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NBA

DS17 und das Backstein-Quintett

Bei Dennis Schröder und den Atlanta Hawks ist derzeit Sand im Getriebe

Die Atlanta Hawks stecken mitten in der Krise - und zwar einer richtig dicken. Sieben Spiele in Serie und zehn der letzten elf Partien hat das Team von Dennis Schröder verloren. Der anvisierte Kampf um die Ost-Krone ist nach starkem Start in weite Ferne gerückt. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels.

Am 16. November war die Welt in Atlanta noch in Ordnung. Die Hawks hatten ihre Bilanz mit einem Sieg über die Milwaukee Bucks soeben auf 9-2 geschraubt und die beste Bilanz der Eastern Conference inne. Sogar den Champ aus Cleveland hatte man schon geschlagen. Kurzum: Alles lief wie am Schnürchen.

Drei Wochen später ist jegliche Euphorie aus Georgia gewichen. Dem starken Start folgte ein ebenso heftiger Absturz. Das Team um Dennis Schröder verlor sieben Spiele in Serie und zehn der letzten elf Partien. Tristesse, Ratlosigkeit und Enttäuschung sind die vorherrschenden Gefühle der Hawks-Fans.

Im freien Fall stürzten die Hawks die Tabellenplätze hinab und rangieren nun mit einer Bilanz von 10-12 auf Rang zehn. Der vorläufige Höhepunkt: Derbe Klatschen gegen die Detroit Pistons (-36) und die Toronto Raptors (-44).

Wo ist das Ball-Movement?

Zwar fehlte Paul Millsap in beiden Partien aufgrund von Hüftproblemen, doch das darf - wie Coach Mike Bodenholzer zu Recht anmerkte - keine Ausrede sein.

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Das ausgedehnte Shootaround inklusive intensivem Filmstudium vor dem Spiel gegen die Oklahoma City Thunder zeigte schon Wirkung, auch wenn die Hawks gegen den wirbelnden Russell Westbrook am Ende kein Mittel hatten. Mit 26 Assists bei 34 Field Goals setzte Atlanta den Hebel an einer der großen Schwächen der letzten Spiele an: dem Ball Movement.

Gingen in den ersten elf Spielen noch 58 Prozent aller 2-Punkte-Würfe und 92 Prozent aller Dreier eine Vorlage voraus, waren es in den vergangenen elf Partien lediglich 50 Prozent beziehungsweise 85 Prozent. Aus Top- wurden Mittelwerte.

Gerade das in den letzten Jahren unter Coach Bud hochgelobte Passing Game der Hawks funktionierte nicht mehr. Mit dem Bewusstsein, einen Fehler wiedergutmachen zu wollen, verschwand bei den Hawks auch die Bereitschaft, einen guten für einen besseren Wurf aufzugeben. Die "Spurs des Ostens" sind Geschichte. Gerade Schröder hält den Spalding aktuell immer wieder zu lange und versucht zu viel, für sich selbst oder seinen Blocksteller zu kreieren. Der öffnende Blick für das gesamte Team fehlt.

Zielwasser ist Mangelware

Mit einem Problem ist aber noch nicht getan. Der zweite Knackpunkt: Atlanta trifft den Korb nicht mehr, vor allem vom Perimeter. Schröder (23 Prozent), Kent Bazemore (23 Prozent), Thabo Sefolosha (30 Prozent), Tim Hardaway (28 Prozent) und Millsap (32 Prozent) bekleckerten sich in den vergangenen elf Spielen wahrlich nicht mit Ruhm von Downtown. Dabei feuerte das Backstein-Quintett zusammen mehr als die Hälfte der gesamten Longballs der Hawks ab (13,7 von 25,8 Dreiern pro Spiel).

Der alternde Kyle Korver trifft zwar gewohnt gut von Downtown (40,2 Prozent), kann sich aber nur noch selten eine gute Wurfposition erarbeiten und kommt demnach auf die wenigsten Feldwurfversuche (7,1) und Punkte (8,3) seiner Karriere.

Mentales Problem

Die Wurfschwäche des Teams ist inzwischen zum mentalen Problem geworden: "Das müssen wir wirklich aus unseren Köpfen bekommen", sagte Dwight Howard: "Du bist frustriert. Du verfehlst einen Wurf und denkst gleich: 'ich kann nicht werfen' oder 'ich habe es schon wieder vermasselt.' Doch stattdessen müssen wir Spaß haben und es genießen", warnte der Neuzugang.

"Es ist ein Segen, in dieser Liga spielen zu dürfen und wir können nicht zulassen, frustriert zu sein. Wir müssen fokussiert bleiben. Niemand von uns kommt gern in die Kabine, nachdem wir mit 40 Punkten verloren haben. Es ist ein mieses Gefühl, doch wir dürfen es nicht ins nächste Spiel tragen. Ich denke, das haben wir getan. Wir müssen es einfach löschen. Nicht darüber reden, nicht darüber schreiben. Auch wenn es schwer ist: Wir müssen nach vorn schauen."

Aufgrund der Dreierschwäche des Teams (29,4 Prozent Trefferquote, Platz 28 in der Liga) können die Flügelspieler ungestraft in der Zone aushelfen. "Die Gegner zwingen uns dazu, immer andere Dinge aus dem Pick-and-Roll zu machen", so Howard: "Wenn ich in die Zone abrolle, sind immer gleich drei oder vier Spieler da. Damit zwingen sie unsere Guards und Flügel, Plays zu machen. Und an diese Veränderung müssen wir uns anpassen."

Die Starting Five macht Sorgen

Geklappt hat das bisher noch nicht. In den letzten elf Spielen stehen die Hawks bei einem Net-Rating von -13,9 Punkten (Rang 30) und erzielen trotz neuntschnellster Pace lediglich 92,5 Punkte (Rang 29). Mit Schröder, Bazemore, Korver und Howard weisen gleich vier Starter über die gesamte Saison ein negatives Net-Rating auf.

Budenholzer wirkt teilweise ratlos, zog bereits alle Register. Erst strafte er im Spiel gegen die Raptors die Starting Five ab, indem er die zweite Hälfte mit fünf Reservisten begann. Gegen OKC ersetzte er dann Korver durch Sefolosha, dieser Move hatte aber eher mit den defensiven Aufgaben gegen Westbrook zu tun. Dennoch wusste Korver in seiner Bankrolle zu gefallen.

Deutlich interessanter war da schon, dass Howard lediglich 19 Minuten spielen durfte und auch in der Crunchtime auf der Bank saß. Mehr Spacing, das war die Idee. Doch mit nur 32 Prozent vom Perimeter münzten die Hawks auch diesen Vorteil nicht in Zählbares um.

"Ich habe unfassbar schlecht gespielt"

Immerhin meckerte D8 nicht, sondern suchte die Fehler bei sich selbst. "Ich habe unfassbar schlecht gespielt. Ich muss besser sein und ich hatte es verdient, auf der Bank zu sitzen." Selten, dass man solche Töne vom Center hört. Sie zeigen, wie ernst die Lage in Atlanta ist.

"Vielleicht haben sie in der Offensive einen Schritt zurück gemacht, da sie versuchen, sich an neue Spieler zu gewöhnen", analysierte Pistons-Coach Stan Van Gundy die Situation des Konkurrenten: "Ich denke aber nicht, dass es lange anhalten wird. Ich denke, sie gehören zu den wenigen wahren Contendern im Osten."

Sein Wort in Gottes Ohr. Und in denen des Backstein-Quintetts.

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