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Fussball

Kubilay Yilmaz im Interview: Rapid-Abschied? "Wichtigste Entscheidung meiner Karriere"

Kubilay Yilmaz spielt bei Spartak Trnava groß auf.
© imago

SPOX: Sie sind im Alter von 15 Jahren zu Rapid gewechselt, aber nach eineinhalb Jahren war das Abenteuer schon wieder vorbei. Was war ausschlaggebend für das Ende?

Yilmaz: In der Vorbereitung erzielte ich in fünf, sechs Spielen sicher über zehn Tore. In der Liga wollte es dann aber nicht mehr klappen, die Torquote ging deutlich nach unten. Es lag sicher an mir, vermutlich waren es späte Nachwehen der Pubertät (lacht). Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch, aber trotzdem nehme ich meinem damaligen Trainer die Geschehnisse, die dann passiert sind, bis heute übel.

SPOX: Erzählen Sie uns bitte davon.

Yilmaz: In der Rückrunde verletzte ich mich beim letzten Turnier. Der damalige Jugendleiter, Carsten Jancker, wollte, dass ich trotzdem bei Rapid bleibe. Danach bekam ich vom neuen Trainer, Zeljko Radovic, allerdings keine Chance mehr, mich zu beweisen. Keine einzige. Dadurch war für mich klar, dass ich mich verändern muss. Rapid zu verlassen war im Nachhinein eindeutig die wichtigste Entscheidung meiner Karriere.

SPOX: Damit haben Sie einen ähnlichen Weg wie etwa Thomas Goiginger eingeschlagen, der sich ebenfalls außerhalb einer Akademie nach oben spielte.

Yilmaz: Für mich machte das einfach mehr Sinn. Es wäre vielleicht der einfachere Weg gewesen, aber es schien mich bei Rapid irgendetwas blockiert zu haben. Bei meiner nächsten Station konnte ich sofort Fuß fassen.

SPOX: Sie haben einen äußerst ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, und sind zur U21 von Znojmo in der tschechischen Liga gewechselt. Wie kommt man als 17-Jähriger auf diese Idee?

Yilmaz: Mein Vater stellte den Kontakt zu einem Spielerberater her, der angeboten hatte, einen neuen Verein für mich zu finden. Der Schritt, zurück in die Wiener Liga zu gehen, schien uns nicht der beste zu sein. Die Trainings sind dort nicht so professionell, wie man sich das wünschen würde.

SPOX: Dann zogen Sie also alleine nach Tschechien.

Yilmaz: Alleine hätte ich das wohl nicht geschafft. Ich bin gemeinsam mit Abdullah Celik, einem weiteren Österreicher, der zuletzt in der zweiten Mannschaft von Besiktas kickte, nach Znojmo gegangen. Dort spielten wir in der Liga der U21, die ähnlich wie die Premier League II aufgebaut ist: Jeweils fünf Spieler aus der Kampfmannschaft waren spielberechtigt, das Niveau war dadurch nicht zu unterschätzen.

Kubilay Yilmaz: Leistungsdaten der vergangenen Saisons

SaisonVereinSpieleToreAssistsMinuten
2018/19Spartak Trnava971621
2017/18Spartak Trnava2242685
2016/17Spartak Trnava227-1.150


Kubilay Yilmaz: "Sehr gute Freundschaft" mit Yasin Pehlivan

SPOX: Drei Jahre dauerte es, bis sie mit Spartak Trnava den nächsten Schritt in Ihrer Karriere wagten.

Yilmaz: Wieder war es ein Testspiel, das mir geholfen hat. Ich konnte gegen Trnava überzeugen, woraufhin der Sportdirektor mir gleich nach der Partie ein Angebot unterbreitete. Eigentlich war es mein großes Glück, dass Znojmo finanziell nicht gut dasteht.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Yilmaz: Sie hatten Probleme, meine Ausbildungsentschädigung an Rapid und Slovan zu bezahlen. Trnava erklärte sich bereit dazu, diese zu übernehmen, im Gegenzug durfte ich trotz bestehenden Vertrages problemlos in die Slowakei wechseln.

SPOX: Dort blühen Sie nun regelrecht auf. Wie schätzen Sie sich selbst ein? Was sind ihre Stärken, wo könnten Sie sich in Zukunft noch verbessern?

Yilmaz: Meine Stärken liegen klarerweise in der Offensive. Mit dem Ball bin ich technisch besser als klassische Stoßstürmer, die dafür etwas kopfballstärker sind als ich. Mein Trainer wünscht sich, dass ich noch besser gegen den Ball arbeite, daran versuche ich auch zu arbeiten.

SPOX: Im Herbst gelang Ihnen in der Europa League der 1:0-Siegestreffer gegen Fenerbahce.

Yilmaz: Das war ganz klar mein persönliches Highlight. Als ich wenige Wochen später in der Türkei war, wusste jeder von diesem Treffer. Das war schon cool. Schade, dass es nicht mehr um den Aufstieg in die K.o.-Phase ging.

SPOX: Bis zum vergangenen Sommer spielten Sie mit Yasin Pehlivan in einer Mannschaft. Gab es eine besondere Beziehung zu ihm?

Yilmaz: Wir hatten von Anfang an ein gutes freundschaftliches Verhältnis. In der Kabine wurde er schnell zu meinem Sitznachbarn, wir haben auch abseits des Platzes vieles gemeinsam unternommen. Ich lernte seine Familie kennen und uns verbindet heute eine gute Freundschaft. Er schlägt sich ja derzeit in der zweiten türkischen Liga beim Tabellenführer richtig gut.

SPOX: Mit Fabian Miesenböck steht auch in dieser Saison ein weiterer Österreicher im Kader.

Yilmaz: Marvin Egho war ja auch für ein Jahr bei uns. Mit uns vier Österreichern hatten wir eine richtig gute Österreicher-Connection.

ÖFB: Yilmaz über fehlende Anfrage "überrascht"

SPOX: Das ist ein gutes Stichwort: Gab es bislang eine Kontaktaufnahme vom ÖFB?

Yilmaz: Wenn ich ehrlich bin, gab es eine Anfrage, aber nicht vom ÖFB. Der türkische Verband erkundigte sich im Dezember, wie ich meine sportliche Zukunft plane. Ich war etwas überrascht, dass der ÖFB mich - trotz guter Konkurrenz im Sturm - nicht für das U21-Nationalteam haben wollte. Ich will mir aber nicht großartig den Kopf darüber zerbrechen. Sollten meine Leistungen weiterhin gut sein, wird sich eine Karriere in einem Nationalteam ohnehin ergeben.

SPOX: Trnava braucht in der Liga, die dasselbe Format wie die österreichische Bundesliga hat, noch einige Punkte, um in die Meistergruppe zu kommen. Was erwartet Sie im Frühjahr?

Yilmaz: Für mich persönlich ist es sehr wichtig, in die Meistergruppe zu kommen. Es sieht aber nicht einfach aus. Wir haben sechs Punkte Rückstand bei noch vier Spielen. Der Spielplan meint es nicht gut, wir müssen noch gegen die Top-3 ran.

SPOX: Eine harte Aufgabe, Tabellenführer Slovan Bratislava verlor in dieser Saison noch kein Spiel. Sind sie unschlagbar?

Yilmaz: Sie sind natürlich schon schlagbar. Andere Vereine wie etwa Trencin hatten in der Liga auch ihre Probleme. Unser Problem war, dass wir in den Schlussminuten viel zu viele Punkte liegengelassen haben. Alleine in den letzten fünf Minuten verloren wir fünf Spiele, so etwas habe ich noch nicht erlebt.

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