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NFL: Tampa Bay Buccaneers: Enttäuschung nach Hype um die Offseason

Nichts als eine Illusion?

Von Pascal De Marco
Freitag, 03.11.2017 | 13:30 Uhr
Die Tampa Bay Buccaneers stellen eine der statistisch besten Passing Offenses der Liga. Siege sind hingegen Mangelware
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Die Tampa Bay Buccaneers (2-5) sind das Team, das bislang womöglich am weitesten hinter den Erwartungen zurück geblieben ist, ohne großartige Verletzungssorgen seiner Star-Spieler beklagen zu müssen. Der Misserfolg scheint von jeder Ebene des Teams unterstützt zu werden. Die Franchise befindet sich in einer problematischen Situation und lechzt seit elf Jahren nach einem Playoffeinzug. Dieser wird aber wohl auch weiterhin auf sich warten lassen.

Nach Week 9 der vergangenen Saison standen die Bucs bei einer Bilanz von 3-5. Es folgte eine Kehrtwende, die man so keineswegs vermuten konnte. Tampa gewann sieben der letzten neun Saisonspiele und stellte in dieser Zeitspanne die beste Defensive der Liga. An den Playoffs scheiterte man nur um Haaresbreite.

Die Mannschaft schien nach dem ersten Saisonabschluss mit einer positiven Bilanz seit 2010 also endlich eine Basis kreiert zu haben, auf der man regelmäßig Football-Spiele gewinnen kann. Quarterback Jameis Winston ist der erste in der Geschichte der Liga, der in seinen ersten beiden Jahren für jeweils über 4000 Yards warf und auch der umworbene Coaching Staff blieb dem Piratenschiff im Rahmen einer verheißungsvollen Offseason treu.

In eben jener Offseason konnte Geschäftsführer Jason Licht der bereits talentierten Offense nämlich auch noch Speedster-Wideout DeSean Jackson, Erstrundenpick O.J. Howard (Tight End) und Wide Receiver Chris Godwin hinzufügen. Die Dokumentationsserie "Hard Knocks" tat dem Hype dabei keinen Abbruch, sondern hat für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt.

Nur zwei Monate später kämpft Tampa Bay zur Halbzeitmarke der Saison jedoch um seine letzte Playoff-Chance. Bei den Bucs läuft es an allen Ecken und Enden schief!

Tampa-Bay-Buccaneers-Offense: Die Stat-Lüge

Wirft man einen Blick auf die Statistiken, so steht die Buccaneers-Offense mit 295,4 Passing Yards pro Partie auf dem zweiten Rang hinter den New England Patriots. In Sachen Total Yards liegt man mit 376,6 Punkten auf Rang vier. Zahlen, die zwar gut aussehen, allerdings den faden Beigeschmack haben, durch verzweifelte Aufholjagden in der zweiten Halbzeit unterstützt worden zu sein.

Aufholjagden, bei denen sich der Gegner auf die Verteidigung von Touchdowns konzentrierte und weniger auf die von First Downs. Aufholjagden, die Head Coach Dirk Koetter dazu zwangen, den Ball werfen zu lassen und nicht zu laufen. Tampas Rushing Offense ist mit 81,1 Yards pro Spiel die viertschlechteste der Liga. Die Bucs geraten zu häufig in Rückstand. Das jüngste Beispiel ist nicht allzu lange her.

Sonntag, 29. Oktober: Buccaneers vs. Panthers, Opening Drive:

  • First Down: Doug Matins Laufversuch wird an der Line of Scrimmage gestoppt.
  • Second Down: Winstons Pass auf DeSean Jackson verzieht knapp und landet im Seitenaus.
  • Third Down: Winston sucht erneut Jackson auf einer Slant Route. Der Pass ist zu hoch geworfen. Der Platz für das Play war da. Sie konnten ihn nicht nutzen - also wurde gepuntet.

Zum vierten Mal in den letzten fünf Spiel punteten die Bucs den Ball in ihrem ersten Drive zum gegnerischen Team.

Tampa Bay Buccaneers verschlafen den Start

Und das bei einer explosiven Offense, die mit der letztjährigen Falcons-Offense verglichen wurde. Eine Offense, die in der abgelaufenen Spielzeit neun First-Possession-Touchdowns erzielt hat. Die Bucs hingegen haben noch keinen einzigen auf dem Konto. Ein Problem, welches im Regime Koetters nicht neu ist. Seitdem er das Playcalling 2015 übernommen hatte (zunächst als Offensive Coordinator, dann als Head Coach), haben die Bucs drei Opening-Drive-Touchdowns erzielt. Der schlechteste Wert in der Liga.

Warum das so wichtig ist? Coaches, inklusive Koetter, predigen die Relevanz guter Starts - aus einem einfachen Grund: Teams, die früh scoren, gewinnen häufiger. Speziell wenn sie Touchdowns erzielen.

Laut Pro Football Reference haben seit 2015 diejenigen Mannschaften, die in ihrem Opening-Drive einen Touchdown erzielt haben, mehr als doppelt so häufig gewonnen, als dass sie verloren haben (183 Siege/89 Niederlagen, 67,2 Prozent). Bei einem Field Goal ist der Vorteil nicht ganz so gravierend, aber immer noch existent (105/90, 53,8 Prozent). Teams, die den Ball beim ersten Ballbesitz punteten, verloren häufiger (277/356, 43,8 Prozent). Um genauer zu sein rund viermal so häufig als Teams, die sechs Punkte auf das Scoreboard brachten.

Wir bleiben noch kurz im statistischen Bereich. Denn auch Carolina konnte im letzten Spiel nicht beim ersten Versuch punkten, ging jedoch mit einer Führung ins zweite Viertel. Ein Szenario, das noch schwieriger aufzuholen ist: Teams die seit 2015 nach 15 Minuten Spielzeit geführt haben, haben gut drei Viertel der Spiele gewonnen. Die Bucs haben in dieser Saison viermal nach dem ersten Viertel zurückgelegen. Viermal haben sie verloren.

Wie bereits erwähnt werden Mannschaften mit einem Rückstand berechenbar und anfällig für Fehler. Die Bucs haben in diesem Jahr während des ersten Viertels lediglich einen Turnover begangen, aber in den darauffolgenden Vierteln waren es zwölf - geteilter Höchstwert.

Evans, Jackson, Howard und Co. - ein Überangebot?

Warum kommt ein Team mit einer so talentierten Offense in derartige Schwierigkeiten? Ein Heisman-Trophy-Gewinner als Quarterback in seinem dritten Jahr in der NFL, der im dritten Jahr im selben Offensive-Scheme spielt. Zudem ist die Offense bislang relativ gesund geblieben. Ist es vielleicht die Vielzahl an Optionen, die Winston hat?

Tut sich Jameis schwer damit Entscheidungen zu treffen, weil er Angst davor hat, die Gefühle eines Spielers zu verletzen, der den Ball nicht bekommt? Im letzten Jahr waren Winstons Optionen Mike Evans, Tight End Cameron Brate und Back Jacquizz Rodgers. Nun ist Martin zurück, Howard und Jackson neu da und auch Receiver wie Adam Humphries und Rookie Godwin sehen Snaps. Neben Martin will Koetter den Ball außerdem auch noch in die Hände von Rodgers und Charles Sims legen.

Vielleicht ist das Playbook zu dick geworden. Die Offense ist in der Lage große Dinge zu leisten, häufig will man allerdings zu große Dinge leisten, bevor die Grundlage dazu geschaffen wird. Die Frage, "Wie können wir von hier aus sechs Punkte erzielen?", wird lieber gestellt, als "wie kommen wir von hier in eine Third-and-Short-Situation?". Bei First and Ten oder Second and Long scheint jede Route über mindestens zehn Yards das Feld hinunter zu gehen. Drag-, Crossing- und Level-Routes gibt es zu wenige.

Koetter spricht davon, eine 50-50-Offense aus Pass- und Laufversuchen etablieren zu wollen. Im ersten Viertel - wenn das Spiel also noch nicht verloren sein kann - passt man bislang aber 56 Mal bei 36 Laufversuchen. Selbst bei Third-and-Short Situationen waren es 26 Pass- und nur acht Laufversuche. Die Bucs sind ein eindeutiges Pass-First-Team und die Gegner sind darauf eingestellt.

Seite 1: Startprobleme, das offensive Überangebot und die Stat-Lüge

Seite 2: Winstons Leistungsschwankungen, Big Plays und das Kicker-Debakel

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