Interview mit Tennis-Legende Mansour Bahrami

"Ich blieb sechs Jahre illegal in Frankreich"

Freitag, 10.11.2017 | 07:57 Uhr
Mansour Bahrami ist eine Tennis-Legende

SPOX/Tennisnet: Sie sprechen es an: Seit Jahren kennt man Sie als großen Showman, der das Publikum bei Schaukämpfen begeistert. Woher kam das Talent, die Menschen zum Lachen zu bringen?

Bahrami: Aus meiner frühesten Kindheit. Von fünf bis 13 habe ich mit meiner Handfläche gespielt, einer Kehrschaufel, einem Stück Holz. Als ich als Achtjähriger nicht auf den Court durfte, habe ich gegen eine Wand gespielt, und die Leute haben mich gefragt: Warum machst du das? Später, mit 14 oder 15, habe ich damit Geld verdient, dass ich Spieler mit 20 Jahren Erfahrung geschlagen habe, mit meinem Stück Holz oder meiner Kehrschaufel. Aber ich habe nie Tennis gespielt, um reich zu werden. Es ging mir immer um die Freude am Spiel. Weil wir nicht auf die Plätze durften, haben meine Freund und ich uns unseren eigenen Platz gebaut, mit Linien und einem Netz, und dann mit den Händen und einem sehr alten Ball gespielt. Es war für mich immer ein Spiel, und das ist es bis heute geblieben. Wenn ich heute Schaukämpfe spiele, dann nicht, weil ich von einem Tag auf den anderen plötzlich komisch geworden bin. Mein Tennis war schon immer komisch, von Kindheit an.

SPOX/Tennisnet: Und das hat die Zuschauer magisch angezogen.

Bahrami: Ja, weil mein Spiel so anders war. Turnierdirektoren haben mich dafür bezahlt, dass ich bei ihnen an den Start gehe, ob in Deutschland, Österreich, Belgien oder Frankreich. Ich war schon älter und stand im Ranking nicht gut genug für das Hauptfeld, also bezahlten sie mich dafür, dass ich bei ihnen die Qualifikation spiele. Vielleicht hätte ich am Ende noch ein oder zwei Jahre länger auf der ATP-Tour spielen können, aber die Nachfrage nach Schaukämpfen war so hoch, dass ich mich zwischen der ATP-Tour und den Exhibitions entscheiden musste. Also wählte ich die Showmatches und die Senior ATP Tour.

SPOX/Tennisnet: Wenn Sie Deutschland ansprechen: Unterscheidet sich das deutsche Publikum von anderen? Müssen Sie sich anpassen?

Bahrami: Nein, ich bin überall gleich. Manchmal bin ich an Orten zu Gast, wo mich die Leute noch nicht kennen, aber ich brauche überall nur fünf Minuten, dann habe ich sie immer auf meiner Seite. Ich liebe es einfach, mit ihnen zusammen zu sein. Wenn ich früher auf den Court kam und es waren keine Zuschauer da, hatte ich selbst keine Lust mehr. Also habe ich so schnell wie möglich verloren und bin wieder abgereist. Ohne Zuschauer konnte ich einfach nicht spielen. Es gibt nichts Besseres, als das Publikum zum Lächeln zu bringen.

SPOX/Tennisnet: Sie spielen vor allem Doppel. Gibt es einen Partner für Sie, mit dem die Chemie einfach stimmt? Oder einen Lieblingsgegner?

Bahrami: Nein, ich spiele mit jedem, da gibt es kein Problem. Ich bin zwar immer der Älteste, aber ich nehme es mit jedem Gegner auf. (lacht) Früher habe ich sehr gerne gegen Peter McNamara gespielt. Ein großartiger Mensch, sehr elegant auf dem Court. Gegen ihn war es immer gutes Tennis und ein großer Spaß. Ich glaube, er hat sogar auch mal in Deutschland gelebt.

SPOX/Tennisnet: Haben Sie auch mit Deutschen gespielt? Ich habe ein Foto mit Boris Becker gesehen, aber darüber hinaus?

Bahrami: Sie müssen sehr jung sein. (lacht) Ich habe mit sehr vielen Deutschen gespielt. Becker, Stich, Kühnen, Fassbender, Pohlmann ... In den 80ern habe ich mindestens 15 bis 20 Schaukämpfe pro Jahr in Deutschland gespielt. Auch gegen Steffi Graf. Sogar gegen Fußballer.

SPOX/Tennisnet: Fußballer?

Bahrami: Ja, Beckenbauer zum Beispiel. Drei oder viermal habe ich gegen Sepp Maier gespielt, ein sehr netter Mensch. Das waren richtig gute Matches. Ich habe sogar gegen Thomas Gottschalk gespielt.

SPOX/Tennisnet: Wie lange werden wir Sie noch auf dem Court sehen?

Bahrami: Solange mein Körper das mitmacht. Ich bin immer noch 30 Wochen im Jahr unterwegs. Solange ich noch gut genug bin und die Menschen mich sehen wollen, werde ich spielen. Wenn ich den Eindruck bekomme, dass ich zu langsam werde, mich nicht mehr bewegen kann oder die Leute keinen Spaß mehr haben, höre ich auf.

SPOX/Tennisnet: Und wer kann in Ihre Fußstapfen treten?

Bahrami: Ich weiß, dass viele versuchen, mich und meinen Stil zu kopieren. Aber wer mein Nachfolger werden kann ... (überlegt) Ich weiß nicht. Wirklich nicht.

SPOX/Tennisnet: Haben Sie zum Abschluss eine Lebensweisheit für den Tennis-Nachwuchs?

Bahrami: Ich sage den jungen Spielern immer, dass Tennis ein großartiger Sport ist. Spielt, so viel ihr Lust habt, und habt Spaß. Werde so gut wie ihr nur könnt, aber immer mit Freude am Spiel. Wenn die fehlt, dann ist es das nicht wert. Wenn man wirklich Feude am Tennis hat, kann man ein großer Spieler werden. Und wenn nicht, dann hat es zumindest Spaß gemacht. Im Sport, und auch im Leben. Nicht jeder kann die Nummer eins werden, aber jeder kann Spaß am Sport haben. Wird man ein großer Spieler: super. Und wenn nicht, ist es auch egal.

Seite 1: Mansour Bahrami über seine Karriere: Prügel im Iran, Verstecken in Frankreich

Seite 2: Mansour Bahrami über sein Talent als Comedian und Matches gegen Fußballspieler

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