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Getankt wird nur Treibstoff

Von Ole Frerks
Dienstag, 12.11.2013 | 14:36 Uhr
Eric Bledsoe führt die Phoenix Suns bisher mit 20,9 Punkten pro Partie an
© getty
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5 Siege, 2 Niederlagen. Platz drei in der Western Conference. Wer den Phoenix Suns vor der Saison einen solchen Start in Aussicht gestellt hätte, wäre wohl mit Spott und Kopfschütteln bedacht worden. Während man erwarten konnte, dass die Suns hohes Tempo gehen würden, überraschen die Mannen von Jeff Hornacek vor allem mit starker Defense und einem Forward, der auf einmal das Licht in Sachen Wurfauswahl gesehen hat.

19 ½ war das Over/Under, das die Buchmacher aus Las Vegas für die Suns nach dem Trade festlegten, der Center Marcin Gortat für Emeka Okafor gen Washington verschiffte. Zur Erklärung: Beim Over/Under wettet man darauf, ob ein Team während der Saison mehr oder weniger Spiele gewinnt als diese festgelegte Zahl.

Mit 19 ½ galt Phoenix als schlechtestes Team der Western Conference, nur die Philadelphia 76ers hatten mit 16 ½ einen noch niedrigeren Wert. Bei den Experten-Power-Rankings der Basketballwelt zeigte sich das gleiche Bild: Niemand traute den Suns mehr zu als die Pole Position im Rennen um die Rote Laterne.

Die Gründe dafür: Mit Eric Bledsoe und Goran Dragic spielten die beiden besten Spieler des Teams dieselbe Position, Big Men fanden sich im Kader nahezu keine, Top-Rookie Alex Len war (ist) verletzt, auf dem Flügel fand sich vermeintlich kaum NBA-taugliches Material. Und wer sollte eigentlich verteidigen?

Der Schlüssel heißt Defense

Und jetzt das: Zuhause haben sie noch kein Spiel abgegeben, überhaupt gingen bisher nur Spiele in San Antonio sowie OKC verloren. Dafür wurden New Orleans (2x), Denver und Portland geschlagen - drei Teams, denen vor der Saison durchaus ein Playoffplatz zugetraut wurde.

Wie konnte es dazu kommen? Zum einen präsentiert sich die Defense bisher stärker, als man annehmen konnte. Die Gegner der Suns schießen bisher nur 43% aus dem Feld (Platz sechs in der Liga) und machen 96 Punkte (ebenfalls Platz sechs).

Dass Bledsoe ein großartiger Individualverteidiger sein könnte, wusste man schon zu seiner Zeit bei den L.A. Clippers. Ein Terrier auf dem Flügel alleine reicht aber natürlich nicht aus. Gut für Phoenix, dass Miles Plumlee einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat.

Plum Dog Millionaire

Der Sophomore kam vor der Saison aus Indiana, wo er in der letzten Saison sage und schreibe 55 Minuten auf dem Feld stand. Insgesamt. Dementsprechend schockierend sind seine Statistiken bisher: 11,7 Punkte, 9,6 Rebounds und 2,3 Blocks legt der 25-Jährige bisher pro Spiel auf. Gegen New Orleans' Anthony Davis etwa waren es am Sonntag 8 Punkte, 12 Rebounds und 5 Blocks.

"Plum Dog" ist außerdem ein intelligenter Help-Verteidiger und orchestriert die Defense der Suns als einziger "echter" Center erstaunlich gut. "Er kann sehr gut einschätzen, wann sich ein Blockversuch lohnt und wann nicht", sagt Hornacek über ihn.

Wie jede gute Defense lebt Phoenix hinten aber vom Teamwork: "Plumlee weiß, dass jemand seinen Mann übernimmt, wenn er versucht, einen Schuss zu blocken. Daher macht er das ohne zu zögern", so der Coach. Für eine Gruppe von Spielern, die erst so kurz zusammen sind, passen die Rotationen in Phoenix schon sehr gut zusammen.

Run, run, run

Neben Plumlee gehören auch Channing Frye und Markieff Morris bisher zu den 20 besten Spielern der Liga, wenn es darum geht, den Gegner zu miesen Wurfquoten am Korb zu zwingen. Auch beim Rebound arbeiten die Suns gut zusammen, auf dem Flügel werden die Gegner von Bledsoe, Gerald Green und P.J. Tucker unter Druck gesetzt.

Vorne leben die Suns bisher vor allem von ihrer Dynamik und dem Fastbreak. Bledsoe ist einer der schnellsten und athletischsten Spieler der Liga und damit wie gemacht für Tempo-Basketball. Im Setplay hingegen hat er noch seine Schwächen, was auch durch die 4,3 Turnover (Platz drei) pro Spiel deutlich wird.

Hier wird ihm mehr Erfahrung helfen, und auch die Rückkehr von Goran Dragic nach seiner Verletzungspause nimmt etwas Last von seinen Schultern. Vor der Saison war spekuliert worden, ob die beiden nebeneinander koexistieren könnten beziehungsweise ob Dragic bald getradet wird; von den vier Partien, die beide bisher auf dem Feld standen, haben die Suns allerdings drei gewonnen.

Sixth Man of the Year?

Bledsoe führt die Suns bisher mit 20,9 Punkten und 7,3 Assists pro Spiel an, die größte Story ist aber die Kandidatur von Markieff Morris für den Sixth-Man-Award. Der Power Forward liefert von der Bank bisher 17,2 Punkte und 6,8 Rebounds ab, sein Player Efficiency Rating bewegt sich mit 27,44 in All-Star-Sphären. In Sachen Wurfquote belegt er mit 62,7% Platz zwei in der Liga.

Von dieser wurde er jetzt dementsprechend als "Western Conference Player of the Week" ausgezeichnet. In drei aufeinanderfolgenden Spielen traf er unfassbare 30 von 38 Würfen aus dem Feld - über seine Karriere gesehen waren es bisher gerade einmal 41,7 FG%.

Morris, der in seinen ersten NBA-Jahren konstant unkonstant auftrat, besinnt sich endlich auf seine Stärken und spielt näher am Korb, anstatt sich auf seinen wackligen Distanzwurf zu verlassen. Bisher sprechen die Ergebnisse für sich.

Team der Abgeschriebenen

Er führt eine Bank an, die bisher zu den stärksten der Liga gehört. "Normalerweise sollen deine Bankspieler den Startern Pausen verschaffen, ohne die Führung zu verspielen", sagt Hornacek, "aber diese Jungs wollen die Führung vergrößern. Sie wollen uns in Spiele zurückbringen. Sie haben uns bisher sehr viel Energie und Leben gebracht."

Vor allem Markieff und sein Zwillingsbruder Marcus Morris sowie Green zeichnen sich von der Bank kommend aus. Sie sind nur drei der Suns-Spieler, die schon nahezu abgeschrieben waren und jetzt Leistungsträger sind: P.J. Tucker und Channing Frye dürfen sogar starten.

Selbst in ihren wildesten Träumen werden sich die Suns einen solchen Start nicht ausgemalt haben. Ein Teil ihres Erfolgs lässt sich wohl dadurch erklären, dass sich viele Teams noch finden müssen und dass niemand mit einem derart energisch auftretenden Gegner in Arizona gerechnet hätte. Mit der Zeit werden sich die Teams schon besser auf Phoenix einstellen können.

Tanken? Nein danke

Trotzdem haben Bledsoe und Co. für eine interessante Erkenntnis in der jungen Saison gesorgt: Die Suns haben keine Lust auf Tanken für die Lottery und werden sich nicht einfach kampflos geschlagen geben; sogar die Niederlagen gegen zwei absolute Top-Teams (Spurs und Thunder) waren bis zum Ende knapp.

Übrigens lässt sich über die Philadelphia 76ers ähnliches sagen, die momentan auch auf einem Playoff-Platz stehen. Hätte man mal das Over genommen.

Die Phoenix Suns im Überblick

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