Mittwoch, 02.04.2008

Olaf Kölzig exklusiv

"Ich war und bin sauer"

München - Olaf Kölzig ist ein Phänomen. Seit seinem ersten Tag im Profisport im Jahr 1989 trägt er das Trikot der Washington Capitals.

Kölzig, Washington
© Getty

Nach dem 4:1-Heimerfolg gegen die Carolina Hurricanes hoffen die Hauptstädter auf den ersten Playoff-Einzug seit fünf Jahren. Für Kölzig ist es allerdings eine harte Saison, ist der 37-Jährige in Washington doch nur noch zweite Wahl.

"Ich war und bin sauer", sagt Kölzig im Gespräch mit SPOX.com über die überraschende Verpflichtung seines Konkurrenten Cristobal Huet.

Im SPOX-Interview spricht "Olie the Goalie" über seinen autistischen Sohn, Alexander Owetschkin, Ausraster auf dem Eis und verrät: "Ich werde wohl nicht für Deutschland bei der WM spielen."

SPOX.com: Herr Kölzig, Ihr Team ist ganz nah dran am Erreichen der Playoffs in der NHL. Das muss eine sehr spannende Zeit für Sie sein.

Olaf Kölzig: Es ist eine unglaublich tolle Zeit. Wenn ich überlege, wo wir noch im November standen - nämlich mit dem Rücken zur Wand. Und heute sind wir ganz nah dran an den Playoffs. Seit einigen Wochen hat jede Partie für uns bereits Playoff-Charakter. Und von den kommenden drei Spielen ist jedes ein echtes Endspiel für uns. Wir sind so nah dran und doch noch so weit weg. Sollten wir das Unmögliche möglich machen, sind wir ein ganz gefährliches Playoff-Team. Ich denke, niemand möchte dann gern gegen uns spielen.

SPOX: Die Caps waren zuletzt 2003 in den Playoffs. Wie wichtig wäre diese Teilnahme für das Team und die Fans?

Kölzig: Wir haben hier vor einigen Jahren einen richtigen Umbruch eingeleitet und gehörten in den vergangenen Spielzeiten somit nicht zu den guten Teams. Doch die jungen Spieler haben sich etabliert, wir haben im Sommer einige erfahrene Cracks dazugeholt und sind mit der Zielstellung, die Playoffs anzugreifen, in die Saison gegangen. Auch für die Fans, die mit uns durch diese schweren Zeiten gegangen sind, wäre dies ein echter Meilenstein. Natürlich liegt es nicht allein an uns. Selbst wenn wir die verbleibenden Spiele gewinnen, Boston oder Philadelphia müssen noch straucheln. Für die NHL wäre es auf jeden Fall eine große Sache. Alex Owetschkin in den Playoffs, das würde der Liga solch einen Schub geben. Wenn er jeden Abend landesweit im Fernsehen zu sehen sein würde, dass wäre wichtig für die NHL.

Olaf Kölzig spielt seit 1989 für die Washington Capitals.
Olaf Kölzig spielt seit 1989 für die Washington Capitals.
© Getty

SPOX: Wie weit kann der Weg der Capitals gehen?

Kölzig: Niemand möchte gern gegen ein Team spielen, dass in jeder Begegnung ums nackte Überleben gekämpft hat, um die Playoffs zu erreichen. Denn solche Teams sind mental unheimlich stark. Und wir sind solch ein Team. Ich denke, wir könnten sogar den Stanley Cup gewinnen. Und wenn nicht in diesem Jahr, dann doch sicher in den kommenden zwei Jahren.

SPOX: Erzählen Sie uns etwas mehr über Alexander Owetschkin.

Kölzig: Ich bin froh, dass er auf meiner Seite ist. Ich sehe ja jeden Tag im Training, was er für unglaubliche Dinge drauf hat. Spieler wie Alex gibt es nur ganz selten. Solche Ausnahmetalente sind rar gesät. Ich denke auch, er sollte zum MVP der Saison (wertvollster Spieler; Anm.d.Red.) gekürt werden. Er hat über 60 Tore erzielt und ohne ihn wären wir nicht da, wo wir jetzt sind.

SPOX: Vor zwei Jahren unterschrieben Sie einen neuen Vertrag in Washington. Sie hätten auch zu einem Team mit mehr Talent gehen können. Warum blieben Sie den Caps dennoch treu?

Kölzig: Ich mochte, was ich sah. Die jungen Spieler um mich herum machten Mut. Ich mochte die Richtung, in die der Verein ging und noch immer geht. Außerdem fühle ich mich hier pudelwohl. Ich wollte bei dem Team bleiben, dass mir einst die Chance gegeben hat, in der NHL zu spielen.

SPOX: Nicht viele Sportler bleiben ihre komplette Karriere bei ein und demselben Team. Wie wichtig ist diese Tatsache für Sie?

Kölzig: Es ist mir wichtig. Doch leider weiß ich gar nicht, ob ich meine Laufbahn wirklich hier beenden werde. Gern würde ich das am Ende meiner Karriere sagen können, doch im Sommer, wenn es für mich um einen neuen Vertrag geht, werden wir sehen, ob mein Traum Realität wird.

SPOX: Wie lange wollen und können Sie denn noch spielen?

Kölzig: Auf jeden Fall länger, als das manch einer in der NHL zu glauben scheint. Zwei Jahre, vielleicht auch drei. Meine Statistiken in dieser Saison sind nicht berauschend, doch ich weiß, dass ich auch weiterhin ein Nummer-eins-Goalie in der NHL sein kann und will.

SPOX: Mit anderen Worten, Sie wissen nicht, wie es nach Saisonende weitergeht?

Kölzig: Nein. Ich werde mich mit meiner Familie beraten. Wenn meine Familie denkt, ich sollte die Schlittschuhe an den Nagel hängen, dann werde ich das tun, um mehr für meine Frau und meine drei Kinder da sein zu können. Wenn meine Frau meint, ich solle weiterspielen, dann schauen wir mal, was der Markt so hergibt.

SPOX: Am Ende der Transferperiode verpflichteten der Verein überraschend Cristobal Huet von den Montreal Canadiens. Seither stehen Sie nur noch selten zwischen den Pfosten. Wie gehen Sie damit um?

Kölzig: Ich war und bin sauer. Doch nicht auf Cristobal. Er ist ein netter Kerl und wir verstehen uns sehr gut. Mein Ärger richtet sich vielmehr gegen diejenigen, die den Trade vollzogen haben. Mein Spiel hat sich in den vergangenen Wochen stark verbessert. Und urplötzlich, in der heißen Phase der Saison, kommt da ein Neuer ins Team. Und wenn man in die Playoffs will, und das tut, dann setzt man doch klare Zeichen. Ich bin heute noch viel verärgerter darüber als vor einigen Wochen.

SPOX: Natürlich ist Sport auch immer ein Geschäft. Doch vor zwei Jahren war der Klub dankbar, dass Sie ihm die Treue gehalten haben, und jetzt setzt er Ihnen einen Konkurrenten vor die Nase.

Kölzig: Ich muss ehrlich sagen, dass ich trotz allem voll und ganz hinter der Mannschaft stehe. Wir sind zu nah dran an unserem Ziel, als dass ich nur über mich nachdenken will. Natürlich tut es weh. Zudem bin ich nicht bereit, meine Karriere als zweiter Mann ausklingen zu lassen. Ich bin auch niemand, der nur ab und an spielen kann. Ich brauche meinen Rhythmus. Ich habe immer viele, sehr viele Spiele in einer Saison absolviert. Doch wir gewinnen Spiel für Spiel - auch mit Cristobal. Und wenn es so sein soll, und wir am Ende die Playoffs erreichen, dann soll es eben so sein. Wer weiß, vielleicht ist dies ja das Jahr, in dem wir endlich den Stanley Cup gewinnen.

SPOX: Sie werden am Sonntag 38 Jahre alt. Wie haben Sie es geschafft, so viele Jahre in Form zu bleiben?

Kölzig: Ich war immer stolz darauf, sagen zu können, dass ich eine hervorragende Einstellung zu meiner Arbeit habe. Und dazu zählt nun auch einmal hartes Training. Doch ich gebe zu, dass es mittlerweile eine echte Schufterei ist, im Sommer in Form zu kommen. Ich muss beinahe doppelt so viel und so hart arbeiten, wie das vor zehn Jahren der Fall war. Aber ich tue es gern. Ich möchte nicht nach meiner Karriere zurückschauen und sagen: "Hätte ich doch im Sommer ein wenig härter gearbeitet, ein wenig mehr hiervon oder davon gemacht. Dann hätte ich noch spielen können". Ich will nichts bereuen!

Im zweiten Teil spricht Kölzig über seinen autistischen Sohn, das Nationalteam und Schweinebraten und Sauerkraut.

Interview: Sebastian Stolz

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