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NFL: Die Faszination "RedZone"

Vorsicht, akute Suchtgefahr!

Von Axel Schleutermann
Donnerstag, 22.09.2016 | 13:35 Uhr
Antonio Brown startet gleich mit mehreren Touchdowns in die Saison
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RedZone -
Week 8
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Seit zwei Wochen gibt es mit der NFL RedZone die geballte Ladung Action und Drama auf DAZN. In den USA ist dieses Format schon längst ein Hit. Doch was macht die Show so erfolgreich? Wie entstand sie? Was kann man erwarten? Und welchen Bezug hat sie zu Fantasy-Football? SPOX-Praktikant Axel Schleutermann beschreibt seine erste ganz persönliche Erfahrung mit der RedZone.

Wir schreiben Sonntag, den 11. September 2016. Der Wecker klingelt um sieben Uhr in der Früh. Noch sehr schlaftrunken schlage ich die Decke zur Seite und richte mich auf. Ich nehme mein Handy in die Hand und schaue auf den Bildschirm. Ein Grinsen macht sich in meinem Gesicht breit. Der Tag der Tage ist gekommen. Football is back!

Endlich wieder die volle Ladung, jeden Sonntag, ganze sechs Monate. Seit drei Jahren freue ich mich auf den ersten Sonntag der NFL-Saison wie ein kleines Kind an Weihnachten. Da ist es auch egal, wenn meine New England Patriots erst mitten in der Nacht spielen.

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Voller Vorfreude und total aufgedreht ins Bad, fertig gemacht und ab in die Redaktion. Meine acht Stunden pflichtbewusst absolviert und so schnell wie möglich wieder nach Hause. Nur noch wenige Minuten bis zum Kick-Off. Laptop ausgepackt, Streaming-Dienst gestartet.

"Dieser Sender ist momentan nicht verfügbar"...Schock! Mehrmals ab- und wieder angemeldet. Immer noch kein Bild. Nur noch fünf Minuten. Was nun?! Lösungen, schnell! Ohne groß zu überlegen einen DAZN-Account erstellt - nicht ahnend, dass ich in den nächsten Stunden eine unvergleichliche, nicht für möglich gehaltene Football-Erfahrung machen würde. Die Jahre zuvor verfolgte ich die NFL immer im deutschen Free-TV. Die folgenden Stunden sollten daher meine erste Bekanntschaft mit der NFL RedZone sein.

Die pure Action

Erster Drive der Eagles, die das Feld herunter marschieren. Dann auf einmal wird der Bildschirm zu einem Splitscreen. Im parallel laufenden Spiel sind die Kansas City Chiefs gerade dabei, per Field Goal in Führung zu gehen. Danach wird wieder zurück zu den Eagles und Browns geschaltet, dann zu den Saints und Raiders, Bengals und Jets, und so weiter und so fort.

Gelegentlich teilt sich der Bildschirm mehrfach auf, wenn mehrere Teams kurz davor stehen zu punkten. Es geht hin und her. Jeder Touchdown, jedes Field Goal, jeder Turnover wird gezeigt. Wenn nicht in Echtzeit, dann als Wiederholung. Sobald ein Team in die Red Zone des Gegners kommt (Die Red Zone bezeichnet die restlichen 20 Yards zur gegnerischen Endzone) wird zu diesem Spiel geschaltet. Ein riesiges Spektakel und der Traum aller Football-Fans.

Ohne Fußball keine RedZone

In good old Germany ist NFL RedZone seit diesem Jahr erstmals ohne den Game Pass zu sehen. Wer keine Lust auf eine vorgeschriebene Paarung im Free-TV hat, oder ein Fantasy-Football-Junkie ist, wird hier bestens bedient. Es ist das Pendant zur Bundesliga-Konferenz. Nur auf Speed.

Der Vergleich kommt nicht von Ungefähr, ohne Fußball würde die NFL RedZone heute nämlich vermutlich nicht existieren. Wäre Eric Shanks, Präsident von Fox Sports, vor elf Jahren nicht nach Italien gereist und hätte dort nicht ein Studio eines italienischen Senders betreten, würden die Football-Liebhaber heute ohne ihre geliebte Konferenz dastehen.

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Denn was Shanks in jenem Studio vorfand, sollte den Grundstein für NFL RedZone legen: "Ich betrat das Studio und da saßen acht Kommentatoren. Jeder starrte auf seinen Bildschirm. Es war das Verrückteste, was ich je gesehen habe. Ich fragte: "Was ist denn hier los?" Man sagte mir: "Es ist ein Kanal ohne Werbeunterbrechung und man wechselt immer zwischen den Spielen mit der meisten Action in ganz Italien hin und her." Ich fragte: "Wie wisst ihr, wohin ihr umschalten müsst?". Jemand sagte: "Ein Kommentator hebt einfach seine Hand." Ich antwortete: "Das ist brillant!", so Shanks gegenüber der New York Times.

In den USA gibt es NFL RedZone nun seit 2005. Die Zuschauerzahlen steigen Jahr für Jahr. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist die Sendung schon längst eine nationale Sucht.

Toiletten-Pause? "Um Erlaubnis fragen!"

Auch für mich wird sie an diesem Abend schnell unverzichtbar. Bei den meisten Spielen ist nun Halbzeit. Und während sich die Saints und Raiders im Mercedes-Benz Superdome langsam in die Katakomben begeben, trotten die Chiefs und Chargers in Arrowhead schon wieder aufs Feld.

Eine Pause, um sich noch schnell ein Abendessen zu richten, ist hier nicht gegeben. Ich bin immer noch von der permanenten Action und den Informationen erschlagen und frage mich, wie es wohl dem Moderator - und ja es ist nur einer für alle Spiele - ergehen muss.

Der Moderator, der sich sieben Stunden den Mund fusselig redet, heißt Scott Hanson. Ein ehemaliger Football-Spieler der University of Syracuse. Seine Aufgabe besteht darin, Millionen von Zuschauern mit Informationen und Statistiken zu versorgen.

Pausen sind da eine Rarität, wie er gegenüber SB Nation erklärt: "Ich bekomme, wenn ich Glück habe, während meinen sieben Stunden am Set eine zweiminütige Klo-Pause. Zuvor muss ich allerdings um Erlaubnis fragen. Während meiner Pause denke ich mir immer: Jetzt bitte kein Touchdown, bitte kein Touchdown! Bis jetzt habe ich jedoch noch keine wichtige Aktion verpasst." Um nicht aufs Klo zu müssen, muss Hanson einen strickten Zeitplan einhalten: Er hört jeden Sonntag ab einer bestimmten Uhrzeit auf zu essen und zu trinken.

"Bin froh, wenn ich meinen Namen noch weiß"

Doch das ist nicht einmal der härteste Teil seiner Arbeit. "Die Kombination aus physischen und mentalen Forderungen testet deinen Fokus enorm. Während den stressigsten Momenten strömen circa zwölf bis 15 Reize auf mich ein, mit laufenden Spielen, neuen Informationen der Produzenten, Statistiken und so weiter. Kombiniert man das mit siebenstündigem Stehen und Sitzen auf einem Fleck, sowie nur einer Toiletten-Pause, dann kann man froh sein, wenn man am Ende des Abends seinen Namen noch weiß!", scherzt Hanson.

Es ist ein Job, der den Kommentator an seine Grenzen bringt. Den Tag vor der Sendung verbringt Hanson damit, zu allen Spielen relevante Informationen sowie Statistiken zu sammeln. Am Tag der Übertragung befindet er sich bereits um 7.15 Uhr an seinem Arbeitsplatz. Gegen acht Uhr wird eine Konferenz einberufen, bei dem das Produktions-Team den Ablauf der Sendung, sowie potenzielle Storylines bespricht.

Dann geht es ab ins Studio, welches komplett in Grün gehalten ist. Nur ein Podest in der Mitte des Raumes wird nicht durch den Computer eingespielt. Zu Beginn jeder Sendung liest Hanson ein zweiminütiges Intro vor. Es ist der einzige Teil der Show, der vorprogrammiert ist. Von da an heißt es sieben Stunden pausenloses, spontanes Kommentieren.

Die Traum-Ehe mit Fantasy-Football

Ich befinde mich mittlerweile in der dritten Stunde meines RedZone-Marathons. Die ersten Spiele neigen sich dem Ende zu. Doch es folgen ja noch vier weitere. Obwohl die Patriots nicht vor 2.30 Uhr in der Nacht spielen, bin ich immer noch wie gefesselt. Die gebotene Action ist unglaublich.

Kansas City und San Diego gehen in die Verlängerung, Bengals gegen Jets wurde soeben durch ein Field-Goal in den letzten Sekunden entschieden und auch zwischen den Saints und den Raiders ist zwei Minuten vor Ende noch alles offen. In der kurzen Pause zwischen den Partien gibt es die besten Highlights noch einmal in der Zusammenfassung sowie die ersten Informationen für die Fantasy-Footballer unter uns.

In den USA boomt das Fantasy-Football-Geschäft. Für den Gewinn diverser Meisterschaft werden teilweise Geldbeträge in Millionen-Höhe ausgeschüttet. Auch in Deutschland wird es immer beliebter, wenngleich die Gewinne weniger lukrativ sind.

Obwohl ich selbst kein Fantasy-Spieler bin, verstehe ich die Relevanz von NFL RedZone für Fantasy-Footballer. Man verpasst keine Aktion seiner gedrafteten Akteure. In so gut wie jedem Spiel ist mindestens ein Spieler deines Fantasy-Teams oder des Teams deines Gegners vertreten und die relevantesten Statistiken werden sekundenschnell überliefert.

Football in seiner spektakulärsten Form

Mein erstes RedZone-Abenteuer neigt sich derweil dem Ende zu. Fünf Stunden sitze ich nun in meinem Zimmer und starre auf den Bildschirm. Draußen ist es mittlerweile stockdunkel, wahrgenommen habe ich das aber nicht. Zu fesselnd war diese erste Woche der neuen Saison.

Gerne würde ich ja noch weiter schauen, aber das Bett und die Arbeit am nächsten Morgen rufen. Schweren Herzens logge ich mich aus und lege den Laptop zur Seite. Week 1 geht für mich damit zu Ende. Nicht jedoch für Scott Hanson und seine Crew, der bis dahin, ziemlich wahrscheinlich, immer noch keine Erlaubnis für seine Klo-Pause bekommen hat.

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Was bleibt also? NFL RedZone ist eine Form der Live-Übertragung, die, meiner Meinung nach, seines gleichen sucht. Noch nie zuvor habe ich eine so geballte Masse an Action, Unterhaltung, Drama, Emotionen sowie Informationen über einen so langen Zeitraum wahrgenommen.

Das Format zeigt Football in seiner spektakulärsten Form und es wird schnell deutlich, warum dieser Sport so viele Menschen auf der Welt fasziniert. Es war ein Erlebnis, dass mich von der ersten Sekunde bis zum Ende gefesselt hat und ich weiß, dass der kommende Sonntag mindestens genauso spannungsgeladen sein wird. Also Vorsicht! Es herrscht akute Suchtgefahr!

Week 3 im Überblick

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