Ein Wanderweg für die Ex-Biathletin

Magdalena Neuner: Keine Spur von Wehmut

SID
Freitag, 13.04.2012 | 18:12 Uhr
Magdalena Neuner präsentierte im Wallgau die Trophäen ihrer Karriere
© Getty
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Als Magdalena Neuner im schwarzen Parka die Bühne auf dem Wallgauer Dorfplatz betrat, brandete tosender Applaus auf. Rund 2.000 Fans waren am Freitagabend trotz Nieselregens in die oberbayerische Gemeinde gekommen, um die ehemalige Ausnahme-Biathletin zu feiern. Nach ihrem Abschied vom aktiven Sport war es ihr letzter offizieller Empfang in ihrem Heimatort. "Das werde ich immer in Erinnerung behalten", sagte die 25-Jährige.

Im 1.400 Einwohner zählenden Wallgau bei Garmisch-Partenkirchen herrschte Ausnahmezustand. 250 Ehrenamtliche waren im Einsatz, auf eigens errichteten Bühnen spielten Livebands und die Wallgauer Musikkapelle, Fans stimmten immer wieder "Lena, Lena"-Sprechchöre an. Das Wallgau bereitete der zweimaligen Sportlerin des Jahres einen großen Empfang - für etwa 25.000 Euro.

Der Abschied von der großen Bühne ist für Neuner der Beginn eines neuen Lebens. Und sie genießt es: den langen Schlaf, den fehlenden Erfolgsdruck, die gemeinsame Zeit mit ihrem Freund. Wehmut zeigte sie daher nicht: "Das Schönste ist es, aufzuwachen und zu wissen, dass man nicht mehr diesen Druck hat."

Ihre 16 Jahre als Biathletin seien eine traumhafte Zeit gewesen. Doch jetzt sage sie sich nicht mehr ständig: "Ich muss Medaillen gewinnen, Erfolge bringen, ich muss, ich muss, ich muss."

Neuner: "Ich würde es nicht anders machen wollen"

Im Sport hat sie alles erreicht. Sie galt als beste Biathletin der Welt, als sie am 6. Dezember 2011 überraschend ihren Rücktritt ankündigte. Im Alter von neun Jahren hatte sie beim SC Wallgau zum Biathlon gefunden. Seitdem dominierte sie diesen Sport wie keine andere.

Es waren Jahre des Erfolges und Jahre des Verzichtes, die sie durchlebte. Während sie auf Langlaufskiern und mit dem Gewehr am Rücken zwölf Weltmeistertitel erreichte, gingen Gleichaltrige aus oder genossen ihre Freizeit. Allerdings betonte sie: "Ich würde es nicht anders machen wollen."

In Wallgau nimmt man ihren Rücktritt mit gemischten Gefühlen auf. So erinnert sich Bürgermeister Hansjörg Zahler gerne an Tage zurück, als beim Public Viewing "richtig die Sau rausgelassen" wurde und die Fans in Wallgau "auf den Tischen tanzten." Er sagt, zwischenzeitlich habe seine Gemeinde auch umbenannt werden müssen, in "Eventagentur mit angeschlossener Gemeinde Wallgau".

Dieser Trubel nehme jetzt wohl ein wenig ab, aber "wir haben großen Respekt vor ihrer Entscheidung", ergänzte er und gab gleich eine besondere Ehrung bekannt. Wallgau widmet Neuner einen Wanderweg. "Das passt ganz gut. Es ist der Weg zum Gipfel.", sagte Zahler über die bisher als Panorama-Weg bekannte Route - angeblich die schönste in Wallgau.

Keine Angst mehr morgens um sechs

Anschließend wollten viele von Neuner wissen, wie es jetzt weitergehe im wohlverdienten Ruhestand. Zunächst mal freue sie sich, dass sie nicht um sechs Uhr morgens Angst haben müsse, dass "Dopingkontrolleure vor der Tür stehen".

Und dann wollte sie noch mit den hartnäckigen Gerüchten um ihren angeblichen Ruhestand aufräumen: "Ich habe beruflich echt viel zu tun. Mein Beruf ist es, Magdalena Neuner zu sein."

So sei ihr Terminkalender für April und Mai mit Sponsorenterminen und öffentlichen Auftritten bereits ziemlich voll. Dennoch sagte sie: "Ich bin froh, dass jetzt eine Zeit kommt, in der ich mich auch an kleinen Erfolgen erfreuen kann."

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