Jahlil Okafor im Porträt

Das richtige Händchen haben

Mittwoch, 30.09.2015 | 13:00 Uhr
Er soll die Geschicke der Sixers wenden - und nebenbei die Zeit zurückdrehen: Jahlil Okafor
© getty
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Jahlil Okafor soll die Geschicke der Philadelphia 76ers wenden - und nebenbei die Rolle des traditionellen Centers als offensive Waffe wiederbeleben. Der 19-Jährige Center bringt ein ausgefeiltes Post-Game mit in die NBA, wird es aber dennoch schwer haben. Schließlich muss es der dritte Pick des Drafts nicht nur mit einer Menge Kritikern aufnehmen, sondern auch mit einer taumelnden Franchise - und einer sich ändernden Liga.

127 Niederlagen in den letzten zwei Jahren. 2014/2015 Schlusslicht in den Kategorien Points per Possession, Trefferquote aus dem Feld und bei den Turnovern. Mit Michael Carter-Williams wurde der Rookie of the Year von 2014 nach Milwaukee geschickt, der talentierte K.J. McDaniels ist ebenfalls weg - und wann beziehungsweise ob Joel Embiid, der dritte Pick des Vorjahres, auf den Court zurückkehrt, ist offen.

Nun soll es an dem dritten Pick von 2015 liegen, die Philadelphia 76ers aus ihrem Dornröschenschlaf in den unteren Tabellenregionen aufzuwecken. Einem 19-Jährigen mit einem Jahr College-Erfahrung. Und irgendwie einem Relikt aus vergangenen Zeiten.

Wenn das Schicksal der Sixers wirklich in den Händen von Jahlil Okafor liegt, dann sei zumindest eines gesagt: Diese Hände können eine ganze Menge tragen.

Okafor hat Hand und Fuß

Und das zunächst einmal im wahrsten Sinne des Wortes. Vor dem Draft im Juni machten Fotos die Runde, in denen Okafor verschiedene Gegenstände in seinen riesigen Pranken fast schon lächerlich klein erscheinen lässt. Da sieht ein Basketball plötzlich aus wie ein Handball, ein Baseball wie ein Tischtennisball. 13 Tennisbälle könne er in einer Hand halten, vermeldete Bleacher Report atemlos. Kein Talent, aber eine Fähigkeit, die man nicht antrainieren kann.

Vielleicht liegt es an diesen Händen, dass Okafor schon in jungen Jahren so gut mit dem Spalding umgehen kann wie heutzutage kaum noch jemand in der Nähe des Korbes. Kombiniert mit makelloser Fußarbeit weist der Big Man ein Postgame auf, das manche an Tim Duncan oder sogar Hakeem Olajuwon erinnert.

Wo sich Superstars nach Jahren noch schwer tun, das Eins-gegen-eins aus dem Post für sich zu entscheiden, hat es ein 19-Jähriger derart verinnerlicht, dass alles andere als ein regelmäßiges Double-Double eine Enttäuschung wäre.

Lob von Coach K

"Er hat Hände und Füße, die man nicht beibringen kann. Er ist begabt. Seine Einstellung ist unglaublich. Ich denke, er ist der beste Spieler im Draft", sagte etwa Duke-Coach Mike Krzyzewski vor dem Draft über den in Chicago geborenen und aufgewachsenen 2,11-Meter-Mann. Der hatte in seinem College-Jahr für die Blue Devils 17,3 Punkte, 8,5 Rebounds und 1,4 Blocks aufgelegt, zahlreiche Auszeichnungen abgeräumt und mit Duke schließlich auch den Titel geholt.

"Niemand in meiner Zeit bei Duke war besser als er", so Coach K. "Er ist vom Kaliber eines Kyrie Irving oder Grant Hill. Er bringt alles mit, hat nur positive Eigenschaften. Er wird nur noch besser werden, ist ein großartiger Teamkollege und Kämpfer." Ein solch flammendes Lob aus dem Mund der College-Ikone und Okafor sollte eigentlich über jeden Zweifel erhaben sein.

Doch die Worte des 68-Jährigen waren wohlüberlegt: Denn die Kritiker von Okafor waren da schon auf den Plan getreten - und sorgten dafür, dass er, vor einem Jahr noch als über jeden Zweifel erhabener Top-Pick gehandelt, plötzlich hinter Karl-Athony Towns und D'Angelo Russell zurückfiel.

Jetzt wird Okafor also in der Stadt der brüderlichen Liebe sein Können zeigen. Der Druck ist gewaltig, denn der Teenager mit der Rückennummer 8 wird sich nicht nur gegnerischer Double-Teams erwehren müssen. Gegen gleich drei Dinge spielt er an: seine Kritiker, seine Franchise - und eine sich wandelnde NBA.

Dominant im Post oder unathletische Freiwurfschwäche?

Der Draft hat es so an sich, dass potenzielle NBA-Größen nicht nur auf ihre Stärken abgeklopft werden, sondern ganz besonders auf ihre Schwächen. Die werden unter dem Mikroskop ans Licht gezerrt und gnadenlos gewälzt, bis sie alles überlagern. Okafors Fähigkeiten unter dem Korb, die es in dieser Form in diesem Jahrtausend vielleicht noch nicht gegeben hat, sein gutes Passspiel aus dem Doppel und sein stark verbesserter Jumper aus der Mitteldistanz ungeduldig beiseite gewischt mit einem "Ja, aber...". Was ist mit seiner Athletik? Seiner Defense? Seinen Freiwürfen?

Es stimmt, Okafor ist nicht perfekt. Er springt nicht aus dem Gym wie ein Towns, ist nicht der Schnellste, muss defensiv gerade in der Pick-and-Roll-Verteidigung noch zulegen. Aber die Anlagen sind da, um in dieser Hinsicht zumindest ganz passabel zu werden. Seine enorme Spannweite von fast 2,30 Metern wird ihm defensiv helfen, körperlich ist er kräftig genug, um von Gegenspielern nicht einfach weggedrückt zu werden. In Sachen Athletik und Muskelmasse wird er in der NBA weiter zulegen können - man muss es einfach immer wieder betonen: Er ist erst 19.

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Wichtiger noch: Wo andere Spieler mit ihren Pfunden wuchern und ihr Ding durchziehen, ist der entfernte Cousin von Emeka Okafor der Traum eines jeden Coaches. "Manchmal sind die ganz großen und talentierten Spieler schwer zu coachen", erklärte Duke-Assistant Coach Jeff Capel. "Aber Jahlil war wie ein offenes Buch. Er reagiert auf alles, zieht total mit." Charakterlich scheint er über jeden Zweifel erhaben. Und selbst wenn vor dem Draft vereinzelte Stimmen unkten, Okafor gehe die absolute Leidenschaft für den Basketball, der Killerinstinkt ab, könnte dies ebenso seiner gut gelaunten und unaufgeregten Art geschuldet sein.

Der Wurf von der Linie ist in der Tat ein Schwachpunkt: Nur 51 Prozent seiner Freiwürfe versenkte Okafor bei Duke - ein Problem, das viele Spieler mit großen Händen betrifft, siehe Rajon Rondo oder Shaquille O'Neal. In der Summer League waren es sogar unter 40 Prozent von der Linie. Verzweifeln sollte man in Philly dennoch nicht: Eine Quote von knapp über 50 Prozent reicht zumeist, um den Gegner von einer "Hack-a-Deandre"-Taktik abzuschrecken. Und die Tatsache, dass Okafor durchaus den Jumper aus der Mitteldistanz treffen kann, macht Hoffnung - schließlich hat er das den Rondos dieser Welt voraus.

Den Sixers-Fluch überwinden?

Sollte es den Fans an der Liberty Bell Sorgen machen, dass Okafors Körpersprache nach dem Draft nicht gerade enthusiastisch wirkte? Dass es Gerüchte gab, wonach sein Agent das Team gebeten haben soll, ihn nicht zu draften? Kaum - ebenso wie die Meldung, dass die Sixers, die ja eigentlich keinen Bedarf an Big Men hatten, lieber Russell gedraftet hätten. Okafor bringt, darf man seinen früheren Coaches und Mitspielern Glauben schenken, den richtigen Charakter mit, um mit dem Team schnell warm zu werden, selbst wenn es keine Liebe auf den ersten Blick gewesen sein sollte.

Gleichzeitig werden die Sixers alles tun, um aus ihrem neuesten Top-Pick das Optimum herauszuholen. Die Frage ist nur, ob sie es können - und ob die Franchise in ihrer jetzigen Form die richtige Adresse für Talente ist, die ihr Potenzial erst noch entfalten müssen.

Okafor, Noel - und dann?

Fest steht: Die Marshmallow-Rechnung von General Sam Hinkie ist noch nicht aufgegangen. Mehrere Jahre mit einem miserablen Produkt auf dem Parkett und hohen Draft Picks haben noch keine wirkliche Verbesserung gebracht. Der Kader hat zwar talentierte Spieler zu bieten - neben Okafor, Nerlens Noel und Embiid auch noch der in Europa spielende Dario Saric - ist aber mehr als unausgegoren: Mit Tony Wroten und Nik Stauskas im Backcourt stellt sich die Frage, wer denn Okafor überhaupt den Ball zuspielen soll.

Dazu drängt sich vielen Beobachtern der Eindruck auf, dass es den Sixers eben nicht darum geht, Basektballspiele zu gewinnen. Verletzte Spieler werden gedraftet, andere schnell wieder abgeschoben, die Gehaltsobergrenze nicht einmal ansatzweise erreicht. Langfristig soll ein Title Run das Ziel sein, aber kurzfristig führte dieses Ziel zu einem "Bäumchen-wechsel-dich"-Kader, in dem die Spieler vor allem auf sich und die eigenen Stats schauten - "schließlich sind Siege nicht das Ziel und ich bald sowieso nicht mehr da."

Vielleicht kann Okafor dem Team eine ganz neue Richtung geben. "In der heutigen Ära sieht man Spieler wie Jah nicht mehr", lobte Hinkie. "Es gibt nicht mehr die, die man im Post immer wieder anspielt. Wo sie schon mit zwölf oder 13 Double-Teams provozieren und deshalb gelernt haben, damit umzugehen." Zudem ergänzt sich Okafor mit dem defensiv orientierten Noel im Frontcourt hervorragend - sie könnten sich als die Franchise-Bausteine herausstellen, nach denen Hinkie gesucht hat.

Ist noch Platz für Center?

Wer Hinkie als Freund modernster NBA-Entwicklungen versteht, der muss die Frage stellen, ob der GM mit einem Big Man der Marke Draymond Green nicht sehr viel glücklicher wäre. Schließlich passt Okafor eigentlich überhaupt nicht in die neue NBA. Und muss nun das Gegenteil beweisen.

Man muss sich nur die Finals anschauen, um zu dem Schluss zu kommen, dass dem reinen Center keine glorreiche Zukunft bevorsteht. Andrew Bogut? Wegen Green auf die Bank verbannt. Timofey Mozgov? Immer wieder von Tristan Thompson ersetzt. In einer Zeit, in der alles auf Pick-and-Roll und Dreier ausgerichtet wird, in der Shooting Guards plötzlich Small Forwards und Forwards plötzlich den Center geben, wird es Okafor schwer haben - oder? Zumal er nicht die Schnelligkeit zu besitzen scheint, um Dreierschützen draußen zu ärgern oder den Point Guard nach einem Switch aufhalten zu können.

Davon will sich der Sixers-Neuzugang nicht aufhalten lassen. "So lange ich mich erinnern kann, haben Big Men die NBA dominiert", sagt er, fast schon trotzig. "Die Leute geraten wegen Stephen Curry aus dem Häuschen - und er war auch fantastisch. Aber schon immer haben Big Men dominiert, und Meisterschaften waren die Folge." Dementsprechend klar: "Meine Rolle ist es, zu dominieren."

Feuertaufe steht bevor

Okafors Vorteil: Unter dem Korb ist er schon jetzt um Längen besser als die genannten Bogut oder Mogzov. Viele Teams stellen mit folgendem Rechenspiel auf Small-Ball um: Der offensive Vorteil eures Big Mans im Post ist nicht so groß wie sein Nachteil in der Defensive am Perimeter. Okafor könnte einer der wenigen Spieler sein, die eine solche Taktik knallhart bestrafen.

Mehr noch: Er muss es sein, um sich dem aktuellen Trend entgegenzustemmen. Und das auch gegen Double-Teams: Weder er noch Noel können von draußen treffen, der Backcourt der Sixers ist wie gesagt noch im Bau befindlich. Es gibt derzeit wenig Grund, gegnerische Coaches von einem zweiten oder gar dritten Verteidiger gegen ihn abzuhalten. Okafors erste Saison könnte eine Feuertaufe werden.

Übersteht er sie, könnte er das Puzzleteil sein, dass den Sixers plötzlich ein ganz neues Gesicht gibt. Oder gleich der ganzen NBA.

Der Draft in der Übersicht

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