Mittwoch, 02.04.2008

Olaf Kölzig exklusiv

"Werde nicht bei der WM spielen"

München - Im zweiten Teil des SPOX-Interviews spricht Kölzig über seinen autitischen Sohn, das Nationalteam und Schweinebraten und Sauerkraut.

Kölzig, DEB
© Getty

SPOX: Vor wenigen Wochen hat Brett Favre, der legendäre Quarterback der Green Bay Packers, seine Karriere beendet. Für einige überraschend, war er doch nur einen Sieg vom Super Bowl entfernt. Können Sie sich vorstellen, so kurz vor dem Ziel aufzuhören?

Kölzig: Ich denke, ich bin noch weiter weg von meinem Karriere-Ende, als Brett Favre das war. Allerdings kann ich ihn verstehen. Während einer Saison kommen einem solchen Gedanken nicht. Man ist ja mittendrin. Doch wenn man dann zuhause ist, und über alles nachdenkt, dann sieht man die Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel.

SPOX: Es heißt, Sie spielen zur Vorbereitung auf ein Spiel, Fußball mit Ihren Teamkameraden. Welche Position?

Kölzig: Wenn ich früher gespielt habe, dann natürlich Torhüter. Doch wir spielen uns den Ball nur zu, zum Aufwärmen. Für einen Deutschen spiele ich wirklich nicht gut Fußball.

SPOX: Zurück aufs Eis. Die NHL hat in den vergangenen Jahren immer neue Regeln aufgestellt, um mehr Tore zu garantieren, das Spiel für Zuschauer und TV interessanter zu machen. Darunter gelitten haben immer die Goalies. Wie gehen Sie damit um?

Kölzig: Für mich geht's. Ich bin ja ein großer, kräftiger Kerl. Ich war nie einer von denen, die sich übergroßes Equipment angezogen haben. Ich hatte schon immer nur Equipment, das für meinen Körper passend ist. Insofern haben mich die Einschränkungen der Liga nicht so hart getroffen wie andere.

SPOX: Es kommt bei Torhütern ja eher selten vor. Doch haben Sie sich in Ihrer Laufbahn schon geprügelt?

Kölzig: Vier oder fünf Mal habe ich schon zugelangt. Ich bin zum Glück groß und auch nicht gerade schmächtig. Ich komme da draußen schon klar. Ich kann auf mich aufpassen. Eigentlich habe ich nur gekämpft, wenn Teamkameraden in Trouble waren. Ich fange nicht einfach so an, zu denen gehöre ich nicht. Aber ab und an will man seinen Jungs einfach beistehen.

Olaf Kölzig ist bei den Capitals derzeit nur zweite Wahl.
© Getty

SPOX: Sie sind ständig unterwegs. Wie oft sehen Sie Ihre Familie da während einer Saison?

Kölzig: Oft. Schließlich wohnen Sie während der Saison in Washington, D.C. Und da wir in der Eastern Conference spielen, sind die Wege nicht zu weit. Meist komme ich nach einem Auswärtsspiel abends noch heim. Familie ist sehr wichtig bei den Caps.

SPOX: Sie haben drei Kinder. Ihr ältester Sohn Carson ist Autist. Wie sehr hat er Ihr Leben verändert?

Kölzig: Alle meine Kinder haben mein Leben verändert, haben es ungemein bereichert. Bevor ich Vater wurde, war Eishockey alles, was zählte. Doch Kinder stellen das Leben, wie man es vorher kannte, immer auf den Kopf. Sie machen viel Arbeit, aber noch viel mehr Spaß. Was Carson angeht, er hat alles verändert. Man sieht die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Man lernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Das Spiel hat durch ihn an Bedeutung verloren. Deshalb hätte ich auch keinerlei Probleme damit, aufzuhören, wenn meine Familie es so wünschen sollte. Dann hätte ich noch mehr Zeit, mich auf meine gemeinnützigen Organisationen zu kümmern und Geld zu sammeln, um mehr über Autismus in Erfahrung zu bringen.

SPOX: Sie sind ja in mehreren Organisationen tätig und oft auch federführend, wie zum Beispiel in "Athletes Against Autism". Warum ist es Ihnen so wichtig zu helfen?

Kölzig: Profi-Sportler sind gesegnet. Nicht viele Menschen können mit Sport Geld verdienen. Insofern möchte ich einfach Menschen helfen, die es nicht so leicht im Leben haben. Ich liebe zudem Kinder. Und ich denke, dass ein Kind zu sein, und krank zu sein, nicht Hand in Hand gehen sollten. Daher versuche ich zu helfen. Wenn ich also das Leben eines Menschen ein wenig angenehmer machen kann, dann tue ich das aus vollstem Herzen.

SPOX: Stimmt es, dass Sie für jeden gehaltenen Schuss, für den Sieg und jedes Zu-Null-Spiel Geld spenden?

Kölzig: Ja, das tue ich jetzt schon seit ein paar Jahren. Es sind 200 Dollar für einen Sieg und 500 Dollar für einen Shutout. Da ist es doch klasse, dass wir in dieser Saison so gut spielen.

SPOX: Was würde Olaf Kölzig machen, wenn er nicht Eishockey-Profi geworden wäre?

Kölzig: Ich muss sagen, dass ich daran früher nie gedacht habe. Erst als die Capitals mich gedraftet haben - und das auch noch in der ersten Runde - erst da kam mir die NHL in den Sinn. Aber ehrlich, ich wollte etwas mit Sportmedizin zu tun haben. Ich war gut darin. Und heute bin ich es wohl auch noch, immerhin habe ich ja am eigenen Körper die eine oder andere Verletzung erfahren müssen.

SPOX: Während der Streiksaison in der NHL haben Sie für einige Monate in Berlin für die Eisbären gespielt. War dies das erste Mal, dass Sie Deutschland so richtig erleben konnten?

Kölzig: Ich war nie zuvor so lange in Deutschland. Ich liebe Berlin und habe mich sehr wohl gefühlt bei den Eisbären. Wir sind ja auch Meister geworden, auch wenn ich verletzungsbedingt nicht mitspielen konnte. Berlin ist klasse: die Kultur, die Gedächtniskirche, das Brandenburger Tor. Überall wo man hinschaut, ist Geschichte. Ich war ja auch schon früher in Deutschland bei meinen Verwandten. Doch halt nie so lange.

SPOX: Sind Sie ein Freund der deutschen Küche?

Kölzig: Oh ja. Bei meiner Mutter gibt es immer Sauerkraut. Meine Frau steht nicht drauf, deshalb gibt es das bei uns nicht. Am liebsten esse ich Schweinebraten und Schnitzel.

SPOX: Können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere in Deutschland ausklingen zu lassen?

Kölzig: Nein. Hauptsächlich wegen meiner Familie. Ich habe sie ja jetzt schon nicht tagtäglich um mich. Und dann so weit weg von meiner Frau und meinen Kindern zu sein, das möchte ich nicht.

SPOX: Sollte der Traum der Caps vom Erreichen der Playoffs platzen, werden Sie für Deutschland bei der Eishockey-WM in Kanada im Tor stehen?

Kölzig: Ich habe schon seit einiger Zeit nicht mehr mit Bundestrainer Uwe Krupp geredet. Doch leider muss ich sagen, ich werde wohl nicht für Deutschland bei der WM spielen. Die Saison ist schwer für mich persönlich. Da brauche ich einfach mal Abstand vom Sport und Zeit für die Familie und um meinen Kopf frei zu bekommen. Wäre die Zeit zwischen dem Ende der NHL-Saison und dem Beginn der WM nicht so kurz, würde meine Entscheidung womöglich anders lauten.

SPOX: Zurück in die NHL. Sie haben es schon angesprochen. Dies könnte Ihre letzte Saison in Washington sein. Können Sie sich zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt vorstellen, für jemand anderen zu spielen?

Kölzig: Ich versuche, darüber nicht nachzudenken. Es ist ein schwieriges Thema für mich. Doch seit dem Trade denke ich viel mehr über solche Dinge nach. Die Caps haben Cristobal ja aus einem bestimmten Grund geholt.

SPOX: Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: "An meinem 38. Geburtstag, einen Tag nach unserem letzten regulären Saisonspiel werde ich..."

Kölzig: ...mich hoffentlich auf unser erstes Playoff-Spiel seit 2003 vorbereiten.

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Interview: Sebastian Stolz

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