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MLB: Sollten die Washington Nationals Superstar Bryce Harper traden?

Bryce Harper hat bisher seine ganze Karriere für die Washington Nationals gespielt.
© getty

Am Dienstag um 22 Uhr (MESZ) ist die Non-Waiver Trade Deadline in der MLB. Bis dahin brodelt die Gerüchteküche und Teams werden versuchen, die letzten Trades durchzuführen. Ein Spieler, der dabei besonders im Fokus steht, ist Bryce Harper. Doch macht ein Trade des Superstars der Washington Nationals überhaupt Sinn?

Die Non-Waiver Trade Deadline der MLB steht buchstäblich vor der Tür. In wenigen Stunden geht nichts mehr - auf normalem Wege jedenfalls - auf dem Trade-Markt. Entsprechend groß ist die Dringlichkeit der Teams, ihre Kader für den Rest der Saison festzuzurren.

Das gilt sowohl für die Top-Teams wie die Red Sox, Yankees und Astros als auch für Teams wie die Twins und Angels, die scheinbar allmählich die Hoffnung auf die Playoffs in diesem Jahr aufgeben.

Ein Team, das extrem in der Zwickmühle steckt, sind dabei die Washington Nationals, die entscheiden müssen, ob sich nun ein "Contender oder Pretender" sind, wie es Yankees-GM Brian Cashman vor zwei Jahren so treffend formulierte.

Entsprechend ranken sich nun die Gerüchte um Superstar Bryce Harper, der noch dazu im Winter Free Agent wird. Neuesten Meldungen zufolge haben die Nationals die Konkurrenz "wissen lassen", dass Harper verfügbar wäre.

Nun soll hier nicht debattiert werden, ob an diesen Gerüchten etwas dran ist, schließlich sollte man dieser Tage nichts glauben, was nicht offiziell verkündet wurde. Vielmehr geht es darum zu eruieren, ob die Nationals Harper tatsächlich traden sollten.

National League East: Washington Nationals mit Abstand zur Spitze

Einer der Hauptgründe, warum ein solcher Trade sinnvoll wäre, ist die Tabelle. Aktuell liegen die Nationals mit einer negativen Bilanz von 52-53 auf dem dritten Rang in der National League East - 5,5 Spiele hinter Spitzenreiter Philadelphia, 5 hinter den Braves. Der Abstand auf die zweite Wildcard beträgt indes ebenfalls 5,5 Spiele mit dem zusätzlichen Problem, dass dort noch fünf Teams zwischen ihnen und den Brewers liegen.

Freilich sind das noch keine Abstände, die uneinholbar scheinen, schließlich kann es im Baseball sehr schnell gehen, speziell mit noch zahlreichen ausstehenden Direktduellen mit Philly und Atlanta. Aber wenn der bisherige Saisonverlauf irgendein Indikator ist, dann fehlt es den Nationals einfach an nötiger Konstanz. Laut Fangraphs liegt ihre Wahrscheinlichkeit, die Playoffs zu erreichen, nur noch bei 42,5 Prozent.

TeamSiegeNiederlagenSiegquoteGames behind
Phillies5846.547-
Braves5647.5440,5
Nationals5253.4955,5
Mets4459.42712,5
Marlins4662.42613

Doch tradet man seinen Superstar? Zahlreiche Teams tun sich mit so einer Entscheidung äußerst schwer. Die regionalen Nachbarn der Nats, die Orioles, machten den Machado-Trade zu den Dodgers erst kurz nach dem All-Star Game und das auch eher widerwillig. Letztlich war deren sportliche Situation aber so viel schlechter als die in der Hauptstadt, dass dieser Vergleich ein unfairer ist.

Harper war jahrelang das Gesicht dieser Franchise, General Manager Mike Rizzo hängt nach eigener Auskunft sehr an seinem Schützling und auch die Lerner-Familie, die Besitzer der Nationals, hat Harper liebgewonnen. Bei einem solchen Trade müsste also eine gehörige Hemmschwelle überwunden werden.

Bryce Harper: Bekommen die Washington Nationals ein Monster-Angebot?

Um dies zu tun würde freilich ein Monster-Angebot helfen. Ein Angebot, das die Nationals nicht ablehnen könnten. Doch wer ist gewillt ein solches abzugeben für einen Spieler, der in dieser Saison nicht unbedingt Topniveau zeigt (121 OPS+ - Karriereschnitt: 138)? Und ein Spieler, der am Ende des Jahres Free Agent wird?

Das wiederum aber sollte die Nationals durchaus motivieren, den Deal zu machen. Schon deshalb, weil ein Abgang des Superstars im Winter gar nicht so unwahrscheinlich ist. Sein Agent heißt Scott Boras und der ist berüchtigt dafür, epische Bieterwettbewerbe aufzuziehen und den letzten Cent für seine Klienten rauszuholen. Wer ihn als Agenten engagiert, gewehrt Bietern eher keinen "Hometown-Discount", der Höchstbietende wird bevorzugt. Selbst wenn die Nats also Harper nun traden, dürfte das ihre Chancen auf einen langfristigen (Mega-)Deal im Winter nicht großartig verändern ...

Aus diesem Blickwinkel müssen sich die Nationals fragen, ob sie Harper über diese Saison hinaus überhaupt halten können und wollen. Ist die Antwort darauf nein, dann sollte ein Trade angestrebt werden, schließlich ist nun die letzte Chance, eine angemessene Kompensation für ihn zu erhalten. Hält man ihn bis Saisonende und unterbreitet das Qualifying Offer, das er logischerweise ablehnen wird, bekäme man bestenfalls einen Zweitrundenpick im nächsten Draft als Entschädigung.

Das alles unter der Prämisse, dass die Nationals für 2018 die Flinte ins Korn werfen und nicht weiter darauf hoffen, dass sich gerade Harper enorm in den letzten zwei Monaten der Saison steigert.

MLB: Washington Nationals starteten als Favorit in die Saison

Diese Flinte jedoch wiegt schwer, denn die Nationals sind als einer der Topfavoriten in die Saison gestartet. Ihr Kader ist erstklassig und wurde mit der Ankunft von Rookie-Outfielder Juan Soto sogar nochmal glänzend verstärkt. Hinzu kommt mit Max Scherzer der wohl klare Favorit auf den diesjährigen Cy Young Award, den er damit schon zum dritten Mal in Serie gewonnen hätte. Qualität pur für einen langen Playoff-Run.

Zur Erinnerung: Vor der Saison war das Hauptthema in D.C. die Frage, wie man den inneren Schweinehund überwinden und erstmals überhaupt die erste Playoff-Runde überstehen könne. Nun erscheinen derartige Überlegungen in weiter Ferne. Ein Harper-Trade wäre also wohl auch ein Eingeständnis des eigenen Versagens.

Geht man jedoch historisch an die Entscheidungsfindung heran, dann lohnt ein Blick ins Jahr 2004. Die Boston Red Sox, die letztlich die World Series gewannen, begannen das Jahr solide, aber nicht wirklich meisterlich. Sie erkannten dann, dass ein Playoff-Run in der vorherrschenden Verfassung nicht möglich gewesen wäre und zogen die Reißleine.

Die Red Sox taten das Undenkbare und trennten sich von ihrem Star-Shortstop Nomar Garciaparra, der seinerzeit in einem Atemzug mit Derek Jeter und Alex Rodriguez genannt wurde. Nomar musste gehen und für ihn kamen Shortstop Orlando Cabrera und First Baseman Doug Mintkiewicz.

Washington Nationals: Kader-Rekalibrierung nach Vorbild der Boston Red Sox?

Beides keine herausragenden Namen, aber Leute, die Qualitäten mitbrachten, die Defizite in Boston beseitigten - defensive Defizite! Cabrera war ein viel besserer Verteidiger als Nomar und Mintkiewicz war ohnehin eine defensive Bank an der ersten Base.

Würden die Nationals nun Harper traden, könnte dies ein Signal ans restliche Team sein, ebenso ein enormes defensives Upgrade. Harper muss derzeit vermehrt im Center Field spielen, obwohl er eigentlich im Right Field zuhause ist. Nun gibt es nicht wenige, die hier eine Besetzung mit Michael A. Taylor oder dem hochveranlagten Rookie Victor Robles als effektiver empfinden würden.

Gleichzeitig könnte man vielleicht sogar andere Baustellen im Kader schließen, wenn ein Monster-Trade zustande käme. Die Nationals brauchen zum Beispiel dringend einen neuen Catcher und der Trade-Markt ist nicht eben gesegnet mit einer Fülle an solchen.

Ein Harper-Trade könnte Sinn machen, ohne das weiße Handtuch zu wedeln, wenn man ihn nutzt, um eine Kader-Rekalibrierung durchzuführen wie einst in Boston. Und wer weiß, vielleicht ist ein solcher Schritt die einzige Chance für Washington, diese Saison noch zu retten.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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