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Ein schleichendes Ende

Freitag, 15.05.2015 | 16:22 Uhr
Tom Thibodeau trainiert die Chicago Bulls seit 2010
© getty
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Nach dem Ausscheiden in Playoff-Runde 2 gegen die Cleveland Cavaliers steht Bulls-Coach Tom Thibodeau vor dem Aus. Doch vorschnell wird Chicago seinen Trainer nicht vor die Tür setzen. Sein möglicher Nachfolger findet aber ein bestelltes Feld vor.

Es war ein letztes Plädoyer. Ein letzter Versuch, seinem Coach beizustehen. "Ich glaube, wir haben wirklich eine enge Verbundenheit, es liegt aber nicht in meiner Hand. Ich mochte ihn immer als Coach", erklärte Derrick Rose nach Spiel 6, das das Saisonaus der Chicago Bulls besiegelte. Und doch lässt die Vergangenheitsform in Rose' letztem Satz darauf schließen, dass auch der ehemalige MVP nicht mehr wirklich an einen Verbleib von Tom Thibodeau in der Windy City glaubt.

Es ist ein offenes Geheimnis in der Liga. Zwischen Coach Thibs und dem Front Office passt es seit geraumer Zeit nicht mehr. Zu unüberbrückbar die Differenzen, zu unterschiedlich sind die Ansichten über die Spielweise und das Minuten-Management.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Spiel 6 lieferte mal wieder ein Abbild der Saison, die letztlich erneut als verlorenes Jahr gesehen werden muss. Thibodeau hat es über Jahre nicht geschafft, die Offensive weiterzuentwickeln. Die Probleme sind immer gleich. Zu statisch, zu wenig Spacing, zu einfallslos. Dazu ein Rose, der aufgrund seiner Krankenakte einfach nicht mehr dazu imstande ist, sein einst gefürchtetes Spiel Abend für Abend auf den Platz zu bringen. In Spiel 6 schwamm er allenfalls mit.

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Die Liga entwickelt sich immer mehr zu einer Run-and-Gun-Orgie. Hohe Pace führt zum Erfolg. Das mag nicht allen gefallen - Thibodeau auf jeden Fall nicht, aber es ist nun mal der Lauf der Dinge. Natürlich wird es immer Teams geben, die eine andere Nische besetzen, die mit einem anderen Stil Erfolg haben, aber allein mit harter Defense gewinnt niemand mehr einen Titel.

Eine Erkenntnis, die auch im Front Office der Bulls gereift ist und die zumindest auf dem Trainerstuhl und damit auch in der Philosophie zu einem Umbruch führen wird. Jetzt geht es für beide Seiten nur noch darum, möglichst viel aus der Situation herauszuschlagen.

Der Poker ist eröffnet

Da verwundert es nicht, dass Thibodeau öffentlich den Ahnungslosen gibt. "Solange sie mir nicht sagen, dass ich nicht mehr der Coach bin, gehe ich davon aus, hier zu sein. So gehe ich damit um", erklärte er nach der Partie.

Darf man den Quellen von ESPN glauben, soll aber auch der Trainer bereits andere Optionen ins Auge gefasst haben. Die New Orleans Pelicans zum Beispiel. Dort musste Thibs' Freund Monty Williams in dieser Woche den Hut nehmen und im Big Easy soll sich das Front Office durchaus mit dem Bulls-Trainer beschäftigen.

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Auch die Orlando Magic haben sich bislang mit der Trainersuche zurückgehalten, um zu schauen, wer im Laufe der Postseason noch alles verfügbar sein wird. Die Bulls wissen, dass Thibodeaus Ruf weiterhin ausgezeichnet ist und werden daher versuchen, noch möglichst viel Profit herauszuschlagen.

Der Vertrag des Trainers läuft schließlich noch zwei Jahre und die Boston Celtics haben vor zwei Spielzeiten erfolgreich gezeigt, wie sich ein Trainerabgang noch veredeln lässt. Für den Wechsel von Doc Rivers zu den Clippers kassierten sie immerhin einen Erstrundenpick.

Ersatz in den eigenen Reihen?

Nun ist die Situation um Thibodeau natürlich nicht vergleichbar. Jeder weiß, dass Chicago gerne eine Veränderung vornehmen möchte, aber vorschnell werden die Bulls ihren Coach nicht vor die Tür setzen.

Zumal sie erst einmal einen Nachfolger in der Hinterhand haben müssten. Zuletzt galt Iowa-State-Coach Fred Hoiberg als Kandidat, aber ob der sich aus seiner College-Wohlfühloase loseisen lässt, ist eher fraglich. Auch Assistant Coach Adrian Griffin soll in der Verlosung sein. Der besitzt zwar Thibodeau-Stallgeruch, aber laut ESPN-Analyst Marc Stein gibt es im Bulls-Umfeld durchaus Hoffnung, dass er die guten Seiten seines Chefs mit den Erwartungen des Front Office' vereinen kann.

Ohnehin dürfte die Trainersuche nicht schwierig werden. Schließlich gelten die Bulls als eine der besten Adressen in der NBA. Der Glanz, mit dem Michael Jordan die Franchise einst überzog, ist längst nicht verblasst.

Gerüst steht

Und mit dem Team-Gerüst lässt sich wunderbar arbeiten. Zwar wird Jimmy Butler im Sommer Restricted Free Agent, aber die Franchise wird nicht müde zu betonen, dass sie jedes Angebot für den All-Star und Most Improved Player matchen werden.

Dazu kommt Rookie Nikola Mirotic, der eine starke erste Saison spielte, auch wenn ihm gegen die Cavaliers seine temporären Grenzen gnadenlos aufgezeigt wurden. Die Rollen von Tony Snell und Doug McDermott werden zwangsläufig größer werden. Auch Pau Gasol und Taj Gibson stehen weiter unter Vertrag.

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Veteran Joakim Noah geht in sein letztes Vertragsjahr und lässt schon jetzt keinen Zweifel daran, dass er in seinem letzten Vertragsjahr andere Leistungen von sich erwartet: "Ich muss definitiv besser spielen als in diesem Jahr."

Bleibt Sorgenkind Rose. Die Superstarzeiten dürften wohl vorbei sein, aber der Point Guard hat dennoch angedeutet, dass er zumindest für Phasen der Alte sein kann. Als Local Hero ist er ohnehin ein Aushängeschild der Franchise.

Die Zukunft ist längst nicht so trüb und grau, wie es die Gegenwart nach dem Zweitrundenaus vermuten lässt. Ein bisschen frischer Wind reicht - und damit kennt man sich schließlich in Chicago aus.

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