team zu spielen. Selbst die besten Spieler wie Kevin Garnett wurden irgendwann getradet. Das sind alles Erfahrungen und nun habe ich eben viele Erinnerungen für mein Fotoalbum (lacht).

SPOX: Man nimmt ja ohnehin aus jeder Situation etwas mit...

Kirilenko: Eben. Ich hätte zum Beispiel niemals geglaubt, dass ich der erste Small Forward sein würde, der die NBA in Blocks anführt. Das war großartig. Dann das All-Star Game. Am Ende lief alles ziemlich gut. Deshalb bereue ich auch nichts. Das einzige, was fehlt, ist der Titel. Mit Utah hatten wir 2007/08 eine gute Chance, als wir erst im Conference Final gegen die Spurs verloren. Mit Brooklyn hatten wir ebenfalls Möglichkeiten.

SPOX: Sich einem klaren Contender anzuschließen, um den Titel zu holen, war keine Option?

Kirilenko: Ich hatte nie das Gefühl, zu dem Team gehen zu müssen, das die besten Chancen auf den Titel hat. Da geht es auch um die eigene Rolle innerhalb der Mannschaft. Bist du noch wichtig? Natürlich ist es nicht wie betrügen, aber ich würde einfach nicht dieselbe Zufriedenheit verspüren, wenn ich einfach nach San Antonio oder Cleveland gehen würde, weil dort die Chancen, zu gewinnen, am höchsten sind. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich respektiere diese beiden Teams und ihre Arbeit. Gregg Popovich ist großartig. Ich muss mich in der jeweiligen Situation allerdings wohlfühlen. Im Februar gab es für mich deshalb nur noch zwei Teams. Die Jazz und ZSKA Moskau. Am Ende wollte ich meine Karriere aber immer in Russland beenden.

SPOX: Sie haben die Nets bereits angesprochen. Paul Pierce kritisierte die Mentalität des Teams der vergangenen Saison kürzlich sehr deutlich. Stimmen Sie ihm zu?

Kirilenko: Viele Spieler haben nun mal viele unterschiedliche Meinungen. Und wenn er das sagt, hat er genau das empfunden. Ich hatte ein anderes Gefühl. Für mich hatten wir Chancen. Wenn einige Spiele in der zweiten Runde etwas anders verlaufen, hat vielleicht auch Pierce eine andere Meinung. Leider haben wir die Serie verloren.

SPOX: Was halten Sie von Pierce' Aussagen zu Deron Williams? Sie kennen ihn ja schon etwas länger.

Kirilenko: Richtig, ich kenne Deron sehr gut. Wir haben ja bereits in Utah für einige Jahre zusammengespielt. Manchmal passt ein Team aber einfach nicht zu einem einzelnen Spieler. Das hat dann nichts mit dem Coach, den Teamkollegen zu tun. Deron hat tatsächlich nicht konstant gespielt. Ich wünschte, dass er wieder seinen höchsten Level erreicht. Er hatte so viele gesundheitliche Probleme. Nun wünsche ich ihm aber erstmal das Beste gegen Atlanta.

SPOX: Sie selbst wurden zu den Sixers getradet. Ist es als Veteran nicht schwer, zu einem Team getradet zu werden, das im Grunde keinerlei Ambitionen hat, Spiele zu gewinnen?

Kirilenko: Dieser Trade war speziell. Philadelphia hatte, glaube ich, nicht den Plan, mich spielen zu lassen. Sie sahen mich mehr als Asset. Zudem war meine familiäre Situation zu dieser Zeit sehr schwierig. Deshalb sind wir übereingekommen, dass ich nicht für sie spielen werde, sie mich als Asset verwenden und versuchen, mich bis zur Deadline wieder zu traden. Das hat dann nicht geklappt. Ich habe aber keine negativen Gefühle gegenüber den Sixers und ich denke, umgekehrt ist das genauso (lacht).

SPOX:Schlussendlich kehrten Sie nach Moskau zurück und kündigten wenig später an, dass dies wohl ihre letzte Saison würde. Nun lief es in den Playoffs gegen Panathinaikos aber wieder richtig gut. Steht die Entscheidung bereits?

Kirilenko: Also meine Familie, meine Mitspieler, meine Coaches und die Fans hätten schon gern, dass ich noch weiter spiele (lacht). Und die vergangenen Monate verliefen ja auch wirklich gut. Ich konnte auf einem hohen Level spielen. Aber, wie gesagt, benötige ich mittlerweile so viel Zeit, um mich auf die Spiele vorzubereiten. Das ist körperlich sehr hart. Ich bin sehr nah am Karriereende, aber es besteht immer noch eine Chance, dass ich auch kommende Saison noch mal spielen werde. Die endgültige Entscheidung wird im Sommer fallen. Ich sitze dann immer gern auf einem Floß und denke über meine Zukunft und meine Familie nach.

Seite 1: Kirilenko über das Final Four und das Verhältnis Blatt/LeBron

Seite 2: Kirilenko über seine Zeit in der NBA und das nahende Karriereende

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