Sonntag, 19.02.2012

Nur ein Durchgang in Oberstdorf

DSV-Adler verpatzen WM-Generalprobe

Deutschlands Skispringer glauben auch nach der verpatzten Generalprobe im Wetterchaos von Oberstdorf noch an ihren Flug aufs WM-Podest.

Severin Freund und Kollegen belegten nach Abbruch den vierten Platz bei Teamspringen
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Severin Freund und Kollegen belegten nach Abbruch den vierten Platz bei Teamspringen

"Wir haben beim Heimspringen zwar nicht die Hauptrolle gespielt", sagte Bundestrainer Werner Schuster und blickte trotz des Fehlens von Routinier Martin Schmitt optimistisch Richtung Saisonhöhepunkt: "Aber es bleibt bei der Ansage: Wir wollen eine Teammedaille. Davon gehen wir keinen Millimeter weg."

Beim letzten Teamspringen vor der in dieser Woche anstehenden Skiflug-Weltmeisterschaft im norwegischen Vikersund landete sein Quartett im dicken Schneetreiben allerdings nur auf Platz vier.

Prevc muss ins Krankenhaus

Der Rückstand auf Sieger Slowenien betrug nach dem wetterbedingten Abbruch nach dem ersten Durchgang 30,1 Punkte - obwohl deren Topflieger Peter Prevc bei der Schanzenrekordweite von 225,5 Metern schwer gestürzt war. Das Supertalent musste nach einem Kreislaufkollaps plus Verdacht auf eine Schlüsselbeinverletzung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Der deutsche Vorflieger Severin Freund blieb in dem Springen bei extrem schwierigen Bedingungen wie seine Teamkollegen gesund - und verabschiedete sich nach seinem Wochenend-Topflug auf 211 Meter mit Vorfreude zur WM auf der größten Schanze der Welt. "Der Sprung tut natürlich gut.

"Wir haben großes Potenzial, nur haben wir uns in Oberstdorf wieder mal zu viele Fehler erlaubt", sagte Freund und blickte voraus: "Wir spielen gern die Rolle als gefährlicher Außenseiter. Es wäre wunderschön, wenn wir dort auf den Punkt unser Potenzial abrufen könnten."

Hannawald als Zuschauer an der Schanze

Das war ihm im Einzelspringen am Vortag als bester Deutscher auf Platz zehn nicht gelungen - der letzte deutsche Sieger Sven Hannawald (1998) sah es als Zuschauer mit Grausen. Die Hauptrolle als Sieger auf dem obersten Podest spielte wie im Vorjahr Martin Koch, der vor Daiki Ito (Japan) und dem viermaligen Olympiasieger Simon Ammann (Schweiz) triumphierte.

Koch legte damit auch den Grundstein für den Sieg-Hattrick von Österreich in der Team-Tour. Die Austria-Flieger konnten deshalb sogar verschmerzen, dass Skiflug-Weltmeister Gregor Schlierenzauer als letzter Springer mit einem Hüpfer auf 170,5 Metern den Sieg im Teamspringen um 0,7 Punkte an Slowenien verschenkte. Österreich kassierte 100.000 Euro Prämie.

Dem chancenlosen deutschen Team blieben als Vierter der Gesamtwertung der Team Tour null Euro und die Hoffnung auf ein WM-Wunder. "Wir haben auch im Einzel bei der WM eine Chance, wenn wir endlich top springen", glaubt Schuster. In Oberstdorf gelang das mit Heimvorteil eigentlich nur Andreas Wank.

Wank mit persönlicher Bestmarke

Sein 13. Platz im Einzel mit der persönlichen Bestleistung von 209,5 Metern war laut Schuster "wie ein Sieg" zu werten. "So einen beherzten Skispringer haben wir lange nicht mehr gehabt. Er reißt momentan die ganze Mannschaft mit", lobte der Chefcoach.

Richard Freitag, beim Auftakt der Team Tour in Willingen immerhin noch Siebter, verließ in Oberstdorf nach Platz 18 "ziemlich zerknirscht" die hellerleuchtete Arena.

Er steht trotzdem neben Freund, Wank, Michael Neumayer und Maximilian Mechler im deutschen WM-Aufgebot. Erwartungsgemäß nicht nominiert wurde der formschwache und unter Knieproblemen leidende Routinier Martin Schmitt.

Die Skisprung-Saison im Überblick

Die besten Skispringer aller Zeiten
Der deutsche Helmut Recknagel (l.) holte in den 50er Jahren ein Mal Gold bei den Olympischen Spielen, zwei Mal Gold bei der WM und gewann drei Mal die Vierschanzentournee
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Anton Innauer: 2 Weltcupsiege. Er war der erste Skispringer der Geschichte, der für einen perfekten Sprung 1976 in Oberstdorf von den Sprungrichtern fünfmal die Note 20 erhielt
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Der Norweger Björn Wirkola (r.) räumte in den 60er Jahren kräftig ab und sicherte sich drei Gesamtsiege bei der Vierschanzentournee
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Der Schwede Jan Boklöv (r.) ist Erfinder des V-Stils: 5 Weltcupsiege
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Der Matti Nykänen aus Finnland gewann vier Mal die Vierschanzentournee (zwischen 1982 und 1988) und holte 46 Weltcupsiege
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Toni Nieminen war der Erste, der einen Sprung über 200 Meter erfolgreich landen konnte. Außerdem: Vierschanzentournee-Sieger 1991/1992
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Der Österreicher Andreas Goldberger fuhr 20 Weltcupsiege ein und gewann zwei Mal die Vierschanzentournee (92/93, 94/95)
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Kazuyoshi Funaki aus Japan war für seine extreme Vorlage bekannt. 15 Weltcupsiege, Vierschanzentournee-Sieger 1997/1998
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Der Finne Janne Ahonen mit beeindruckender Bilanz: 36 Weltcupsiege und fünf Mal die Vierschanzentournee gewonnen (zwischen 98/99 und 2007/2008)
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33 Weltcupsiege und vier Mal die Vierschanzentournee gewonnen: Der Deutsche Jens Weißflog weiß, wie man sich entspannt
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... Martin Schmitt. Er konnte 28 Weltcupsiege holen und ist noch aktiv im Skisprung
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Der vierte Deutsche, Sven Hannawald: 18 Weltcupsiege, Vierschanzentournee-Sieger 2001/2002 (Als bislang einziger Springer alle Einzelspringen gewonnen)
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Der Schweizer Simon Ammann hat vier Mal Olympisches Gold geholt und gewann den Gesamtweltcup 2009/2010
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Der jüngste Skiflugweltmeister aller Zeiten: Gregor Schlierenzauer. Außerdem gewann er noch ein Mal den Gesamtweltcup
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