Angelique Kerber kann eigentlich ohne Druck in die French Open gehen

Befreit an der Seine?

Freitag, 26.05.2017 | 15:00 Uhr
Angelique Kerber kann sich wieder auf ihre Fitness verlassen
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Die French Open sind eines der wenigen Turniere, bei denen Angelique Kerber 2017 keine guten Ergebnisse aus dem Vorjahr zu verteidigen hat. Vielleicht nimmt das etwas von dem Druck, der seit Wochen auf den Schultern der Weltranglisten-Ersten lastet.

Eigentlich müsste man sie zu den Titelfavoritinnen für die French Open zählen, ganz automatisch, ganz selbstverständlich. Angelique Kerber, die Nummer eins der Tenniswelt. Doch wenn am Sonntag die Grand Slam-Festspiele im Stadion Roland Garros für das Jahr 2017 eröffnet werden, steht die Frontfrau keineswegs in der ersten Reihe der Pokalkandidatinnen.

Ein bisschen symptomatisch ist das, was Bundestrainerin Barbara Rittner stattdessen über die Perspektive der Frontfrau sagt, über die Chancen in den nächsten Turniertagen: "Ich hoffe, dass sich Angie auf die Stärken besinnt, die sie zur Nummer eins gemacht haben", sagt Rittner, "sie hat in Paris keine Punkte zu verteidigen, vielleicht kann sie dadurch befreiter aufspielen."

Nach Oberschenkelproblemen wieder fit

Viel vorsichtiger als die Fed Cup-Chefin kann man die Kerber-Erwartungen für das zweite Major-Turnier der Saison gar nicht beschreiben. Aber was soll und kann die Bundestrainerin auch anders tun, als Ansprüche an ihre Spitzenspielerin gering zu halten - dieses Jahr mit und für Kerber ist bisher schließlich eine Aneinanderreihung von Frustmomenten gewesen, von Enttäuschungen und Rückschlägen.

Liest man Kerbers Arbeitszeugnis der ersten Monate, käme man kaum auf die Idee, dass es sich dabei um die nominell beste Spielerin der Welt handelt. Es gab Niederlagen reichlich für Kerber, mal mehr, mal weniger überraschend. Und zuletzt gab es auch noch Verletzungspech, schon seit etwa einem Monat plagt sich die 29-jährige mit Oberschenkelbeschwerden herum. Dass sie jüngst nach einer Matchaufgabe in Madrid noch nach Rom reiste, um bei einem weiteren, hoch dotierten Turnier anzutreten, wirkte da auch nicht gerade wie der Weisheit letzter Schluss. Nun, sagte sie, sei sie aber "wieder voll fit, bereit für Paris."

Fehlende Leitfiguren

Wie sehr Kerber in dieser Saison indes in die Defensive geraten ist, zeigen die etwas verzweifelt anmutenden Versuche, eine psychisch günstige Ausgangslage für das Pariser Grand Slam-Spektakel zu konstruieren. Weil Kerber vor zwölf Monaten in der ersten Runde gegen die Niederländerin Kiki Bertens ausgeschieden sei, falle einiges an Belastung und Druck weg von ihr. Doch Kerber weiß selbst am besten, und zwar aus oft leidvoller Erfahrung, dass sie als Nummer eins stets hohen Erwartungen ausgesetzt ist - ganz egal, was sie in der Vorsaison erreicht hat. "Von der Nummer eins verlangt man immer etwas Besonderes", sagt Kerber.

Zurzeit steht sie daher auch eher als Symbolfigur für eine Schwächephase des internationalen Damentennis da, eine Branche ohne klare Hierarchie, ohne überzeugende Spitzenkräfte, ohne charismatische Erscheinungen wie die in der Schwangerschaftspause befindliche Serena Williams. Wenn die Experten und Fachbeobachter davon sprechen, dass ein Turnier "weit offen" sei, dann schwingt da auch immer die Kritik an fehlenden Leitfiguren mit. Es herrsche zu viel Beliebigkeit im Damentennis, es gebe überhaupt keine Hackordnung, sagt selbst eine europäische Turniermanagerin. Kein Wunder, dass die Rückkehr der Weißrussin Victoria Azarenka (Babypause) und der Tschechin Petra Kvitova (Verletzungspause nach Messer-Überfall in der eigenen Wohnung) weithin begrüßt und nahezu herbeigesehnt wird.

Kerber fühlt sich gut auf dem Platz

Aber erst einmal steht Paris an, das Championat auf Sand. Kerber hat in der Welt der Ranglistennoten eigentlich nichts zu verlieren, nach der Pariser Auftaktschlappe im Mai 2016. Die Frage ist nur, ob sie das auch so sehen kann. Oder ob nicht doch wieder die große Blockade einsetzt, wenn sich alle Augen auf die angeschlagene, kriselnde Nummer 1 richten. Oft hat Kerber in letzter Zeit gesagt, sie habe "gut trainiert" und sich auch "gut gefühlt auf dem Platz." Doch was sie mehr als alles andere braucht, sind gute Ergebnisse. Ein Aha-Erlebnis, ein Ruckauftritt, der all den Frust, all die Zweifel und all den Ärger dieser bisher verfluchten Saison wegwischt.

Angelique Kerber im Steckbrief

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