Vor nächster Prozess-Runde

Pechstein: "Werde nie klein beigeben"

SID
Mittwoch, 05.11.2014 | 13:49 Uhr
Claudia Pechstein gibt sich vor der nächsten Runde kämpferisch
© getty
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Für Claudia Pechstein geht es um knapp vier Millionen Euro, um ihre Rehabilitation und den Sieg im jahrelangen Rechtsstreit. Für den Sport geht es um die Legitimation einer Athletenvereinbarung und die Zukunft der Schiedsgerichtsbarkeit: Die nächste Runde im Schadenersatzprozess.

Mit Spannung wird die nächste Runde im Schadenersatzprozess von Claudia Pechstein am Donnerstag vor dem Münchener Oberlandesgericht (13.45 Uhr) erwartet.

"Ich werde in diesem Kampf niemals klein beigeben", sagte Pechstein dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Für mich ist es wichtiger, mit mir im Reinen zu sein und alles gegeben zu haben, als mich Funktionären zu beugen, die mich betrogen haben. Es geht hier um meine Ehre."

Sollte die sechsmalige Olympia-Teilnehmerin wieder kein Recht bekommen, wird sie auf jeden Fall die nächste Instanz vor dem Bundesgerichtshof (BGH) anrufen. "Das Fehlurteil von 2009 hat mich bereits Millionen gekostet. Aber ich werde eher arm sterben, als dass ich diesen Kampf nicht bis zum Ende durchziehe", sagte Pechstein der Sport Bild. Bis Olympia 2018 wolle sie auf jeden Fall noch laufen und bei den Spielen südkoreanischen Pyeongchang am liebsten die deutsche Fahne tragen.

Im Jahr 2009 war die fünfmalige Olympiasiegerin wegen verdächtiger Blutwerte vom Weltverband ISU für zwei Jahre gesperrt worden. Die Berlinerin bestritt stets, gedopt zu haben, und ließ von namhaften Medizinern nachweisen, dass eine vererbte Blutanomalie für ihre erhöhten Retikulozytenwerte verantwortlich sei. Von der ISU fordert sie nun Schadenersatz in Höhe von 3,5 Millionen Euro und ein Schmerzensgeld von 400.000 Euro.

Zahlreiche offene Fragen

"Jetzt wünsche ich mir nichts mehr, als dass mein Fall erstmals wirklich gründlich untersucht und meine Klage nicht aus formellen Gründen abgewiesen wird", sagte Pechstein und wies damit auf die Schwierigkeit des Verfahrens am Donnerstag hin. Bevor überhaupt geklärt wird, ob die Athletin gedopt hat oder wieviel Schadenersatz ihr zusteht, müssen zahlreiche Fragen des Prozessrechtes wie etwa die Zuständigkeit des Gerichts geklärt werden.

Ihr Anwalt Thomas Summerer ist zuversichtlich, dass sich das Gericht des Falles annimmt. "Wir können gewinnen, wir können verlieren, und es kann am Ende ein Kompromiss stehen, wenn das Gericht einen Vergleichsvorschlag macht", sagte der Münchner Advokat dem SID. Summerer verfügt auf dem Feld über reichlich Erfahrungen. 2001 hatte er Leichtathletin Katrin Krabbe zu einem Schadenersatz in Höhe von 1,5 Millionen Mark verholfen. Allerdings darf bezweifelt werden, dass die ISU einem Vergleichsangebot zustimmen wird, da sich die Pechstein-Gegner bislang stets als Hardliner präsentierten.

Pechsteins Strategie baut auf der Feststellung des Landgerichts in erster Instanz auf, das den Schiedszwang für Athleten als unzulässig erklärt hatte. Athleten, so das Gericht, würden diese Vereinbarung nicht freiwillig unterschreiben. Mit der Unterschrift unter die Athletenvereinbarung würden sie schließlich darauf verzichten, ein staatliches Gericht anrufen zu können.

Landgericht sorgt für Knalleffekt

Wie Summerer betonte, habe das Landgericht dennoch Pechstein angekreidet, sich ohne Protest auf die Verbandsgerichtsbarkeit und den Internationalen Gerichtshof CAS als dessen letzte Instanz eingelassen zu haben. Die 42-Jährige hätte dort nur sagen müssen, dass sie den CAS nicht akzeptiere. "Das ist unlogisch. Entweder ist es sittenwidrig, dann ist aber auch das ganze Schiedsverfahren sittenwidrig", betonte Summerer. Genau da will die Pechstein-Seite ansetzen.

Die überraschende Entscheidung des Landgerichts, die Athletenvereinbarung im Fall Pechstein für unwirksam zu erklären, sorgte für einen Knalleffekt, steht aber erneut auf dem Prüfstand. Sollte das Gericht am Donnerstag genauso wie das Landgericht im Februar entscheiden, müssten die Sportverbände den Athleten ein Wahlrecht zwischen dem CAS und einem staatlichen Gericht einräumen. Insofern hat der Pechstein-Prozess große sportpolitische Brisanz.

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