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Paul Zipser im Interview

"Warum nicht nach den Sternen greifen?"

Dienstag, 27.09.2016 | 11:06 Uhr
Paul Zipser ist am Beginn eines neuen Karriere-Abschnitts
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Paul Zipser steht vor seiner ersten Saison mit den Chicago Bulls. Der deutsche Forward spricht im Interview über seine Gefühle, den Umzug und den Vergleich zwischen Kobe und MJ. Außerdem berichtet er vom Umgang mit dominanten Spielern und erzählt von seinen Träumen.

SPOX: Paul, 30 Tage sind es noch genau bis zum Saisonstart der Bulls gegen die Boston Celtics. Wie ist die Gefühlslage, wenn Sie daran denken?

Paul Zipser: Aufgeregt. Ich sehe ja auch auf Instagram den Countdown bis zum ersten Spiel und es kribbelt schon ganz ordentlich. Das wird sicher etwas Besonderes, wenn es so weit ist. Aber in der Zwischenzeit freue ich mich erstmal, Chicago zu entdecken, die Vorbereitung, die Herausforderung im Training Camp mit den Stars und den vielen jungen Spielern. Und natürlich freue ich mich einfach darauf, mein neues Team kennenzulernen.

SPOX: Wie sahen der Tage nach der EM-Qualifikation für Sie aus?

Zipser: Nach der Zeit beim DBB musste ich wegen des Visums noch ein paar Tage warten, aber seit fünf Tagen bin ich endlich in Chicago. Erstmal war natürlich wichtig, eine Wohnung zu finden und mir ein Auto zu besorgen. Mit Sicherheit wird noch einiges auf mich zukommen, das ich jetzt noch nicht bedacht habe. Aber das wird schon.

SPOX: Vor dem Draft haben Sie mir im Interview gesagt, Sie wären schon sehr gespannt auf die USA, da Sie vorher noch nicht da waren. Jetzt haben Sie Ihre ersten Trips in die Staaten hinter sich. Was war besonders beeindruckend oder überraschend?

Zipser: Als ich das erste Mal drüben war, hatte ich mir von der Veränderung ehrlich gesagt mehr erwartet. Aber es war cool. Ich war als erstes in New York, damit kann man schon mal starten. (lacht) Dann noch in Houston, New Orleans - und natürlich zur Vertragsunterzeichnung kurz in Chicago. Ich war ja bisher nur Gast, dort zu leben wird noch einmal etwas anderes. Ich bin auch nicht allein, meine Freundin kommt mit und ich denke, dass wir beide das schon gut hinbekommen werden.

SPOX: Wie war für Sie der - erst einmal vorläufige - Abschied aus Deutschland?

Zipser: Ich war leider wenig in München, sodass ich nicht so viel Zeit zum Packen hatte. Meine Freundin kommt erst in etwa einem Monat nach, den Rest in der Wohnung muss sie dann allein machen. Ich habe natürlich alle meine Verträge kündigen müssen: Handy, Versicherungen und so weiter. An diese banalen Dinge wie Kündigungen denkt man nicht, wenn man jahrelang jeden Tag davon träumt, in die NBA zu gehen. Man hat so viele "normale" Dinge zu tun, dass man da auch ein bisschen auf den Boden zurückgeholt wird. Aber ich bin eben auch ein ganz normaler deutscher Bürger, der in die USA umzieht. Ich muss selbst ins Konsulat und mein Visum abholen. Das ist irgendwie auch ganz angenehm.

SPOX: Wie war der Kontakt zu den Verantwortlichen der Bulls und zu Coach Fred Hoiberg seit dem Draft?

Zipser: Als die Verpflichtungen von Dwyane Wade, Rajon Rondo und Robin Lopez durch waren und die Jungs da drüben wieder etwas mehr Zeit hatten, hat man sich gut um mich gekümmert. Jeden zweiten oder dritten Tag hat mir jemand anderes geschrieben, ob das jetzt der Fitness-Trainer, ein Assistant Coach oder Hoiberg selbst war. Ständig haben wir telefoniert und sie wollten einfach, dass es mir gut geht und dass alles vorbereitet ist, wenn ich rüberkomme. Wenn ich etwas brauchte, haben sich gleich drei, vier Leute darum gekümmert. Sie haben gut kommuniziert, ich selbst konnte auch mitreden und das war sehr angenehm.

SPOX: Haben Sie schon erste Spielzüge bekommen oder sogar schon angefangen, das Playbook durchzuarbeiten?

Zipser: Nein, ich habe bisher nur Fitness- und Kraftübungen bekommen. Basketballerisch gab es da im Vorfeld noch nichts. Es wurde natürlich gesagt, was meine Stärken und Schwächen sind und woran ich arbeiten soll, aber das weiß ich ja auch selbst. (lacht)

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SPOX: Die Bulls haben eine große Geschichte. Haben Sie sich schon die alten Championship-DVDs gekauft, um mitreden zu können?

Zipser: Dafür war leider noch keine Zeit. Wir hatten ja mit der EM-Qualifikation alle Hände voll zu tun. Aber wenn ich jetzt hier jeden Tag in die Halle gehe und die Trikots und Trophäen sehe, dann weiß ich schon, dass ich mir einige Szenen von früher definitiv nochmal anschauen werde.

SPOX: Wo wir gerade bei den guten alten Zeiten sind: MJ oder Kobe?

Zipser: MJ war leider ein wenig zu früh für mich, ich habe kein Spiel von ihm in voller Länge gesehen. Klar kennt man die Highlights, aber Kobe, Shaq und Allen Iverson waren eher die Helden meiner Jugend. Die Zahlen sprechen aber für Jordan und ihn und seine Spielweise schätze ich mehr als die von Kobe. Daher ist es für mich eigentlich ganz klar: MJ.

SPOX: Jordan hatte bei den großen Erfolgen im Bulls-Trikot immer wichtige Helfer, zum Beispiel Scottie Pippen und Dennis Rodman. Mit welcher Spielweise können Sie sich eher identifizieren?

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Zipser: Pippen hatte viele Qualitäten und hat auch in den Jahren ohne MJ gezeigt, was er kann. Rodman war einer der besten Rollenspieler, die es je gab. Er hat Defense und Rebounding auf dem Court über alles andere gestellt. Das war sein Ding. Heute sieht man es noch viel mehr, dass Spieler speziell nur für eine Aufgabe geholt werden. Man kann in jedem Team genau sagen, wer was zu tun hat. Und Rodman war dafür ein Paradebeispiel, der MJ und Pippen mit seiner Drecksarbeit den Rücken freigehalten hat und dadurch einen wichtigen Anteil an den Meisterschaften hatte.

Seite 1: Zipser über Gefühle, Umzug und MJ

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