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NFL: Vorschau: Tennessee Titans - Jacksonville Jaguars

"Die Fans mögen nicht Spieler, sondern Siege"

Donnerstag, 27.10.2016 | 16:40 Uhr
Ein altbekanntes Bild: Jaguars-Quarterback Blake Bortles am Boden, der Ball ist weg
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Week 8 beginnt mit dem Gastspiel der Jacksonville Jaguars (2-4) bei den Tennessee Titans (3-4). Vor der Saison war den Jags einiges zugetraut worden, doch eine schwache Saison von Quarterback Blake Bortles hat diese Hoffnungen bislang zunichte gemacht. Wie ist der Absturz von Bortles zu erklären? Und was bedeutet das für die Zukunft der Franchise? Zu sehen gibt es die Partie heute Nacht ab 2.25 Uhr live auf DAZN!

Für einige Beobachter waren die Jaguars vor Beginn der Saison 2016 der Geheimtipp auf einen Leistungssprung. Ein Sprung, der sie nach vielen mageren Jahren (2012: 2-14, 2012: 4-12, 2013: 3-13, 2015: 5-11) endlich in die Nähe der Playoffs katapultieren sollte. Dafür wurde in der Defense ordentlich aufgerüstet: Fast 128 Millionen Dollar investierte General Manager Dave Caldwell in neue Spieler, davon 57 Millionen garantiert: Malik Jackson für die Defensive Line, Cornerback Prince Amukamara und Safety Tashaun Gipson für die Secondary. Zudem wurden sechs der sieben Draft-Picks ebenfalls in die Verteidigung gesteckt, darunter Jalen Ramsey und Myles Jack.

Und die Offense? Da hatte man ja Blake Bortles.

Spulen wir ein Stück vor. Noch keine zwei Monate alt ist die neue Spielzeit, aber man kann feststellen, dass die Investitionen in die Defense erste Früchte getragen hat. 325,2 Yards lassen die Jags pro Spiel zu, das macht Platz neun in der Liga.

Trotzdem kraxelt man mit einer Bilanz von 2-4 weiter im Keller der AFC herum, nur zwei Teams sind noch schlechter.

Denn in der Offense, da hat man Blake Bortles.

"... wirf nicht in Triple Coverage"

Man kann es nicht anders sagen: Der 24-Jährige ist eine der großen Enttäuschungen der aktuellen Spielzeit. Passer Rating (76,4), Completion Percentage (59,7 Prozent), Interception Rate, Yards pro Pass-Versuch - wo man auch hinschaut, der 24-Jährige hat sich weit unten eingereiht. Gegen die Oakland Raiders, die schlechteste Passing Defense der NFL, sollte in Week 7 der Befreiungsschlag folgen.

Stattdessen kam Bortles auf 23/43 für 246 Yards, einen Touchdown in Garbage Time und zwei Interceptions. Der erste Pick - ein Wurf in die Endzone auf einen von gleich drei Verteidigern bewachten Receiver Marquise Lee, war seine neunte Interception des Jahres (bei neun Touchdowns), und so übel, dass sich sogar der Twitter-Account der Liga äußerte: "Blake Bortles hat gerade in Triple Coverage geworfen. ... wirf nicht in Triple Coverage."

Resultat: Das Team wurde bei der 16:33-Heimpleite gegen Oakland vom Publikum ausgebuht. "Wenn ein Team immer wieder verliert, steigt der Frust", wollte Bortles die Reaktionen nicht überbewerten. "Ich habe schon in jungen Jahren gelernt, dass die Fans nicht die Spieler mögen, sondern die Siege." Deshalb folge aus Siegen der Jubel, die Frage nach Fotos und Autogrammen. "Und wenn du verlierst, dann buhen sie dich aus." Andere Spieler gingen damit nicht ganz so gelassen um. "Schon komisch, dass wir unseren größten Heimvorteil im Wembley-Stadion haben", kritisierte etwa Receiver Allen Robinson.

Wo ist der Fortschritt von 2015 geblieben?

Eine Lösung hatte Bortles aber auch nicht parat, um die Buhrufe in Applaus zu verwandeln. "Wir spielen miserabel, das ist offensichtlich. Ich weiß nicht, warum das so ist. Wenn ich es wüsste, würde ich die Probleme beheben." Hoffentlich finde man einen Weg, um den Trend umzukehren.

Es wäre unfair, dem Quarterback allein die kränkelnde Offense die gegen Oakland in vier Trips in die Red Zone gerade mal einen Touchdown schaffte und bei Third-Down-Conversions die Rote Laterne trägt. Robinson kann sich als Number-One-Receiver zu selten gegen die aggressive Deckung der Gegner durchsetzen, auch Allen Hurns und Tight End Julius Thomas gelingt die oft bemühte "Separation" zu selten. Und das Running Game um Chris Ivory und T.J. Yeldon wird mit knapp 77 Yards pro Spiel nur von den Vikings und Giants unterboten.

Aber der Mann, den man im letzten Jahr noch als neuen Franchise Quarterback feierte, hat einen klaren Schritt zurück gemacht. Mit 4.428 Passing Yards und 35 Touchdowns hatte der dritte Pick von 2014 Franchise-Rekorde aufgestellt, und auch wenn die Zahlen durch Garbage-Time-Drives sicherlich aufgehübscht wurden, schien Bortles viele Probleme aus seiner Rookie-Season abgestellt zu haben. In der Offseason hatte er mit QB-Guru Tom House gearbeitet, seine Mechanik und seine Beinarbeit verbessert.

Bortles macht es den Defenses leicht

Davon ist anno 2016 nicht mehr viel zu sehen. Zu oft wirft Bortles mit Körperschwerpunkt auf dem hinteren Bein. Seine Wurfbewegung dauert zu lang, manchmal lässt er den rechten Arm sogar bis zur Hüfte herunterfallen, statt ihn auf Schulterhöhe zu halten. Die mangelhafte Wurfmechanik in Verbund mit seiner Fehler, die Coverage des Gegners zu erkennen, führt dann zu Würfen wie gegen die Raiders: Lee ist bereits von zwei Defensive Backs gedeckt, durch Bortles' langen Windup kommt dann auch noch David Amerson hinzu. Die anschließende Interception ist keine wirkliche Herausforderung.

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Im Vergleich zu 2015 hat sich nur seine Completion Percentage (minimal) verbessert - und das dürfte auch daran liegen, dass der Gameplan von Offensive Coordinator Greg Olson aufgrund Bortles' schlechten Leistungen konservativer geworden ist. Das wiederum nimmt den schnellen Robinson und Hurns eine große Waffe. Es ist ein Teufelskreis.

Bortles ist erst 24. Bereits in seinem dritten Jahr vorweg zu nehmen, dass er diese Fehler nicht abstellen kann, wäre verfrüht. Mit seinen 1,96 Metern und, dem kräftigen Körperbau und dem starken Arm ist er auf dem Papier der Prototyp des idealen Quarterbacks, auch zu Fuß ist er keine Statue. Aber trotz seiner guten Sophomore-Season lesen sich seine Karriere-Statistiken alles andere als gut: In 36 Spielen, 35 davon als Starter, hat sich Bortles unglaubliche 52 Turnover geleistet. Überhaupt kommt er auf gerade mal sieben Auftritte ohne Ballverlust (fünf davon konnte Jacksonville gewinnen).

Head Coach, Front Office, Bortles - alle gefährdet

Head Coach Gus Bradley weiß er trotz aller Schwächen hinter sich. "Ich glaube ganz fest an Blake Bortles", bekräftigte der nach der Pleite gegen die Raiders. "Ohne jeden Zweifel." Die Alternative sieht mit Chad Henne ohnehin nicht gerade rosig aus. Doch Bradley selbst sitzt nach nur 14 Siegen in 56 Spielen mit den Jags auch nicht gerade fest auf seinem Stuhl, im Gegenteil. Mit jeder Pleite steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Besitzer Shahid Khan die Reißleine zieht. Auch das Front Office könnte betroffen sein.

Dem steht so oder so eine schwierige Entscheidung bevor. Auch wenn Bortles momentan "alternativlos" erscheint, naht die Entscheidung über einen neuen Vertrag: Nach Ablauf seines dritten Jahrs in der Liga müssen die Jags entscheiden, ob sie die Option auf ein fünftes Vertragsjahr ziehen. Als Top-Ten-Pick stünde Bortles dann der Durchschnitt der zehn höchsten Jahresgehälter auf seiner Position zu - es dürfte sich um rund 20 Millionen Dollar handeln.

Ist er wirklich so viel wert? Beziehungsweise muss die Frage eher sein: Wird er einmal so viel wert sein? Die Zahlen geben es nicht unbedingt her. So könnte sich das Team, sollte man erneut im Tabellenkeller landen, auch im Draft nach einem Nachfolger umsehen. Josh Rosen? Jake Browning? Vielleicht sogar Lamar Jackson?

Fehlstart unbedingt verhindern

Seinen Zahltag muss sich Bortles mit guten Leistungen erspielen, am besten schon in Tennessee. Die Titans haben mit der Heimpleite gegen Indianapolis in Week 7 einen herben Rückschlag im Kampf um die Playoffs erlitten, die Passing Defense, die in etwa Liga-Durchschnitt ist, konnte Andrew Luck trotz dessen limitiertem Receiving-Corps nicht in Schach halten.

"Wir wollen kein Team sein, dass 40 Pässe pro Spiel wirft", hat Bradley seinen Quarterback im Vorfeld der Partie in Schutz genommen. "Wir wollen eine Mischung aus Run und Pass. Und es ist wichtig, dass wir früh punkten." Aber auch da hat sein Team eklatante Schwächen gezeigt. Die Opening Drives bisher in dieser Saison: Interception, Three-and-out, Three-and-out, Three-and-out, Interception, Three-and out. Der letzte Opening Drive, der mit einem Touchdown abgeschlossen wurde, liegt schon über ein Jahr zurück. 20 Spiele ist das her.

Immerhin hat Bortles gute Erinnerungen an seinen letzten Auftritt In Nashville. 2015 kam er dort auf 322 Yards und fünf Touchdowns, die wohl beste Leistung seiner Karriere. Klappt es in der neuen Color-Rush-Uniform ebenso gut? Ein großer Fan seines senfgelben Thursday-Night-Game-Jerseys ist Bortles nicht: "Irgendjemand muss mal die Wahrheit sagen, als kann ich das ja tun: Ich finde sie verdammt hässlich."

Der NFL-Spielplan im Überblick

Das SPOX-NFL-Tippspiel, Week 8:

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