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Zukunftsplan? Welcher Zukunftsplan?

Von Lukas Zahrer
Freitag, 03.11.2017 | 10:00 Uhr
Die Cleveland Browns stehen inmitten eines Rebuilds, der ins Stocken gerät
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In der Saison 2017 sollte die Umstrukturierung des Kaders der Cleveland Browns eigentlich die ersten Früchte tragen. Doch von Verbesserung ist nur wenig zu sehen. Die Browns agieren hoffnungslos wie eh und je, dazu gesellen sich interne Ungereimtheiten. Hat der strategische Plan des Front Office überhaupt noch eine Chance?

Normalerweise kennen wir solche Geschichten nur aus dem Fußball.

Die Browns machten sich mit einer weiteren Niederlage erneut zur absoluten Lachnummer der Liga, diesmal aber nicht auf dem Spielfeld, sondern auf dem Trading-Floor. Bei einem Versuch, mit A.J. McCarron den Backup-Quarterback der Cincinnati Bengals an Land zu ziehen, haben es die Verantwortlichen der Browns nicht geschafft, die NFL fristgerecht von dem Deal zu informieren. Der Trade platzte.

Es passt gut in die Pleiten-, Pech- und Pannenserie in Cleveland. Das Front Office der Browns um Strategy Officer Paul DePodesta und Vizepräsident Sashi Brown hatte einen langfristigen Plan entworfen, wie man mit einem Rebuild über mehrere Jahre eigentlich zum ernsthaften Contender aufsteigen wollte. Dieser ist grundsätzlich zu befürworten, nur möchte er einfach nicht greifen.

Browns bauen voll auf junge Talente

Teure Veteranen wie Paul Kruger, Karlos Dansby oder Donte Whitner wurden gnadenlos ausgebootet, während die Verantwortlichen in Moneyball-Manier einen jungen Kader, voll mit herausragenden Talenten basteln wollten.

Durch geschickte Trades sicherten sich die Browns alleine im Draft 2017 drei Erstrundenpicks, Im kommenden Jahr werden Cleveland - wie bereits 2016 - voraussichtlich die meisten Draft-Picks aller Teams zur Verfügung stehen. 2016 war zudem bewusst als aussichtsloses Jahr in Kauf genommen worden, um hohe Lose zu generieren.

In der aktuellen Saison wollte man bereits die erste Ernte dieses Aufwands säen. Defensive End Myles Garrett sollte als Nummer-Eins-Pick den Pass-Rush beleben, zudem stünde mit Emmanuel Ogbah ein weiterer talentierter Verteidiger an seiner Seite.

Auf der anderen Seite des Balles wurden die Free Agents J.C. Tretter und Kevin Zeitler für die Offensive Line verpflichtet, um sicherzustellen, dass Cleveland 2017 mit weniger als sechs Quarterbacks auskommt. So viele waren es nämlich in der Saison zuvor.

Die ewige Browns-Gretchenfrage

In dieser Saison sollten die Pässe hauptsächlich von DeShone Kizer kommen, dem eine ordentliche Vorbereitung über den Sommer nachgesagt wurde. "Wir fühlen uns mit dem aktuellen Personal gut", sagte Head Coach Hue Jackson während des Browns-Training-Camps. "Wirklich gut."

Doch vom Rookie Kizer wurden Wunderdinge erwartet, die er (noch) nicht in seinem Repertoire hat. Nach viereinhalb Spielen wurde Kizer vom im Vorstand nicht unumstrittenen Jackson zum ersten Mal auf die Bank verfrachtet. Kevin Hogan und Cody Kessler bekamen ihre Chance, nutzten diese aber ebenso nur bedingt.

Seit Week 7 zählt Jackson wieder auf Kizer. "Ich glaube, dass ihm die Beobachterrolle die Augen öffnete", rechtfertigte Jackson die Personalrochade. "Es war eine gute Erfahrung für ihn."

Der 52-Jährige geriet mit seiner Rotation mehrmals in die Kritik. Er gibt Kizer das Gefühl, nach jedem Fehler sofort mit einer Strafversetzung auf die Ersatzbank zu drohen. Es mag sein, dass Kizer nicht das Zeug zum Superstar als Passgeber hat, aber mit Jacksons verheerendem Coaching konnte er sich keinerlei Selbstvertrauen aufbauen. Es drängt sich die Frage auf: Wie hält es Jackson mit seinem Quarterback?

Bemühen um Garoppolo, McCarron-Desaster

Angesichts des Angebots für McCarron scheint es um das Vertrauen in Kizer nicht allzu rosig zu stehen.

Um Jimmy Garoppolo, dem angeblichen Wunschkandidaten von Jackson, haben sich die Browns bereits nach der abgelaufenen Saison bemüht. Dieser wechselte nun für einen lächerlich billig erscheinenden Zweitrundenpick nach San Francisco. Ein Gebot, das die Browns allemal toppen hätten können.

Stattdessen konzentrierten sich die Browns auf eine Verpflichtung von McCarron am allerletzten Tag vor der Trade-Deadline. Im Gegenzug dazu hätten die Bengals ein äußerst großzügiges Paket von einem Zweit- sowie einem Drittrunden-Pick eingestreift. Dies wirkt ein wenig wie ein Akt der Verzweiflung, nachdem man beim Garoppolo-Trade durch die Finger schauen musste, wollte man eine Alternative unbedingt erzwingen.

Wildeste Theorien kursiertein inzwischen über den verpassten Trade von McCarron. Eine These lautet, die Browns haben sich schon zu sehr auf Feierlichkeiten konzentriert, und zu spät realisiert, dass notwendige Formalitäten noch nicht erledigt wären. Die offizielle Auslegung der Browns wiederum besagt, man habe den Bengals alle Dokumente zugesandt, in dem Glauben, dass Cincy die Formulare unterschrieben an die NFL weiterleitet.

Fakt ist, die Browns sind ein professionelles Football-Team, welches nicht zum ersten Mal einen Spieler verpflichten wollte. Sich dabei auf ein anderes Team zu verlassen, und vor der Deadline nicht ein Mal kurz bei der Liga nachzufragen, ob der Deal bestätigt ist, schreit aber doch geradezu nach zu viel Slapstick. Viele Experten meinen, die Browns entschieden sich in letzter Sekunde doch gegen McCarron.

Browns setzten statt Wentz und Watson auf Kizer

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Browns sich in vergangenen Drafts jeweils gegen einen Carson Wentz, DeShaun Watson oder Jared Goff entschieden haben, und Kizer vergleichbares Potenzial attestierten. Es hat den Anschein, als ob Kizer Jackson einfach aufgetischt wurde, dieser aber viel lieber mit einem anderen Quarterback arbeiten würde. Dass man sogar Draft-Picks (die in Ohio offensichtlich die weltweit wertvollste Handelsware darstellen) für McCarron aufgeben würde, spricht ebenfalls gegen ein gutes Standing von Kizer in Cleveland.

Die Situation bei den Browns ist mittlerweile so abstoßend, dass sogar College-Quarterbacks wie Sam Darnold zugeben, lieber länger im Universitäts-Team bleiben zu wollen, als von Cleveland in die NFL gedraftet zu werden.

Das angespannte Verhältnis zwischen Jackson und den Teameignern tut der Mannschaft insgesamt sicherlich nicht gut, auch wenn Jackson davon nichts wissen will. "Ich habe die vollste Unterstützung von Herrn und Frau Haslam", sagte Jackson am vergangenen Sonntag. Seit Dezember 2015 verlor Cleveland 26 von 27 Spielen, Jackson selbst steht bei einer Bilanz von 1-23. Den Browns würde ein Trainerwechsel sicherlich gut tun.

Gelingt in Cleveland der Turnaround?

Nach dem London-Game gegen die Minnesota Vikings genießen die Browns ihre Bye-Week. Am Dienstag stieg das letzte Training, die Spieler bekamen ein paar Tage frei. "Wir haben noch acht Spiele vor uns", sagte Jackson bei einer Pressekonferenz. "Wir haben acht Wochen Zeit, Probleme herauszufinden, und sie besser zu machen."

Verletzungssorgen wie jene von Garrett, Jabrill Peppers und Trevon Coley sollten nach der Auszeit der Vergangenheit angehören. Kizer erwarte sich, "dass wir einen Schritt zurück machen und alles evaluieren, was bislang passiert ist."

Einige junge Spieler ließen ihr Potenzial bereits aufblitzen. Garrett führt die Browns in Sacks an. Ihm gelangen bislang vier - bei gerade einmal drei Einsätzen. Ogbah zeigte ebenfalls gute Leistungen, er konnte bislang zwei Sacks sammeln. Der Rookie-Tight-End David Njoku erzielte bislang immerhin drei Touchdowns, und könnte im nächsten Jahr endgültig die offensivstarke Rolle eines Gary Barnidge einnehmen. Zudem zeigte die Mannschaft zuletzt auch in der Defense einen Aufwärtstrend.

In der Vergangenheit kamen die Hälfte der Teams, die mit 0-8 in eine Saison gestartet waren, innerhalb der darauffolgenden drei Jahre die Playoffs. Mit Josh Gordon könnten sie zum Ende der Saison sogar noch eine unverhoffte Verstärkung für die Offense bekommen.

Potenzial hat diese Mannschaft nach wie vor. Und mit guten, sinnvollen Verstärkungen im nächstjährigen Draft sollten die Browns ihren Rebuild fortsetzen. Denn bislang ist noch nicht viel von der Erneuerung zu sehen. Es gibt zwar einen neuen Plan, doch die Ergebnisse sind immer noch die altbekannten. Vielleicht beinhaltet der Plan der Browns ja bald auch einen neuen Head Coach.

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