Tennis

Simona Halep & Co.: Die Nummer eins als Bürde

Von Ulrike Weinrich
Halep ist seit Oktober die Nummer eins der Welt und will 2018 auch ein Grand Slam gewinnen
© getty

Selbst Branchenführerin Simona Halep fühlt sich nicht als wahre Nummer eins und hält Serena Williams für die beste Spielerin der Welt. Als "Fan" beobachtete die Rumänin die Amerikanerin jüngst bei ihrem Drittrundenmatch in Indian Wells. Auf dem Tennis-Thron kann es auch nach Ansicht von Chris Evert und Martina Navratilova eigentlich nur eine geben.

Die Szene hatte Symbolcharakter. Simona Halep saß mit schwarzem Basecap auf der Tribüne des Centre Courts im paradiesischen Tennis Garden von Indian Wells - und genoss die 29. Auflage des Sister Acts. Eigentlich fehlten nur noch die Tüte Popcorn in der linken und der Pappbecher Cola in der rechten Hand, um das typisch amerikanische Fanerlebnis für die 26-Jährige perfekt zu machen.

Halep als Serena-Fan: "Ich habe mir die beste Spielerin der Welt angeschaut"

Einen Tag später dann machte Halep aus ihrem Herzen keine Mördergrube und erklärte ihren Ausflug auf die Zuschauerränge folgendermaßen: "Ich bin momentan die Nummer eins der Welt, aber ich habe mir die beste Spielerin der Welt angeschaut."Zwar verlor Serena Williams das Duell mit ihrer Schwester Venus (3:6, 4:6) und verpasste das Achtelfinale. Doch Haleps verbaler und durchaus beachtenswerter Kniefall vor der 36-Jährigen gibt bestens die Stimmung in der Szene wieder.

Serena Williams mag nach ihrer Babypause zwar noch kein offizielles Ranking besitzen, doch für viele ist die 23-malige Grand-Slam-Siegerin noch immer die Lichtgestalt im WTA-Circuit. Auch weil keine der anderen Anwärterinnen bislang Konstanz zeigte, wenn ihr der Sprung nach ganz oben glückte. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel auf dem Tennis-Thron erreichte 2017 einen Höhepunkt: Fünf verschiedene Spielerinnen - darunter Angelique Kerber, Karolina Pliskova oder Garbine Muguruza - hatten den Platz an der Sonne in der vergangenen Saison inne. Es gab insgesamt sieben Wechsel auf der Pole Position.

Ikone Navratilova prangert fehlende Druck-Resistenz an

"Der Druck lähmt die meisten von ihnen. Sie spielen als Nummer eins schlechter, nicht besser", sagte Martina Navratilova in diesen Tagen bei BNPParibasOpen.com und meinte: "Bei Serena ist es so: Sie spielt besser unter Druck. Und das ist der Grund, warum sie diese großen Matches gewinnt - und die anderen eben nicht." Punkt.

Auch Navratilovas einstige Rivalin Chris Evert sieht hinter Williams ein Vakuum. "Die Chance war im letzten Jahr da, sich in Abwesenheit von Serena in den Vordergrund zu spielen. Keine hat es geschafft", meinte die Amerikanerin. Die Zeiten, in denen sich jemand anschickt, wie einst Steffi Graf oder eben Serena Williams die Weltrangliste 186 Wochen am Stück anzuführen, sie scheinen antiquiert.

Muguruza spricht von einem "großen Rucksack" voller Erwartungen

Wimbledonsiegerin Muguruza macht unter anderem die gestiegene Leistungsdichte für die fehlende Dominanz einer einzigen Spielerin verantwortlich. "Die Zeiten haben sich geändert. Beinah jede kann für eine große Überraschung sorgen. Als Topspielerin bist du immer in Gefahr", erklärte die Spanierin. Der Beweis folgte auf dem Fuße: Sie verlor ihr Auftaktmatch in Indian Wells gegen die Qualifikantin Sachia Vickery (USA).

Muguruza sprach aber auch von einem "großen Rucksack", der einem als Branchenführerin aufgesetzt wird. Auf die neue Reise unter erschwerten Bedingungen war auch sie nicht vorbereitet. "Wenn du klein bist, träumst du immer davon: 'Ich will die Nummer eins der Welt sein'. Aber du denkst nicht an den Druck oder die Erwartungen. Und daran, dass es dann eine große Sache ist, wenn du ein Match verlierst", beschrieb die Weltranglistendritte die Schattenseite der Medaille.

Will heißen: Wenn die eine Mission "completed" ist, gibt es neue Herausforderungen. "Ich glaube, man versteht das alles erst wirklich, wenn man es mal erlebt hat", berichtete Australian-Open-Siegerin Caroline Wozniacki (Nr. 2) über ihr "learning by doing". Auch die Dänin ist in der kalifornischen Wüste bereits ausgeschieden.

Halep plädiert für eine topgesetzte Serena

Halep jedenfalls hat eine klare Meinung zum bürokratischen Umgang mit Rückkehrerin Serena Williams. "Sie sollte zumindest bei den acht Turnieren, bei denen sie ihr Protected Ranking verwenden darf, an eins gesetzt sein. Denn dort stand sie, als sie die Tour verließ", betonte die topgesetzte Rumänin, die am Freitag im Viertelfinale von Indian Wells auf Naomi Osaka (Japan) trifft.

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