Freitag, 15.02.2008

NBA-Expansionspläne

Europa, wir kommen!

München - Wir schreiben das Jahr 2018: Es ist Anfang Juni. Die Welt blickt auf die O2-Arena in Berlin.

NBA, Nowitzki, Bryant
© Getty

Spiel eins der NBA-Finals steht an: Die Berlin Bears treffen auf die Los Angeles Lakers. Dirk Nowitzki, Mitte der Saison von Dallas nach Berlin getradet, trifft auf Kobe Bryant. Im Duell der bald 40-jährigen Superstars.

Fiktion oder gar nicht so entfernte Realität? Geht es nach NBA-Boss David Stern, dann spielen in fünf oder zehn Jahren Teams aus Europa in der NBA um den Titel.

Keine Vorbereitungspartien. Keine Sightseeing-Tour. Ganz normale Regular Season. 82 Spiele. Playoffs. Finals. Championship.

European Division soll entstehen  

Schon länger hat Stern eine Expansion nach Europa auf seine Agenda geschrieben. Vor ein paar Jahren wurden diese Überlegungen erst einmal zurückgestellt.

Erstens war die Infrastruktur in Europa noch nicht weit genug. Zweitens wollte man sich auf aufstrebende Märkte wie China konzentrieren. Doch nun soll die "Europäisierung" konkreter sein denn je.

Am Rande des All-Star-Games will Stern am Wochenende seine Pläne präsentieren, berichtet die "Sports Illustrated". Kritiker könnten behaupten, dass er dies jedes Jahr vor hatte. Daraus geworden ist noch nichts.

Nicht ganz falsch, aber die europäische Idee war noch nie so klar wie jetzt: Mit fünf ganz neuen Teams in großen europäischen Märkten eine "European Division" installieren. So lautet der Masterplan.

Todesstoß für nationale Ligen?

Während allein die Vorstellung bei allen europäischen NBA-Fans für Begeisterung sorgt, dürfte die Reaktion der nationalen Ligen weniger euphorisch sein.

Die Basketball-Bundesliga kämpft ohnehin um jedes Fünkchen Aufmerksamkeit. Um jeden Sponsor oder Geldgeber muss gebettelt werden. Wenn die große NBA nach Deutschland käme - Berlin mit der bald eröffnenden Arena steht als gewünschter Standort quasi fest - könnte das den Todesstoß bedeuten.

Die BBL gibt sich dennoch gelassen. "Schon oft sind dort die Lippen gespitzt worden, wir warten gelassen, ob irgendwann einmal ein Pfiff ertönt. Unser Wettbewerb ist so gefestigt und etabliert, dass uns vor Konkurrenz nicht Bange ist. Wir arbeiten hart weiter und sind damit erfolgreich", so Geschäftsführer Jan Pommer zu SPOX.com.

Andere Länder wie Spanien oder Italien, die über erstklassige eigene Ligen verfügen, könnten sich ebenfalls gegen die Pläne stemmen. Es wird ihnen am Ende nichts nutzen.

Fragen bleiben   

Neben Berlin stehen London, Madrid (neue Arena geplant) und Rom (neue Arena im Bau) in der Pole-Position.

Stern ist fest entschlossen, seine Pläne zu verwirklichen. Nicht zuletzt, weil die NBA sonst riskieren würde, dass ein Wettbewerber (eventuell aus Russland?) auf die Idee kommt und selbst eine eigene Europa-Liga als Konkurrenz zur NBA aufbauen will.

Es bleiben noch einige Fragezeichen: Würde man die Hallen dauerhaft gefüllt bekommen? Würden die europäischen Fans für 41 Heimspiele teure Karten kaufen?

In Deutschland scheint das trotz der Fußball-Konkurrenz keine Frage, aber in Italien oder Spanien? Mit der Expansion hätte die NBA 35 Teams - zu viele?

Spielplan-Problematik lösbar  

Der lange als unlösbar angesehene Problempunkt der Logistik scheint bei einer Einführung einer European Division durchaus zu regeln.

Alle Teams müssten für eine Periode von zwei Wochen von den USA nach Europa reisen, um ihre Spiele gegen die "Europäer" zu absolvieren. Teams von der Westküste würden erst ein Spiel an der Ostküste machen und dann über den Teich fliegen. Das gleiche Szenario auf dem Rückweg. Absolut machbar.

Die NHL und NFL haben ähnliche Vorhaben. Doch die NHL hat momentan genug Probleme in den USA, sich aus ihrem Schattendasein zu befreien und die NFL hätte in Europa nur in Deutschland eine Chance, geht aber nächste Saison zum zweiten Mal nach England. Nicht nachvollziehbar.

Die einzige Liga, die wirklich bereit und prädestiniert ist für eine Globalisierung, ist die NBA. Ob es klappen wird, weiß niemand. Es gibt nur einen Weg, es herauszufinden: ausprobieren.   

Florian Regelmann

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