Das Tennis-Panel zu den Australian Open - Teil 3

"Da kommt der Hardcore-Traditionalist"

Samstag, 14.01.2017 | 15:05 Uhr
Die Australian Open gelten mittlerweile als Highlight - das war nicht immer so
© getty
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Rechtzeitig vor Beginn der Australian Open haben wir uns bei einigen Leuten umgehört, die sich seit Jahren mit dem Tennissport auseinandersetzen: Das Tennis-Panel geht in seine nächste Runde.

Die Australian Open setzten seit Ende der 1980er-Jahre traditionell das erste Highlight eines Tennis-Jahres. Wie zu jedem Grand-Slam-Turnier hat tennisnet auch vor den am kommenden Montag beginnenden "Aussie Open" einige dringende Themen in größerer Runde besprochen. Im Tennis-Panel diesmal dabei: Andrej Antic (Chefredakteur "TennisMAGAZIN"), Jörg Allmeroth (tennisnet), Marcel Meinert (SKY), Christian Schwell ("Sandplatzgötter"), Oliver Faßnacht (Eurosport/DAZN), Markus Theil (Eurosport), Florian Regelmann (SPOX) und Alexander Antonitsch (Eurosport).

Teil 3: "Was Australien so besonders macht"

Alsdenn: Ist in Australien durch die Mehrzahl der überdachten Plätze größere Chancengleichheit garantiert als etwa in Wimbledon oder New York?

Jörg Allmeroth (tennisnet): Die Chancengleichheit ist zunächst höher, weil mehr Spieler unter per se idealen Indoor-Bedingungen spielen können. Allerdings bevorzugen die Indoor-Verhältnisse jene, die das schnelle Spiel brauchen und mögen. Bzw. Spieler, die stark vom Aufschlag leben. Der Einsatz des Daches sollte nicht inflationär sein.

Florian Regelmann (Spox): Das mag so sein, aber ich bin kein Fan dieser Chancengleichheit-Diskussionen. Nirgends. Wenn ich das Turnier gewinnen will, dann muss ich es halt gewinnen. Egal, ob ich auf Centre spiele, auf Platz 10 oder bei uns im Büro, das darf und kann keine Rolle spielen.

Alexander Antonitsch (Eurosport): Chancengleichheit ist durch die Überdachung von drei Show Courts und damit verbunden auch die Möglichkeiten der Ansetzung auf alle Fälle besser. Letztes Jahr waren aber die Unterschiede der Plätze unangenehm - vor allem aussenplätze waren teilweise pfeilschnell

Christian Schwell (Sandplatzgötter): An den ersten Turniertagen findet die Mehrzahl der Spiele ohnehin immer noch auf Außenplätzen ohne Dach statt, in der Endphase des Turniers finden auch in Wimbledon und New York die Matches alle auf den großen Courts mit Dach statt. Bleibt so eine mittlere Turnierphase Ende der ersten/Anfang der zweiten Woche, wo jeder überdachte Platz mehr bei Wetterkapriolen tatsächlich etwas mehr Ansetzungs-Gerechtigkeit bringen kann. Paris ist da ohne Dach natürlich komplett außen vor. Aber mal ehrlich: Wie viele Paris-Sieger und Siegerinnen hat tatsächlich das Wetter "gemacht"?

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Markus Theil (Eurosport): Die Dachfrage erachte ich auch als nicht so entscheidend, dass daraus gleich eine Chancengleichheit abgeleitet werden könnte. Siehe eben die Siegerlisten der vergangenen Jahre ...

Andrej Antic (TennisMAGAZIN): Ich sehe auch keine Wettbewerbsverzerrung: Die, die auf den Show Courts spielen, haben sich das in der Regel verdient. Darüber hinaus gibt es ja die "Extreme Heat Policy", wenn es wirklich zu heiß ist. Manchmal hat der eine oder andere Pech, aber so läuft es halt.

Marcel Meinert (SKY): Das ist ja eine ganze einfache Rechnung. Natürlich haben so mehr Spieler die Sicherheit, dass sie definitiv spielen werden. Der entscheidende Punkt ist und bleibt aber doch, dass sich die Planbarkeit für die TV-Sender und die Zuschauer verbessert. Dadurch verbessert sich auch die wirtschaftliche Perspektive des Turniers weiter.

Warum hat es bis Ende der 1980er-Jahre gedauert, bis die Australian Open dieselbe Akzeptanz erhalten haben wie die drei anderen Grand Slams?

Markus Theil (Eurosport): Woher kommt diese Aussage? Ich finde, das ist ein europäischer Blickwinkel. Durch die zunehmenden TV-Übertragungen wurde da mehr und mehr getan. Aber ich weiß nicht, ob die French Open in den 70ern einem deutschen Tennisfan eher bekannt gewesen wären als die Sieger der Australian Open.

Andrej Antic (tennisMAGAZIN): Nun, die größte Rolle für eine andere Wahrnehmung hat sicherlich der Umstieg von Rasen auf Hartpatz gespielt. Kooyong war ein ganz tolles, kleines Stadion, ein bisschen außerhalb, ein wirklich netter Club. Das hat aber eigentlich nicht gereicht für ein Grand-Slam-Turnier. Mit dem Umzug in den Flinders Park und damit auf Hartplatz und dem ersten Finale zwischen Edberg und Cash 1988 hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

Jörg Allmeroth (tennisnet): Auch weil der weitsichtige Paul McNamee als damaliger Turnierdirektor die neuen Standards setzte, etwa mit der Vergrößerung der Anlage, mehr Komfort für Spieler und Fans. Ihm ist der Aufschwung des Turniers maßgeblich zu verdanken, nur gedankt wurde es ihm von Tennis Australia nicht wirklich.

Alexander Antonitsch (Eurosport): Natürlich hat auch die Bedeutung der Slams und das Rankingsystem ab 1990 auch dazu beigetragen. Zurzeit sind die Australian Open ganz klar die Nummer Eins, was die Anlage und Athmosphäre betrifft. Den Spielern wird fast jeder Wunsch erfüllt: Geld für bequeme Anreise (auch für die Quali), unlimited food, Einkaufsgutscheine, und, und, und ...

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Andrej Antic (tennisMAGAZIN): Rasentennis hatte damals auch eine schwierige Zeit. Wimbledon hatte seinerzeit versucht, sich die Pfründe zu sichern. Das hat sich erst vor kurzem geändert, mit der "Road to Wimbledon".

Marcel Meinert (SKY): Dafür bin ich fast ein wenig jung. Aber ich gebe Andrej natürlich Recht: Auf Rasen wäre man wohl immer nur ein Abklatsch von Wimbledon geblieben.

Christian Schwell (Sandplatzgötter): Die Idee, das Turnier ab Mitte der 70er ein Jahrzehnt lang im Dezember auszutragen, war meiner Meinung nach auch eher kontraproduktiv, weil die Spieler allgemein lieber eine längere Pause machen wollten und DER Spieler dieser Zeit, Bjorn Borg, seine Chance auf den Grand Slam regelmäßig schon vorher bei den US Open verdaddelt hatte. Zusätzliche Hemmnisse bei der weltweiten Publikums- und Medien-Akzeptanz: Der Zeitunterschied Richtung Europa und Nordamerika und dass sich der letztere Kontinent im Dezember und Januar hauptsächlich mit Football beschäftigt.

Florian Regelmann (Spox): Ist es aber nicht aufgrund der Tradition ganz natürlich, dass nicht jedes Major den gleichen Stellenwert hat? Das ist ja im Golf genauso, am Ende zählt zwar jedes Major gleich, aber ich gewinne natürlich trotzdem lieber das Masters als die PGA Championship. Oder eben lieber sieben Mal Wimbledon als sieben Mal die Aussie Open. Das heißt nicht, dass es kein geiles Grand Slam ist, das ist es ohne Frage, aber ganz oben stehen kann es im Ranking eben nicht.

Teil 1: Die Akzeptanz der Australian Open und die Chancengleichheit

Teil 2: Sollten neue Regeln auch auf Grand-Slam-Ebene eingeführt werden?

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