LIVE-STREAM: Clippers - Pacers, So. um 21.30 Uhr

"Born Ready" ist endlich bereit

Von Stefan Petri
Samstag, 30.11.2013 | 17:02 Uhr
Lance Stephenson
© getty
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Von den Straßen Coney Islands in die Arenen der NBA: Wie sich Lance Stephenson allen Umständen zum Trotz in die NBA kämpfte, seine Mitmenschen dabei in den Wahnsinn trieb - und wie ihn der "Basketball Jesus" rettete. Am Sonntag trifft Stephenson mit seinen Indiana Pacers im Staples Center auf die Los Angeles Clippers (21.30 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE).

Playoffs 2012, Conference Semifinals: LeBron James geht gegen die Pacers an die Linie. An der Seitenlinie steht Lance Stephenson, zu dieser Zeit noch ein 21 Jahre alter Bankdrücker im Team von Frank Vogel. Er legt sich beide Hände um den eigenen Hals: choke! LeBron verwirft, Stephenson macht Schlagzeilen.

"Lance Stephenson? Ihr wollt ein Zitat zu Lance Stephenson? Soviel Zeit ist er mir gar nicht wert", giftet James danach - und legt im nächsten Spiel 40 Punkte, 18 Rebounds und 9 Assists auf. Und Stephenson? DNP, Coach's decision. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt: Die Heat gewinnen die Serie in 6 und holen später den Titel.

"Zuerst hatte ich Angst, dann wurde ich tough"

Es ist eine der vielen kleinen - und größeren - Eskapaden in der Laufbahn eines Supertalents aus Coney Island im Süden von Brooklyn: Lance Stephenson wächst dort auf, ein abgewracktes Viertel, voll von Drogendealern und -abhängigen, von Obdachlosen und Suppenküchen. "Das war schon echt hart", erinnert er sich, und erzählt von Einschusslöchern und Cracksüchtigen. "Zuerst hatte ich Angst, aber dann wurde ich tough."

In einem solchen Umfeld reift er zum NBA-Talent heran: Getriezt, aber auch geschützt von seinem Vater Lance Senior, der ihn am frühen Morgen Treppen heraufrennen lässt und mit dem Kleinen Liegestütz-Duelle austrägt. So wird aus Lance ein Baller, der sich, Gleichaltrigen physisch längst weit überlegen, immer mit den Besten messen will.

So wird er auch zum Phänomen auf den Streetcourts im Big Apple, misst sich als Viertklässler mit Achtklässlern, in der Folge auch mit dem fünf Jahre älteren und späteren NBA-Profi Sebastian Telfair, selbst längst auf dem Weg in die beste Basketball-Liga der Welt. Und weicht nie zurück: "Wenn mir jemand vor die Nase gesetzt wurde, dann habe ich ihn attackiert", erzählt Stephenson. "Ich hatte das Gefühl, dass ich dem Hype gerecht werde."

Aus Stephenson wird "Born Ready"

Der Hype ist groß, das ist er immer in New York. Die Stadt verehrt seine Basketball-Talente. Gesund ist das nicht, so manche große Karriere geht schon in ihren Anfängen ein, weil es an Demut und Realismus fehlt. An der Bereitschaft, dazuzulernen, sich unterzuordnen. "Born ready" tauft ihn ein Kommentator im berühmten Rucker Park, da ist er kaum 16 Jahre alt. "Bereit geboren", für Basketball, die NBA, eine große Karriere. Viel mehr Hype geht nicht.

Auf der Lincoln High School treibt er seinen Coach Dwayne "Tiny" Norton fast in den Wahnsinn. "Lance, wir haben gerade über den Spielzug gesprochen, aber du hast trotzdem etwas völlig anderes gespielt." "Coach, wenn ich da rausgehe und meinen Groove finde, dann vergesse ich die Plays. Gib mir einfach den Ball und ich werde punkten." Er bekommt den Ball, gewinnt gleich viermal die Stadtmeisterschaft, stellt Rekorde auf. Danach hängt Norton seinen Job beinahe an den Nagel: "Ich war einfach müde und brauchte eine Pause. Ich war platt."

Richtig dumme Fehler

Von Drogen und Gangs wird Stephenson von seinen Eltern ferngehalten, aber meistens sind Stärken bekanntlich auch Schwächen. Born ready. Nie zurückweichen, immer im Angriffsmodus, immer mitten in die Fresse rein. Nach einem Kampf mit einem Mitspieler wird er 2008 für fünf Spiele gesperrt, im gleichen Jahr begrapscht er eine Schülerin und wird festgenommen. "Ich habe richtig dumme Fehler gemacht und bereue es, aber gleichzeitig habe ich daraus gelernt", meint er zurückblickend.

Aber in den Front Offices der NBA schrillen trotzdem die Alarmglocken: Lottery-Talent ja, aber mit der Attidüde im Gepäck...? Erst als 40. Pick geht er 2010 vom Board, zu den Indiana Pacers. Ausgerechnet Indy: Das Team hatte nach dem "Malice in the Palace" 2004 viele Jahre gebraucht, um den Locker Room auszumerzen und das eigene Image wieder zu korrigieren. Und jetzt ein Heißsporn, der sich nicht coachen lässt und mit seinen Mitspielern nicht klarkommt?

Stephenson unterschreibt für vier Jahre, aber seine Karriere gerät schon vor dem ersten Tip-Off in Gefahr: Im August 2010 wird er beschuldigt, seine Freundin im Streit die Treppe heruntergestoßen zu haben. Er bestreitet es, die Anklage wird am Ende fallengelassen. Trotzdem führt der Vorfall zu einer Pressemitteilung von President Larry Bird, in der ihm die Leviten gelesen werden.

Zweifel an der NBA-Karriere

"Born ready" ist er in der NBA nicht - im Gegenteil. "Lance wurde von klein auf eingeimpft, er sei die größte Entdeckung seit geschnitten Brot", sagt sein Onkel Corey Ridges. "Es hat nicht lange gedauert, bis er gemerkt hat, dass er nicht länger der Beste war." "Auf der High School habe ich alle rumgeschubst", erklärt Stephenson selbst seine Entwicklung im Mai 2013. "In der NBA sind alle so groß wie ich und körperlich stark. Deshalb muss man clever sein und darf nichts erzwingen. Das musste ich erst lernen."

Und er muss lernen, mit seinen Teamkollegen auszukommen, die mit dem arrogant auftretenden Trashtalker ihre liebe Müh und Not haben. "Ich habe immer gedacht, dass ich der Größte bin und wollte mir nichts sagen lassen. Wenn jemand auf dem Court sagte: 'Geh da rüber in die Ecke', dann sagte ich: 'Geh du doch rüber in die Ecke'", erinnert sich ein mittlerweile geläuterter Stephenson, "alle haben mir gesagt, was ich tun soll, und das hat mir nicht gefallen." "Ich hatte Zweifel daran, dass er es schafft", wird Pacers-Star Paul George später zugeben.

Zwölf Spiele macht "Born ready" im ersten Jahr für die Pacers, und auch im zweiten Jahr ist er im Powerhouse der Eastern Conference nur für knapp zehn Minuten pro Spiel gut. Dass es überhaupt weitergeht für Stephenson, ist vor allem das Verdienst von Bird.

Gerettet vom Basketball-Jesus

"Larry Legend" sieht hinter die Fassade, sieht den Ehrgeiz und den Hunger nach Erfolg im kaum Volljährigen - und wird zu seinem stärksten Befürworter. Er spricht mit ihm mehrmals pro Monat, sie schreiben sich SMS, er motiviert ihn und fordert gegenüber Vogel mehr Spielzeit für den Bankdrücker. "Ich schulde Larry Bird so viel. Er hat an mich geglaubt, mir das Selbstvertrauen gegeben, dass ich es in dieser Liga schaffen kann", schwärmt Stephenson gegenüber "Yahoo Sports".

Es dauert trotzdem, bis "Born Ready" endlich bereit ist. "Ganz ehrlich, als Lance hier ankam war er ein (zensiert), das könnt ihr gerne drucken", schmunzelt Center Roy Hibbert . Nachdem sich der Shooting Guard mit LeBron anlegt, redet ihm Big Man Jeff Foster, der seine 13 Jahre in der Liga vor allem harter Arbeit zu verdanken hat, eindringlich ins Gewissen: "Ich habe ihn in eine Ecke genommen und ihm gesagt, dass er entscheiden muss, wo es hingehen soll: Ob er 13 oder 14 Jahre in der Liga spielen und einen Haufen Geld verdienen will, oder ob er mit 30 zurückblickt und alles bereut."

Dank Bird und Foster kriegt Stephenson endlich die Kurve. Im Herbst 2012 profitiert er davon, dass sich Teamkollege Danny Granger schwer verletzt: 78 Spiele macht er, 72 davon in der Startformation, seine Stats explodieren. In der laufenden Saison (12,9 Punkte, 6,6 Rebounds, 5,2 Assists pro Spiel) zeigt er mehr und mehr Spielmacher-Qualitäten, holt sogar zwei Triple-Doubles - und will endlich nicht immer mit dem Kopf durch die Wand.

Ein Rest "Born Ready" bleibt

"Ich habe meinen Street-Ball-Stil etwas zurückgefahren", lächelt er, früher noch als One-Man-Fastbreak verschrien. "Den einen oder anderen Trick versuche ich immer noch, aber jetzt gestalte ich mein Spiel etwas einfacher." Zusammen mit seiner knüppelharten Defense und dem verbesserten Wurf von außen (38,5 Prozent Dreier) ist er endlich das volle Paket. Indiana hat die beste Bilanz im Osten (15-1), die Fans warten schon angstvoll, ob der neue Stephenson für die Pacers überhaupt noch bezahlbar sein wird.

Aber der kündigte schon an, unbedingt im Fieldhouse in Indianapolis bleiben zu wollen: Ein starkes Team, eine Legende im Rücken, von den Fans geliebt. Und mit den Kollegen versteht er sich mittlerweile so gut, dass Hibbert kürzlich anbot, eine Geldstrafe für ihn zu zahlen: "Er ist von seinem alten Ich Lichtjahre entfernt."

Ist also nichts mehr übrig vom Streetballer aus Coney Island? Nicht ganz. "Manchmal fällt er noch zurück in alte 'Born Ready'-Zeiten", verrät George. "Aber das ist okay so." Und James? Der kennt ihn mittlerweile auch: "Ich liebe Herausforderungen."

Lance Stephenson im Steckbrief

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