Britta Heidemanns irrer Tag im Zeitraffer

Die längste Sekunde der Sportgeschichte

Von Alexander Mey
Dienstag, 31.07.2012 | 02:08 Uhr
Britta Heidemann schrie nach dem dramatischen Ende des Halbfinals die Anspannung heraus
© Getty
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Britta Heidemann beendet einen der dramatischsten Tage ihrer Sportlerkarriere mit der Silbermedaille im Degenfechten. Sie ist eine Drama-Queen ohne Happy-End. Und sie hat die wahrscheinlich längste Sekunde der Sportgeschichte erlebt.

Um kurz nach 13 Uhr Ortszeit war der Tag von Britta Heidemann eigentlich schon beendet. In ihrem Auftaktgefecht der Einzelkonkurrenz mit dem Degen lag die Titelverteidigerin gegen die Italienerin Bianca del Carretto mit 10:13 hinten. Noch 20 Sekunden zu fechten. Das war's.

Olympia kompakt: Tragisch, Tragisch, Tragisch

"So ein Trefferstand reicht einer erfahrenen Fechterin normalerweise locker, um zu gewinnen. Entsprechend angespannt war die Situation für mich", sagte Heidemann direkt nach dem Gefecht.

Drei schnelle Treffer zum Sudden Death

Sie war in Eile, als sie den Journalisten kurz Rede und Antwort stand, denn wider Erwarten war ihr Tag nicht zu Ende. Drei blitzschnelle Treffer hintereinander und der entscheidende Killerinstinkt im Sudden Death brachten den 14:13-Sieg.

"Ich hatte vorher schon zweimal gegen sie gewonnen und dabei den entscheidenden letzten Treffer gesetzt. Also habe ich noch einmal alles ausgepackt, was ich kann, und es zum Glück zum dritten Mal geschafft", erklärte Heidemann das Kunststück, doch noch das Achtelfinale erreicht zu haben.

Nächster Sieg gegen die Weltmeisterin

Gegnerin: Li Na. Chinesin. Weltmeisterin, Nummer zwei der Weltrangliste. Heidemann nach einer schwierigen Saison Außenseiterin. Aber sie hat wieder den Killerinstinkt, setzt wieder den letzten Treffer, wieder heißt es 14:13.

"Ich finde es schade, dass wir so früh gegeneinander antreten mussten. Ich wäre gerne erst im Finale auf meine beste chinesische Kollegin getroffen", sagte Heidemann in der Mixed Zone und fuhr fort: "An ihrer Stelle würde ich mich auch maßlos ärgern, denn sie hat jetzt glaube ich zum fünften Mal in Folge bei einem großen Wettkampf gegen mich verloren." Wieder war sie in Eile, schließlich ging es weiter.

Im Viertelfinale wichtige Nerven gespart

Viertelfinale. Gegnerin: Sarra Besbes aus Tunesien. Ein eher unbeschriebenes Blatt. Heidemann siegt mit 15:12. Endlich mal klar, endlich mal vorzeitig.

"Manchmal stellt sich so ein vermeintlicher Außenseiter ja als der gefährlichste Gegner heraus. Das war diesmal aber zum Glück nicht so. So konnte ich ein bisschen Kraft sparen für die kommenden Kämpfe. Dieser hier hat nicht so viele Nerven gekostet wie die zuvor", sagte Heidemann ganz abgeklärt.

Diesmal hatte sie Zeit, denn bis zum Halbfinale waren mehr als zwei Stunden Pause. Aber sie hatte keine Ahnung, wie nötig sie ihre Kraft und ihre Nerven noch brauchen würde.

Halbfinal-Drama schreibt olympische Geschichte

Halbfinale. Gegnerin Shin A Lam aus Südkorea. Die ganz große Bühne. Nur noch eine Planche in der zirka 9000 Zuschauer fassenden Halle. Volle Hütte, Spotlight, Showdown. Genau Heidemanns Ding. "Die Lust, auf so einer Planche zu stehen, und die Erfahrung in solchen Situationen wird bestimmt heute noch ein Faktor", sagte sie vor dem Gefecht.

Es wurde eines der legendärsten in der olympischen Geschichte. 5:5 stand es nach den drei regulären Runden, vor dem Sudden Death entschied das Los, dass Shin im Falle eines Gleichstands nach einer Minute Verlängerung die Siegerin sein würde.

Heidemann musste punkten, schaffte es aber ums Verrecken nicht, einen Einzeltreffer zu setzen. Immer wieder trafen beide, bis zur allerletzten Sekunde des Gefechts.

Der wahrscheinlich längsten Sekunde der Sportgeschichte.

Heidemann siegt - oder doch nicht?

Heidemann rennt zum ersten Mal verzweifelt an: Doppeltreffer! Noch immer steht die Uhr auf einer Sekunde. Heidemann rennt ein zweites Mal verzweifelt an: wieder Doppeltreffer! Die Uhr läuft ab. Alles aus?

Nein! Die Kampfrichterin lässt die Uhr zurückstellen: immer noch eine Sekunde! Heidemann rennt zum dritten Mal verzweifelt an - und trifft! Nur die rote Lampe leuchtet, Heidemann gewinnt ein unfassbares Drama.

Oder doch nicht? Der koreansiche Trainer flippt völlig aus, schreit das Kampfgericht an, gestikuliert wild, dass die Zeit schon abgelaufen war. Es folgt eine Farce, die den internationalen Fechtverband noch lange verfolgen wird.

Fechtverband blamiert sich

Fast eine halbe Stunde lang diskutieren mehr als ein Dutzend Entscheidungsträger hitzig darüber, wie der Kampf zu werten ist. Es fehlt nur noch, dass die Putzfrau um Rat gefragt wird. Die beiden Fechterinnen stehen auf der Planche wie bestellt und nicht abgeholt.

Dann die Entscheidung: Der Treffer zählt, Heidemann gewinnt. Sie rennt schreiend über die Planche und steht wenig später wieder bei den wartenden Journalisten. "Ich kann total gut verstehen, dass die Koreanerin sich ärgert, ich habe selbst auch schon oft genug unter dieser Situation gelitten. Ich wäre lieber auf eine andere Weise ins Finale eingezogen", sagt sie. Die letzte Sekunde dauert nun schon fast 45 Minuten.

Große Probleme mit der Zeitnahme

Das Problem, das dafür verantwortlich war, war offenbar so simpel wie peinlich. Da die Uhren im Fechten nur ganze Sekunden anzeigen können, war nicht ersichtlich, wie viele Zehntel die Angriffe von Heidemann jeweils gekostet haben. Daher die Verwirrung.

Es gibt aber auch keine elektronische Zeitnahme, wie sie in vielen anderen Sportarten selbstverständlich ist. Heißt: Gibt die Kampfrichterin das Gefecht frei, braucht der Zeitnehmer noch ein paar Zehntelsekunden, bis er die Uhr gestartet hat. Zeitspäne, die in diesem Fall alles entscheidend waren.

Folglich machten die Koreaner menschliches Versagen geltend und legten erneut Widerspruch ein. Davon bekam Heidemann schon gar nichts mehr mit. "Ich weiß gar nicht genau, wann es weitergeht. Wahrscheinlich gleich, schließlich haben wir schon eine Menge Zeit verplempert", sagte sie und verschwand hektisch aus der Mixed Zone.

Bemitleidenswerte Shin bekommt Standing Ovations

Sie hatte wider Erwarten doch noch eine Menge Zeit, denn erst nach sage und schreibe 75 Minuten wurde auch der Widerspruch der Koreaner abgewiesen. Es hatte so lange gedauert, weil der koreanische Verband erst mehrere hundert Euro auftreiben musste, um sie für den Widerspruch zu hinterlegen. Die Seifenoper war endgültig perfekt, Heidemanns Sekunde eine Stunde und 15 Minuten lang.

Während die bemitleidenswerte Koreanerin Shin, die eine Stunde lang einen Sitzstreik auf der Planche durchgehalten hatte und erst dann unter bitteren Tränen weggeführt wurde, unter Standing Ovations der Zuschauer ihr Gefecht um Bronze verlor, musste Heidemann irgendwie die Konzentration hoch halten.

Finale: Serie der dramatischen letzten Treffer reißt

Schließlich stand das olympische Finale an. Gegnerin: Yana Shemyakina aus der Ukraine. Wieder eine ganz enge Kiste, wieder geht es in den Sudden Death. Heidemann ist die Drama-Queen des Tages, aber leider ohne Happy-End.

Denn zum ersten Mal in all diesen dramatischen Gefechten zieht Heidemann trotz all ihrer Erfahrung im entscheidenden Moment den Kürzeren.

"Ich habe mich sehr geärgert, dass ich den letzten Treffer nicht gesetzt habe, und war super enttäuscht. Ich denke, es kann jeder verstehen, dass man sich da ärgern muss. Am liebsten hätte ich jetzt die Goldmedaille umhängen", gestand sie offen. Die Freude über die zweite Einzelmedaille bei Olympia kam erst später.

Heidemann: "Der Tag hat sehr viele Nerven gekostet"

Zunächst erwies sie sich noch als mündige Athletin und griff den Verband für den Eklat im Halbfinale an: "Da muss man auf jeden Fall schnellere Entscheidungen treffen. So etwas darf nicht passieren. Es ist super ärgerlich, dass es solche Diskussionen gab."

Hat sie das ganze Hin und Her aus der Konzentration gebracht? "Ich war in so einem Konzentrations-Tunnel drin, dass mich selbst diese lange Pause nicht herausbringen konnte", sagte sie, gab aber auch zu: "Ich habe im Finale schon gemerkt, dass der Tag sehr viele Nerven und Physis gekostet hat."

Aber er hat eine Silbermedaille eingebracht. Dass es das erste Edelmetall für das deutsche Team in London war, wusste Heidemann übrigens gar nicht.

Sie hatte an diesem denkwürdigen Tag wirklich andere Sorgen.

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