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WM bei mySPOX


Gründer: GNetzer | Mitglieder: 56 | Beiträge: 5
05.07.2010 um 15:24 Uhr
Geschrieben von JanBoehmer
Not Your Soccer Mom!
Ich habe mich ertappt. Neulich. Beim Abgehen. Also so richtig. Mit Aufgespringe, Faust-in-die-Luft-Gefeuere und Schiedsrichter-Verungeglimpfe. Und das nicht etwa bei einem Deutschland-Spiel. Nein. Da war ich erstaunlich ruhig.

Das würde schon alles klappen. Tut es ja meistens, irgendwie.

Nein. Die USA sind schuld. Bei deren Spielen stand völlig neben mir. Komplett. Hatte Adrenalin. Wurde krumm angestarrt. Von den Kollegen. Der Frau. Und deshalb muss es jetzt einfach raus. Ich kann es nicht länger leugnen:

Ja, ich habe eine Zweit-Nation.

Es heißt: soccer, verdammt!

Und in meiner Funktion als Teilzeit-Amerikaner blogge ich jetzt über Fußball. Oder besser gesagt: soccer. Denn so heißt das hier bei uns. Bei uns in den USA. Da braucht man gar nicht in den typischen "ach, die schon wieder"-Modus zu schalten. Wir wissen nämlich, dass es Football heißt. Überall. Nur nicht bei uns. Und das wird sich auch nicht ändern. Egal wie lange ihr nervt. Oder lacht. Oder uns belächelt. Denn wir haben hier schon einen wunderbaren Sport, der Football heißt. Und der geht ganz sicher auch nicht einfach so weg. Also: Soccer it is.

Was wurde hier vor der WM nicht alles über Fußball geschrieben. Und diskutiert. Selbst das renommierte "Time Magazine" widmete der WM in Südafrika eine eigene Sonderausgabe. Doppelte Seitenzahl. Kurz: Alle sprachen davon, dass dies der Durchbruch des Fußballs in den USA sein könnte. Sollte. Müsste.

Und was ist jetzt? Jetzt, da die WM für uns Amerikaner vorbei ist. Hat das US-Team trotz der Ghana-Pleite die Massen begeistert? Sind jetzt alle Amerikaner Fußball-Fans? Treten sie in den Parks gegen einen Fußball?


Entsetzte USA-Fans nach dem WM-Aus gegen Ghana

Hollywoodreife Vorstellung?

Nur schwer vorstellbar. Leider. Auch wenn die Spielweise der amerikanischen Elf förmlich nach Hollywood schrie. Der immer bis zum Letzten kämpfende Außenseiter, der Rückstände aufholt und sich selbst von den größten Ungerechtigkeiten nicht unterkriegen lässt. Einzig das Happy End, das fehlte. Und ein Film ohne Happy End? In Hollywood? Schwierig.

Zur Sicherheit frage ich bei meinem ehemaligen College-Mitbewohner Tom nach. Der stammt mitten aus Wisconsin. Football-Fanatiker. Packers-Fan. Ein typischer Amerikaner. Dachte ich jedenfalls lange. Bis er eines Tages die Playstation rausholte. Samt FIFA 06. Damals. Einfach so. Wollte Bundesliga zocken. Er: Bayern. Ich: Köln. Mitten im Football-verrückten Green Bay. Mitten in der Saison.

Der Football-Saison, wohlgemerkt.

Ein Monat Super Bowl

Der muss das also wissen. Denn der schaut natürlich die WM. Sagt, es fühle sich an wie ein Super Bowl, der einen ganzen Monat dauert.

"Es ist komisch, wie plötzlich alle Fußball hypen", sagt er. Doch dann das: "Direkt nach dem Finale ist das wieder vorbei". Das ist sein zweiter Satz. Einfach so. Noch bevor sich Pro-Fußball argumentieren kann, bin ich entmachtet.

Er sagt: Fußball ist dann wieder ein ganz kleines Licht. Was für Insider. Aber es war doch WM, sage ich. Und wir haben gekämpft. "Selbst das wird wohl nur sehr wenige Amerikaner zu echten Fußball-Fans machen", wiegelt Tom ab.

Aber die Quoten, falle ich ihm ins Wort. Die Quoten waren doch so toll. 19,4 Millionen Zuschauer! So viele wie noch nie beim Fußball in den USA. Klar, sagt er. Aber das sind immer noch deutlich weniger als die 28 Millionen, die beim entscheidenden Spiel der NBA-Finals die Glotze einschalteten. Recht hat er, der Tom. Leider. Aus reinem Trotz muss ich ihm dennoch an den Kopf werfen, dass das immerhin mehr Leute sind als beim aktuellen US-Quoten-Renner: der neuen Staffel "America's got Talent". Die sehen nur elf Millionen. Ha.

Doch zurück zum Fußball. Denn ich finde, dass von den 19,4 Millionen ja wenigstens ein paar hängen bleiben könnten. Oder? Aus neuer Leidenschaft. Oder Begeisterung. Oder wenigstens aus Versehen. "Vielleicht ein paar Hundert", kommt mir Tom entgegen. Er will mich wohl nicht gänzlich demütigen. "Aber was sollen die denn gucken, nach der WM?"

Die verdammte MLS

Berechtigte Frage. Denn die tatsächlichen Fußball-Fans in den USA schauen Premier League. Oder spanischen Fußball. Aber die eigene Liga. Die, die für alle ohne großen Extra-Aufwand frei zugänglich wäre?

Die MLS? "Verdammt, deren Spiele schaue ich mir ja noch nicht einmal an", bricht aus Tom heraus. "Viel zu schlecht, das Gekicke dort."

Punkt für ihn. Muss ich zugeben. Denn das, was ich in meiner Zeit in den USA so an einheimischem Fußball gesehen habe, war vom Niveau her tatsächlich eher Bielefeld gegen Cottbus. Wenn überhaupt. Vielleicht auch Duisburg. Kurz: braucht niemand. Und vor allem: das reißt garantiert keinen vom Hocker.

Schon gar keinen Fußball-Skeptiker.


Gekämpft bis zum Umfallen: Maurice Edu

Die USA brauchen eine starke MLS

Was dem Fußball in den USA also fehlt, ist eine starke eigene Liga um die Amerikaner zu begeistern. Denn nur wenn man guten Fußball ohne großen Aufwand geboten bekommt, kann man sich dafür begeistern. Zum Vergleich stelle man sich mal vor, es gäbe in Deutschland keine Bundesliga. Die wäre einfach so weg. Man müsste jede Woche Ahlen gegen Oberhausen schauen. Keine Champions League, keine Europa League, kein nix. Man stelle sich vor, für ansprechenden Fußball müsste man nachts um drei Uhr aufstehen. Immer.

Eine erhebliche Einstiegshürde, wie das im Kommunikationswissenschaftlichen so schön heißt. Einfach gesagt: Viel zu umständlich. Resultat: nur diejenigen, die sich ohnehin für den Sport begeistern, machen sich die Mühe.

Alle anderen: gehen lieber schlafen.

Und genau das ist das Problem in Nordamerika. "Der Profi-Fußball ist hier ganz einfach noch nicht so weit", sagt Oliver. Ich kenne Oliver schon seit einer ganzen Weile. Er ist Fußball-Trainer in den USA. Hat da studiert. Gespielt. Und bereits einige der besten College-Teams des Landes trainiert. Jetzt leitet er eine Nachwuchs-Akademie des US-Verbandes. Kennt sich also aus, der Oliver. Und er sagt: "Fußball ist und bleibt eine Art Subkultur."

Weiter mit Teil II: Die Zukunft der MLS
Aufrufe: 2833 | Kommentare: 3 | Bewertungen: 11 | Erstellt:05.07.2010
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KOMMENTARE
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meister_der_milzen
06.07.2010 | 11:45 Uhr
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meister_der_milzen : nuff said
06.07.2010 | 11:45 Uhr
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meister_der_milzen : nuff said
http://www.youtube.com/watch?v=2sD_8prYOxo
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ALX
06.07.2010 | 02:43 Uhr
1
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ALX : KÜNSTLERISCHE IDENTITÄT
06.07.2010 | 02:43 Uhr
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ALX : KÜNSTLERISCHE IDENTITÄT
Jan es heißt Eggball.

Ich bin der Meinung das die Welt auch ohne die USA im Fußball ganz gut auskommt. Es fehlt die Begeisterung? Eindeutig die grundlegende Frage der Identität. Künstlicher kann kein anderes Land den Fußball sehen. Schon die Sorgen verbunden mit Ängsten, nicht mehr attraktiv genug für den Fußball zu sein zeigen doch nur wie Limitiert die Leute und das Land sind. Bleibt beim Eggball.
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tt21
05.07.2010 | 23:58 Uhr
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tt21 : 
05.07.2010 | 23:58 Uhr
0
tt21 : 
Bei der "Soccer"-WM ist es wohl der ausgeprägte Patriotismus der Amis, der sie vor die TV-Geräte lockt. Am Sport an sich haben dort wohl nur die Wenigsten Interesse.
Schade, denn normal sollten jetzt gute Zeiten für Soccer-Amerika sein, da nach dem letzten Hype, der Heim-WM 94, es dort einige junge Talente geben müsste.

btw: Kennt ihr noch das größte Talent aller Zeiten, Freddy Adu?:-D

Sehr schöner Beitrag!
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