Wintersport

Fall Pechstein: Entscheidung vertagt

SID
Claudia Pechstein hofft auf eine Entschädigung
© getty

Claudia Pechstein pustete durch und zog sich zur Beratung mit ihren Anwälten zurück. Die fünfmalige Olympiasiegerin muss sich in ihrem jahrelangen Bemühen um Gerechtigkeit einmal mehr in Geduld üben. Der BGH vertagte nach einer mehr als zweistündigen Verhandlung seine Entscheidung über die mögliche Zulassung der Schadenersatzklage gegen den Weltverband ISU.

Für Pechstein wird nun der 7. Juni zum Tag X. Dann soll um 9.00 Uhr morgens nach Verkündung des Urteils endlich Klarheit darüber herrschen, ob das Hauptverfahren an das Oberlandesgericht München zurückverwiesen und der Fall neu aufgerollt wird. Pechstein würde Schadenersatz in Millionenhöhe winken. "Ich habe in der Vergangenheit Ausdauer bewiesen und muss weiter Ausdauer beweisen. Das macht mir persönlich nichts aus", sagte Pechstein, nachdem sie im Saal E 101 des BGH die Ausführungen aller Parteien aufmerksam verfolgt hatte.

Jeweils fast eine Stunde hatten Pechsteins Anwälte und die Rechtsbeistände des beklagten Weltverbandes ISU ihre Argumente vor den fünf BGH-Richtern ausgetauscht.

Im Kern geht es um die Wirksamkeit der zwischen Pechstein und dem Weltverband ISU vor der Mehrkampf-WM 2009 in Hamar geschlossenen Schiedsgerichtsvereinbarung. In Norwegen waren bei der inzwischen 44-Jährigen erhöhte Blutwerte (Retikoluzyten) festgestellt worden, die zu einer zweijährigen Sperre führten. Pechstein führte die Blutwerte stets auf eine von ihrem Vater vererbte Anomalie zurück und wurde in dieser Einschätzung von führenden Hämatologen bestätigt.

Strukturelle Defizite in der Besetzung des CAS

Pechsteins Verteidigung zielt mit Blick auf die vermeintliche Unwirksamkeit der Vereinbarung unter anderem auf Mängel beim Internationalen Sportgerichtshof CAS ab, vor dem sie einst erfolglos gegen die Sperre vorgegangen war. Vor dem BGH erhielt sie - und das könnte die Entscheidung pro Pechstein positiv beeinflussen - Unterstützung vonseiten des Bundeskartellamtes. Dieses wies auf strukturelle Defizite in der Besetzung des CAS zu Lasten der Athleten hin und zog dessen Neutralität in Zweifel.

Pechsteins Anwalt Thomas Summerer äußerte sich auch deshalb zuversichtlich. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Gerichtsverhandlung", sagte er. ISU-Rechtsbeistand Dirk-Reiner Martens, der ebenfalls Mitglied des Internationalen Sportgerichtshofes ist, äußerte sich weitaus zurückhaltender. "Prognose unmöglich", sagte er dem SID.

Pechstein hatte angespannt gewirkt, als sie in Polizeiuniform um 10.12 Uhr an der Seite ihres Teams um Lebensgefährte Matthias Große die Stufen zum Gerichtssaal erstmals hinaufstieg. Summerer sprach von "Gerechtigkeit für Claudia Pechstein", wenig später begann die Verhandlung.

Als alles vorbei war, verließ Pechstein das Gebäude deutlich gelassener: "Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Das ist für mich immer entscheidend, sowohl auf dem Eis als auch abseits der Eisbahn." Den Weg bis zum 7. Juni gehe sie mit einem optimistischen Gefühl: "Mein Ziel ist, dass die Gerechtigkeit irgendwann siegt", sagte sie: "Daran glaube ich ganz fest."

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