Sollten Pau nicht mit Dirk vergleichen

SID
Dienstag, 22.09.2015 | 14:46 Uhr
Pau Gasol und Dirk Nowitzki trafen in unzähligen Duellen aufeinander
© getty
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EM-Experte Stefan Koch analysiert in seiner Kolumne ein letztes Mal für SPOX das Geschehen bei der EuroBasket. Der Coach würdigt Europameister Spanien, warnt vor einem Vergleich von Pau Gasol mit Dirk Nowitzki. Außerdem wünscht sich Koch eine Regeländerung.

Hallo liebe Basketball-Fans,

nun ist also doch Spanien Europameister geworden und ich muss zugeben, dass ich falsch lag. Ich habe mir schon gedacht, dass sie das Finale gegen Litauen gewinnen werden, aber ich hatte zuvor damit gerechnet, dass sie das Viertelfinale gegen Griechenland verlieren und hatte auch im Halbfinale die Franzosen als Favoriten auf der Rechnung.

Nach der Vorrunde der Spanier war das allerdings auch ein bisschen überraschend. Spanien stand schließlich knapp vor dem Aus. Sie haben gegen Italien und Serbien verloren und auch Deutschland hatte sie am Rande einer Niederlage. Im Vorfeld habe ich schon gedacht, dass die Spanier eine Medaille gewinnen werden, aber ich hätte nicht unbedingt auf Gold getippt. Sie haben sich stetig im Turnier gesteigert. Das macht eine Turniermannschaft aus.

Gasol wirklich dominant

Und sie hatten natürlich den überragenden Spieler des Turniers in ihren Reihen. Pau Gasol war bester Scorer, bester Spieler der EM und es hat sich gezeigt, dass ein überragender Spieler eine Mannschaft ganz weit tragen kann, wenn er einen entsprechenden Supporting Cast hat. Sergio Rodriguez ist schließlich zum besten Point Guard des Turniers gewählt worden und er war auf jeden Fall einer der besten. Ansonsten sind bei den Spaniern auch noch ein paar Jungs dabei, die spielen können. Das hat letztendlich gereicht.

Aber ich muss wirklich sagen, dass ich nicht mit so einer herausragenden EM von Gasol gerechnet habe. Natürlich hat er eine gute Saison bei den Chicago Bulls gespielt und ein Career High in Rebounds aufgelegt und ich war mir schon sicher, dass er gut spielen wird, aber allein seine Performance im Halbfinale gegen Frankreich war überragend. 40 Punkte in so einem Spiel hinzulegen ist aller Ehren wert. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass der Topscorer im Turnier über neun Spiele 25,6 Punkte macht, wäre ich sehr skeptisch gewesen. Das war wirklich ein dominantes Turnier von ihm.

Jetzt wird natürlich gerne der Vergleich mit Dirk Nowitzki herausgeholt. Dirk ist schließlich nur zwei Jahre älter. Aber es ist doch so: Je älter man wird, desto mehr spürt man jedes Jahr. Der Sprung von 25 auf 27 ist Pillepalle, der Sprung von 35 auf 37 ist aber schon sehr, sehr relevant. Ein Spieler, den ich mal gecoacht habe, hat mir gesagt, dass der Sprung von 33 auf 34 bei ihm wie ein Bruch war. Andere Spieler sind im Alter von 35 oder 36 aber noch sehr gut.

Nicht mit Dirk vergleichen

Deswegen wäre ich vorsichtig, daraus irgendwelche Schlüsse auf Dirk zu ziehen. Wir sollten nicht einen 35-Jährigen Pau Gasol mit dem 37-Jährigen Dirk Nowitzki vergleichen. Dafür müssten wir schauen, ob Gasol 2017 nochmal eine EM spielt und dann seine Leistung mit der von Nowitzki in diesem Jahr vergleichen.

Ich möchte noch ein paar Worte über Tschechien verlieren. Es war für mich eine Überraschung, dass sie das olympische Qualifikationsturnier erreicht haben. Ich hatte ja bereits in der ersten Kolumne berichtet, dass ich die Tschechen in der Vorbereitung gegen Deutschland gesehen hatte und Jan Vesely an dem Tag eine Katastrophe vor dem Herrn war. Jetzt hat er eine richtig gute EM gespielt. Auch die Letten fand ich überraschend stark. Sie haben zwar das Qualifikationsturnier verpasst, aber ich hätte sie nicht im Viertelfinale erwartet.

Da habe ich eher die Kroaten gesehen, die mich komplett enttäuscht haben. Ich dachte wirklich, dass sie eine gute Mannschaft haben und zumindest einen Qualifikationsplatz schaffen.

Zonenverteidigung als Rhythmus-Wechsel

Mir ist bei dieser EM aufgefallen, dass es einige Mannschaften gab, die immer mal wieder die Zone zum Rhythmus-Wechsel eingesetzt haben und daraus durchaus ihren Vorteil gezogen haben. Ansonsten gab es aber wenig Überraschendes. Die meisten Teams haben die offensiven Schemata gespielt, die sich in den letzten Jahren bewährt haben.

Wir sollten uns aber überlegen, ein Foul anders zu bestrafen, das nur begangen wird, um einen Fastbreak zu unterbinden, um das Spiel attraktiver zu halten. Ich habe aber, ehrlich gesagt, bislang auch keinen Königsweg gefunden. Das kam mir aber einfach zu häufig vor.

Die Schiedsrichter haben einen guten Job gemacht. Es war mir hier und da ein bisschen zu kleinlich, aber ich fand die Linie konsequent. Außerdem wurde konsequent umgesetzt, dass sofort Foul gepfiffen wurde, wenn der Verteidiger im Post-Up seinen Gegenspieler mit beiden Händen bearbeitet hat. Das finde ich gut und hat mir gefallen.

Es gibt aber eine Sache, die mir seit vielen Jahren auffällt. Haben wir eigentlich noch eine Drei-Sekunden-Regel? Selbst wenn der Post-Spieler den Ball nicht bekommt, verändert er das Spacing und die Position der Verteidiger. Er öffnet dadurch Räume, die er eigentlich nicht öffnen könnte, wenn er seinen Hintern nach 2,9 Sekunden wieder aus der Zone bewegen müsste. Da würde ich gerne eine konsequentere Auslegung sehen.

Bin kein Fan von dem Modus

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte über den Modus verlieren. Schließlich fand die EM erstmals in vier Ländern gleichzeitig statt. Das Ganze ist gut gelaufen, aber ich bin trotzdem kein Fan davon. So ein Turnier muss eine Emotion aufbauen. Basketball ist nicht Fußball, aber wenn die Fußball-WM 2006 nicht komplett in Deutschland stattgefunden hätte, sondern nur eine Vorrundengruppe und dann die Endrunde, wäre die Stimmung im Land nicht so entstanden.

Man sollte dem Basketball die gleiche Chance geben. Das ist sicher nur in "Basketball-Ländern" möglich. Das funktioniert aber beispielsweise in Litauen, weil dort eine große Basketball-Tradition existiert. Ich glaube aber, dass wir das jetzige Format in der Zukunft häufiger sehen werden - auch in anderen Sportarten.

Bevor ich die Kolumne beende, möchte ich mich bei den SPOX-Usern für die vielen netten Kommentare bedanken und hoffe, dass Sie auch dieses Mal viel Spaß beim Lesen haben werden.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Stefan Koch

Stefan Koch ist langjähriger Basketballtrainer und trainierte unter anderem die Artland Dragons in der BBL. In den Jahren 2000 und 2005 wurde er jeweils zum Trainer des Jahres gewählt und gewann mit den Opel Skyliners Frankfurt den deutschen Pokal. Darüber hinaus arbeitet er für verschiedene Medien als Experte und Kommentator. Für SPOX kommentierte er die NBA.

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