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Miami und seine Point Guards

Von wegen Problemposition!

Von Philipp Dornhegge
Samstag, 27.04.2013 | 15:22 Uhr
Die Point Guards Mario Chalmers und Norris Cole übernehmen bei den Miami Heat wichtige Rollen
© getty
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Die Miami Heat stehen kurz vor einem Sweep der Milwaukee Bucks. Am Sonntag kommt es zum vielleicht letzten Spiel für den Meister in der ersten Playoff-Runde. Und während LeBron James und Dwyane Wade einmal mehr die Hauptrollen spielen werden, sollte man nicht die Wichtigkeit der Rollenspieler unterschätzen. Vor allem nicht die der Point Guards Mario Chalmers und Norris Cole.

Die Miami Heat waren nach leichtem Stotterstart durch die Regular Season gerauscht, die erste Playoff-Runde bescherte dem Meister ein Matchup, über das LeBron James, Dwyane Wade und Co. nur lachen können.

Drei Partien sind gespielt, drei Siege eingefahren. Am kommenden Sonntag (21.30 im LIVE-STREAM bei SPOX) soll im Bradley Center zu Milwaukee der vierte - und finale - Streich folgen.

Es läuft einfach für die Heat. Und dennoch gibt es auch bei der Startruppe Dinge, die immer wieder diskutiert werden. Würde man den öffentlichen Diskussionen glauben, man würde die Point-Guard-Position für DEN Schwachpunkt halten.

Dabei hat sich in den vergangenen Wochen zunehmend gezeigt: Vielleicht sind Mario Chalmers und Norris Cole auch DIE X-Faktoren in Miamis Spiel. Denn so viel steht fest: Spielen beide Einser auf hohem Niveau, ist Miami - das ohnehin schwer zu besiegen ist - nahezu unschlagbar.

Chalmers: eine vermeintliche Verlegenheitslösung

Dabei schien Chalmers zunächst nur eine Verlegenheitslösung zu sein, als er 2008 in der zweiten Runde als 34. Pick gedraftet wurde. Eine Position, an der man nur alle Jubeljahre einen brauchbaren NBA-Spieler erwischt.

Zum Glück für Chalmers war seinerzeit an der Seite eines Dwyane Wade kein klassischer Spielmacher oder gar Franchise Player gefragt, denn meist war Wade derjenige, der den Ball in den Händen hielt.

Miami brauchte vor allem einen soliden Spieler, der taktisch einiges drauf hat und seine offenen Würfe trifft. Da Chalmers gerade mit den Kansas Jayhawks den College-Titel gewonnen hatte, jahrelang von Bill Self gelernt hatte und im NCAA Tournament wiederholt als Clutch-Shooter aufgefallen war, erfüllte Chalmers das Anforderungsprofil perfekt.

Chalmers war von Anfang an ein verlässlicher Partner Wades im Backcourt, in der öffentlichen Wahrnehmung ist er aber spätestens seit 2010 eher Bürde als Gewinn für die Heat.

Clutch-Shooter und Prügelknabe

Seit LeBron James und Chris Bosh nach South Beach kamen, ist Chalmers nämlich zu einer Art Prügelknabe für die drei Stars mutiert, der immer dann einen gehörigen Einlauf bekommt, wenn es im Spiel der Heat hakt.

Chalmers gilt vielen als zu nonchalant und gleichgültig, was sich besonders in der Defense bemerkbar mache - wo er in Bestform eine absolute Bereicherung sein kann. In der Offense sei er oftmals zu wenig entschlossen.

Dabei zeigt sich immer wieder, zu was Chalmers fähig ist, wenn er gebraucht wird. In den letztjährigen Playoffs war er bei der zweiten Pleite gegen Indiana der einzige Akteur, der sich gegen die Niederlage wehrte.

Bei den jeweils richtungsweisenden Siegen über Boston (Spiel 2) und Oklahoma City (Spiel 4) gehörte er zu den tragenden Säulen im Team. In der Postseason 2012 spielte er im Schnitt 35,6 Minuten - ein deutlicher Vertrauensbeweis des Trainers. Genau wie die Vertragsverlängerung über drei Jahre und 12 Millionen Dollar, die Chalmers in der Offseason erhielt.

Meisterschaftskater und Verletzungen

Chalmers größter Trumpf ist und bleibt seine Kaltschnäuzigkeit. Ja, er macht oft den Eindruck, als würden ihn die Geschehnisse auf dem Court nichts angehen. Aber genau das ist es vielleicht, was ihn bei wichtigen Würfen so abgebrüht wirken lässt.

Für Kansas traf er 2008 im NCAA-Finale 2,1 Sekunden vor Schluss einen Dreier gegen Memphis, mit dem er die Jayhawks in die Overtime rettete.

Auch für die Heat hat er schon wichtige Würfe getroffen. Läuft die Uhr gnadenlos gen Null, so hat man nie das Gefühl, dass Chalmers eine schlechte Option für den letzten Wurf sein könnte.

In dieser Saison konnte er seine Qualitäten freilich noch nicht so unter Beweis stellen, auch wenn seine Werte (8,6 Punkte, 1,5 TO) nur knapp unter bzw. sogar deutlich über denen der Vorsaison liegen. Wie viele andere schlug sich der 1,88-Meter-Mann, der gebürtig aus Alaska kommt, mit einem erheblichen Meisterschaftskater herum.

Cole spielt sich ins Rampenlicht

Zum Saisonende hatte er immer wieder Probleme mit dem Knöchel. Und er hat inzwischen Konkurrenz aus den eigenen Reihen bekommen. Denn mit Norris Cole spielt sich der zweite Point Guard der Heat gerade im Eiltempo in die Herzen der Fans.

Der 24-jährige Cole bringt wie Chalmers eine 1,88-Meter-Statur mit, ist ansonsten aber praktisch die Antithese zu seinem "Vorgesetzten". Cole ist pfeilschnell und drückt auf dem Court permanent auf Gaspedal.

Spielt Chalmers grundsolide und wartet er auf seine Chancen, liebt Cole das Chaos. Seine Defense ist für den Gegner nervtötend, er wächst besonders an Herausforderungen wie Tony Parker oder Chris Paul. "Damit verkörpert er quasi unsere Identität", lobt Spoelstra seinen Schützling. "Wir sind ein Team, das den Gegner stört und zu Fehlern zwingt."

Barea ein Fan von Coles Spielweise

Genau das hatten sich die Heat erhofft, als sie den Minnesota Timberwolves die Rechte am 28. Pick im Draft 2011 abkauften, die diese zuvor von Chicago erworben hatten. Für Cleveland State machte er in seiner vierten und letzten Saison 21,7 Punkte im Schnitt, Scouts waren sich sicher, dass Cole ein Mann für die NBA sein würde.

Und sie hatten sich nicht getäuscht. Bereits im ersten Heimspiel für Miami überzeugte er mit 14 Punkten im letzten Viertel und war damit Garant für den Sieg über die Boston Celtics. Cole spielte sich in den vergangenen zwei Saisons immer tiefer in die Rotation des Meisters, aus der er inzwischen gar nicht mehr wegzudenken ist.

Während Chalmers gegen Saisonende Probleme hatte, nutzte Cole die Chance, weitere Pluspunkte zu sammeln. Im Dezember bemerkte Timberwolf J.J. Barea nach einem direkten Duell: "Ich mag Coles Spielweise. Er ist schnell und zäh, und er wird von Coach Spo gut eingesetzt."

In der Serie gegen Milwaukee werden die verfügbaren Point-Guard-Minuten fast zu gleichen Teilen auf Cole und Chalmers aufgeteilt, schlecht ist das aber für beide nicht.

Spoelstra: "Wollen 48 produktive Minuten"

Und schon gar nicht für Miami, dass in der Starting Five nach wie vor einen soliden Mann hat, von der Bank aber stets einen Energizer bringen kann, der die Mannschaft antreibt.

In Spiel 2 war es Cole an der Seite von Chris Andersen, der dem bis dahin müden Auftritt des klaren Favoriten im dritten Viertel Feuer verlieh, Milwaukee förmlich überrannte und das Spiel zugunsten seiner Mannschaft drehte.

Chalmers wiederum steht trotz aller Kritik kurz davor, Tim Hardaway den Rekord für die meisten Dreier in der Playoff-Geschichte der Heat wegzuschnappen. Hardaway hat 80 seiner 110 Dreier in den Playoffs für Miami versenkt, Chalmers steht bei 79.

Schon am Sonntag könnte es also so weit sein. Ob dann Chalmers oder Cole den Löwenanteil der Minuten bekommen, entscheidet sich spontan. "Wir wollen einfach 48 produktive Minuten von unseren Point Guards bekommen", so Spoelstra. "Beide Jungs sind smart genug zu verstehen, dass sich die Einsatzzeiten von Spiel zu Spiel ändern können."

Cole: "Muss noch viel lernen"

Aber, und das macht die Situation für alle Beteiligten umso leichter: Cole hat ohnehin keine Ambitionen, Chalmers die Rolle als Starter streitig zu machen.

"Ich muss sicher noch viel lernen", sagt Cole in aller Bescheidenheit. "Von der Bank kann ich meine Stärken ausspielen, kann Tempo machen und unserem Spiel neue Energie verleihen."

Und so haben beide Spieler ihren Platz in Miamis Team sicher. Für die Fans der Heat ist es letztlich nur eine Frage des Geschmacks, ob sie eher Mario Chalmers oder doch Norris Cole mögen.

Der amtierende Meister und Coach Spoelstra sind froh, beide zu haben.

Der Playoff-Spielplan im Überblick

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