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Der alljährliche Mut der Verzweiflung

Freitag, 28.04.2017 | 12:00 Uhr
Mitchell Trubisky ging mit dem zweiten Pick zu den Chicago Bears
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The same procedure as every year: Auch im Draft 2017 prägen die Quarterbacks das Bild - obwohl man im Vorfeld auf einen anderen Verlauf spekulieren konnte. Doch gerade die erste Runde in diesem Jahr macht klar, wie sehr die Quarterbacks außer Konkurrenz laufen. Selbst in einem schwierigen Jahrgang. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Adrian Franke.

Es schien fast, als könnte es in diesem Jahr tatsächlich passieren - ein Draft ohne verzweifelten Run auf die Quarterbacks. Zu groß das Defense-Talent in der Spitze, vor allem aber zu unvorhersehbar die Quarterback-Draft-Klasse. Allesamt Projekte, die über kurz oder lang aufgebaut werden müssen und aktuell durch die Bank weg noch unterschiedliche, aber deutliche Schwächen in ihrem Spiel haben.

Die erste Runde im Recap: QB-Jagd, Kellerkinder, Emotionen

Vereinfacht gesagt: Kein Andrew Luck oder Jameis Winston eben. Immerhin gab es viel mehr Gerüchte über Teams, die angeblich nach unten traden wollten, als andersherum. Die von Verzweiflung und Hoffnung auf den Franchise-Retter angetriebene Jagd auf die Quarterbacks deutete sich eher auf die späten Runden an.

Historische Quarterback-Jagd

Doch natürlich kam es ganz anders, und das in Windeseile. Bereits den zweiten Pick erkauften sich die Bears teuer und holten Mitchell Trubisky - keine zwei Monate, nachdem sie Mike Glennon verpflichtet haben, den man jetzt wohl aus den langfristigen Plänen Chicagos getrost ausklammern kann.

Es folgten die Trades der Kansas City Chiefs (von 27 auf 10) sowie der Houston Texans (von 25 auf 12), um sich Patrick Mahomes beziehungsweise Deshaun Watson zu sichern. Ebenfalls zu hohen Kosten, und auch hier sprechen wir von Quarterbacks, die in meinen Augen keine sofortigen NFL-Starter sind. Wir haben damit den ersten Draft in der modernen Draft-Ära seit 1967, in dem drei Teams in der ersten Runde nach oben getradet haben, um sich einen Quarterback zu holen.

Soviel also zu der Einschätzung vor dem Draft.

Eine Position außer Konkurrenz

Auch ich hatte die Quarterback-Klasse im Vorfeld ausführlich studiert, länger als jede andere Positionsgruppe. Herausgekommen war ich mit einem Quarterback, den ich vom Wert her gegen Ende der ersten Runde eingeschätzt habe (Patrick Mahomes) sowie zwei Mitte der zweiten Runde (Mitchell Trubisky, Deshaun Watson), gefolgt schließlich von DeShone Kizer Ende der zweiten Runde. Und damit bin ich nicht alleine, zahlreiche Experten und Draft-Gurus haben keinen Quarterback in der Top-5 gesehen, geschweige denn drei in den ersten zwölf Picks.

Allein, mit Tape-Analyse, Logik und sachlicher Argumentation ist dieses Phänomen nicht zu greifen, und diese erste Draft-Runde hat es einmal mehr gezeigt: Quarterbacks spielen in der Draft-Bewertung und im Draft selbst außer Konkurrenz.

Die Position ist so wichtig und spielerisch derart dominant, dass Teams zu nicht für möglich gehaltenen Verzweiflungstaten in der Lage sind. Das beschränkt sich gar nicht auf den Draft, man muss nur nach Houston und auf die genauso teure wie überhastete Verpflichtung von Brock Osweiler schauen, den die Texans nach der Saison gar nicht schnell genug loswerden konnten.

Ein unbequemes Eingeständnis

Oder war Jared Goff etwa den enormen Preis wert, den die Rams letztes Jahr gezahlt haben, um an Eins zu kommen? Dazu ein klares: Naja. Sollte er sich nämlich tatsächlich zu einem Franchise-Quarterback entwickeln, würde sein Wert für die Rams den gezahlten Draft-Pick-Preis übertreffen. Die gleiche Argumentation gilt heute für die Bears, die Chiefs und die Texans. Auch wenn man die Entscheidung mit Blick auf das Risiko nach wie vor kritisieren mag.

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Doch ist genau das der Punkt. So ungern der Analytiker und Tape-Fan in mir selbst das hören will, das Draften von Quarterbacks fällt in eine eigene Kategorie. Es ist die eine Position, die ein Team grundlegend verändern kann. Die eine Position, auf der man nur nicht schlecht sein darf. Die eine Position, die Jobs von Coaches sowie Verantwortlichen retten und ansonsten (unter-)durchschnittliche Teams über das eigene Niveau heben kann. Auch wenn wir nicht von einem Prospect sprechen, das direkt in der NFL starten und dominieren kann.

Daher gilt: Ist sich ein Team so sicher, wie es bei den drei Kandidaten am gestrigen Abend den Eindruck machte, dass es seinen Franchise-Quarterback der Zukunft gefunden hat, muss es auch gewillt sein, ein hohes Risiko einzugehen. Selbst wenn der Preis hoch ist - im Zweifelsfall überwiegt ein Franchise-Quarterback zwei solide Starter, die man möglicherweise mit den Picks andernfalls bekommen hätte.

Jegliche Kritik an dieser Aussage kann ich bestens nachvollziehen, ein Teil von mir kritisiert sie in manchen Momenten selbst. Weil sie nicht analytisch greifbar oder zu rechtfertigen ist. Und dennoch war es eigentlich klar, dass auch in diesem Jahr Teams dem Ruf des Quarterbacks nicht widerstehen können. So wie letztes Jahr. So wie jedes Jahr.

Alle sieben Draft-Runden im Überblick

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