Montag, 06.03.2017

Brian Scalabrine im Interview

"Die Welt war noch nicht bereit für mich"

In elf Jahren NBA wurde Brian Scalabrine zum Liebling der gesamten Liga. Der Kultstatus der White Mamba ist auch als TV-Analyst ungebrochen. Ein nicht ganz so ernstes Gespräch über Epic Fails, schöne Mitarbeiterinnen, seinen Einfluss auf den Warriors-Titel, Spitznamen und natürlich Haarpflege.

SPOX: Scal, Sie arbeiten schon fast fünf Jahre als TV-Analyst. Hat man Ihnen schon mitgeteilt, wann Sie in die Broadcasters Hall of Fame aufgenommen werden?

Brian Scalabrine: Im ersten Jahr, in dem ich verfügbar bin, also vermutlich mit 90. (lacht) Wenn ich es in irgendeine Hall of Fame schaffe, dann war es ein gutes Leben. Mir reicht übrigens auch die High School Hall of Fame.

SPOX: War das auch der Grund, weswegen Sie zum Fernsehen gegangen sind? Eine zusätzliche Chance auf Ruhm?

Scalabrine: Na klar! (lacht) Nein, ich wusste schon damals, als ich Boston verlassen habe, dass ich als TV-Analyst arbeiten möchte. Und dass ich zurückkommen möchte. Tommy Heinsohn wird ja auch nicht jünger (zweiter Co-Kommentator bei CSN New England, geboren 1934, d.Red.). Und das war meine Chance. Diese Stellen sind ja quasi nie verfügbar. Jeder Spieler, der auf Tommys Job schielt, kann sich das mal schön abschminken. Der ist weg, das ist meiner. Wobei Tommy ohnehin noch weitermachen wird, bis er 100 Jahre alt ist. (lacht)

SPOX: Können Sie mir drei Gründe nennen, warum es besser ist, fürs Fernsehen zu arbeiten als auf dem Spielfeld zu stehen?

Scalabrine: Mmh, mal sehen... ich arbeite mit einer wunderschönen Sideline-Reporterin und ich sehe sie fast jeden Tag. Als ich noch Spieler war, hatten wir einen hässlichen Sideline-Reporter, er hieß Greg Dickerson. Ok, das war nicht gerade schmeichelhaft. Aber jetzt arbeite ich mit der hinreißenden Abby Chin. (Abby saß mit uns am Tisch und konnte sich vor Lachen kaum halten)

Brian Scalabrine ist eine absolute Kultfigur
Brian Scalabrine ist eine absolute Kultfigur
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SPOX: Und Nummer zwei und drei?

Scalabrine: Mein Körper tut niemals weh. Nie. Also so gar nicht. Das ist wirklich extrem gut. Fast zu schön, um wahr zu sein. Und das Beste: Ich spiele nicht mehr. (lacht) Jeder denkt nämlich, ich sei so großartig. Die Leute kamen schon als Spieler immer zu mir an und sagten: 'Du bist eine Bombe'. Aber jetzt? Mein Legendenstatus wächst weiter und weiter, dabei habe ich in den letzten fünf Jahren keinen einzigen Wurf getroffen! Es ist einfach nur großartig.

SPOX: Was war der peinlichste Moment Ihrer Karriere als TV-Analyst?

Scalabrine: Hatte ich davon wirklich schon so viele? (lacht) Obwohl, in diesem Jahr habe ich einen echten Bock geschossen. Im ersten Spiel der Preseason habe ich Jerami Grant mit seinem Bruder verwechselt und als Jerian Grant bezeichnet. Nicht ein Mal, sondern das gesamte Spiel! Und niemand hat es gemerkt, wie auch immer das passieren konnte. Dabei kenne ich den Jungen gut, ich habe vor dem Draft 2014 ja sogar sein Workout mit ihm gemacht. Das war wohl die schlimmste Übertragung meines Lebens.

SPOX: Auch als Spieler lief bei Ihnen nicht immer alles nach Plan. Im Internet gibt es unzählige Videos mit Titeln wie "Die zehn schlechtesten Plays von Brian Scalabrine". Welches ist Ihr persönlicher Lieblings-Fail?

Scalabrine: Oh, ganz klar: mein missglückter Einwurf, das muss 2010 gewesen sein. Rajon Rondo wollte immer, dass man den Ball vor ihn warf, damit die Uhr noch nicht losläuft und er zum Ball cutten konnte. Aber sein Gegenspieler war direkt an ihm dran und ich rief: 'Der Typ ist direkt hinter dir!' Und er so: 'Wirf den Ball!' Ich: 'Ganz bestimmt nicht!' Er: 'Wirf endlich den verdammten Ball!' Also warf ich den Ball. Sein Gegenspieler schnappte ihn sich natürlich und legte ihn rein. Und Rondo schrie nur: 'Was machst du, Mann?' Das war mit Sicherheit die peinlichste Aktion. Wobei, da fällt mir noch eine ein. Der Coach wollte in einer Auszeit, dass ich ins Spiel komme, aber ich hatte mein Trikot nicht an, nur mein Aufwärm-Shirt. Ich habe an mir gesucht und gesucht, unter mein Shirt gefühlt, bis mir klar wurde, dass ich es vergessen hatte. Die Strafe dafür betrug 1.000 Dollar! Ich rannte also zurück in die Kabine, zog es an und sprintete zurück, denn ich sollte den Ball einwerfen. Der Coach meinte, wenn der Spielzug zum Korb führt - es war ein Lob auf Richard Jefferson - erlässt er mir die Strafe. Und es war mir völlig egal, ob RJ offen war oder nicht. Natürlich warf ich den Ball zu ihm. (lacht) Was für eine Frage! Und er fing ihn, dunkte ihn und ich war die Strafe los.

SPOX: Isaiah Thomas ist der Mann des vierten Viertels, Scal Time war und wird auch immer die Triple Overtime bleiben. Machen Sie Ihren Teamkollegen von damals noch manchmal Vorwürfe, dass sie die Spiele so selten in die dreifache Verlängerung gebracht haben, damit sie ihre wahre Stärke ausspielen konnten?

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Scalabrine: Ja, das war meine Zeit. Aber leider ist sie viel zu selten gekommen. Wenn die anderen 60 Minuten in den Knochen hatten, dann war ich richtig gut. Sie waren müde und ich habe offene Würfe bekommen. Ich hatte keine Angst vor dem großen Moment. Viele Spieler, die besser sind als ich, sind unsicher, wenn es drauf ankommt. Bei mir war es genau umgekehrt. Ich bin ein schlechter Spieler, der denkt, dass er der Beste ist. Ich denke übrigens, ich bin in allem der Beste.

SPOX: Apropos der Beste: 'White Mamba' ist ohne Frage einer der besten Spitznamen...

Scalabrine (unterbricht): Der Geschichte!

SPOX: Richtig, das wollte ich gerade sagen. Aber wer hat aktuell den besten Spitznamen in der Liga?

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Scalabrine: Nun ja, es gibt keine Mamba mehr... Red Mamba, Black Mamba, White Mamba - alle im Ruhestand. Das macht es natürlich schwer. Ich finde, Greek Freak ist ein großartiger Spitzname. Und zwar, weil ich den Nachnamen von Giannis nicht aussprechen kann. (lacht) Ansonsten ist die Spitznamen-Kultur in der Liga aktuell nicht so stark. Und eins ist klar: White Mamba kann sowieso niemand schlagen. Dirk Nowitzki wollte mir den Namen sogar mal stehlen. Wirklich, er wollte White Mamba klauen! Er hat es versucht, aber es hielt sich zum Glück nur zwei Spiele. White Mamba ist einfach perfekt. Ich wurde ja vorher Veal genannt, aber ich habe meinen Namen dann geändert. Dabei gibt es übrigens eine wichtige Regel: Wenn man seinen Spitznamen damit upgradet, dann darf man ihn wechseln. Ist es ein Rückschritt, dann darf man es nicht.

SPOX: Die Warriors haben 2015 die Championship geholt und Sie waren ohne Zweifel ein wichtiger Grund dafür, auch wenn Sie 2014 als Assistant Coach gefeuert wurden. Wie schwer war es, den Jungs in der kurzen Zeit, in der Sie dort waren, Ihre Siegermentalität einzuimpfen?

Scalabrine: Das war ja genau das Problem. Meine Siegermentalität kam für sie ein Jahr zu früh. (lacht) Sie wollten den Titel noch nicht gewinnen. Daher haben sie mich auch entlassen, zehn Spiele bevor die Playoffs anfingen. Kennen Sie das, wenn Menschen ihrer Zeit voraus sind? Alle Leute denken: Die sind doch verrückt! So war es bei mir auch. Die Welt war einfach noch nicht bereit für mich als Coach. Oder noch ein Beispiel: Kyrie Irving weiß, dass die Erde eine Scheibe ist. Aber alle, die es noch nicht wissen, denken halt, er wäre ein Spinner. (lacht)

Die Splash Brothers erzwingen den Sieg im Garden

SPOX: Sie haben es während Ihrer ganzen Karriere geschafft, dass ihr Haar immer ein kräftiges Rot behielt und wunderbar glänzte. Dennis Schröder hat mit seinem blonden Fleck einen neuen Style...

Scalabrine (unterbricht): Moment, das Ding ist echt? Hat er das wirklich freiwillig gemacht?

SPOX: Ja, seine Mutter betreibt in Deutschland einen Frisör-Salon. Sie wollte ihm die Haare sogar komplett blondieren und sie einigten sich dann auf seinen Golden Patch.

Scalabrine: Und jede Woche muss er den Scheiß neu färben? Das ist ja verrückt. Ich dachte, er wäre damit geboren. Das Ding erinnert mich ein bisschen an einen Rallye-Streifen. Ihr habt doch schnelle Autos in Deutschland, vielleicht ist das der Zusammenhang. Aber egal, er ist auf jeden Fall ein guter Spieler. Und seine Frisur ist ein Grund dafür, dass er so bekannt ist. Ich glaube, ich bin nur wegen meiner roten Haare so beliebt. (lacht) Vielleicht sollte er es mal mit Rot versuchen.

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Interview: Martin Klotz
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Martin Klotz(Redaktion)

Martin Klotz, Jahrgang 1988, ist seit Anfang 2014 bei SPOX.com. Den gebürtigen Bremer zog es zuletzt immer weiter Richtung Süden. Nach vier Jahren beim NDR in Hannover und einem Journalistik-Studium an der Uni Leipzig kam er nach Unterföhring. Als Volontär Mitglied der NBA-Redaktion und darüber hinaus zuständig für europäischen Basketball und den DBB.

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