Tops und Flops vom Wochenende

Dr. Thomas Bach und die Prinzessin von Tonga

Von SPOX
Montag, 13.02.2012 | 15:43 Uhr
Nicht immer ist drin, was draufsteht: Bruno Banani heißt eigentlich Fuahea Semi
© spox
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Bruno Banani ruft Dr. Thomas Bach auf den Plan und bei der Rodel-WM im sächsischen Altenberg macht um ein Haar eine Russin den deutschen Seriensiegerinnen einen dicken Strich durch die Rechnung. Auch dank ihres herausragenden Schlitten-Bewachungskommandos. Für Magdalena Neuner läuft es erschreckend reibungslos und Sotschi feiert eine prima Premiere. Ivica Kostelic ist da ganz sicher anderer Meinung.

- Thomas Bach vs. Bruno Banani

Da hat sich ein Rodler aus Tonga ein Pseudonym zugelegt, um einen Platz im Weltcup zu ergattern und sein Königreich bei den Olympischen Spielen in Sotschi an den Start zu bringen. Auf Wunsch der Prinzessin, offenbar eine Anhängerin des Olympischen Gedankens. Und nun kommt heraus: Bruno Banani heißt mit bürgerlichem Namen Fuahea Semi.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach schoss bei der Verurteilung des Vorgangs jedenfalls gepflegt übers Ziel hinaus. "Das widerspricht nicht nur dem sportlichen Gedanken, sondern auch dem Gedanken von Persönlichkeitsrechten. Und wenn man ganz hoch greifen will, auch den Menschenrechten." Richtig, finden wir zu hoch gegriffen.

Die tongaische Königshaus-Sprecherin Leafa Mataele Wawryk hatte zugegeben, den Namen des einzigen Rodlers aus Tonga nach einem Casting in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Marketingagentur Makai geändert zu haben. "Dadurch hatten wir dann eine passende Firma als Sponsor. Das war nötig, weil wir einfach keine anderen finanziellen Mittel auf unserer Insel haben."

Der gleichnamige Chemnitzer Unterwäschehersteller soll übrigens nichts davon gewusst haben und erst später als Sponsor eingestiegen sein. Und wir fragen uns: Welcher John Daly ist echt? Der Golfer mit den komischen Hosen oder der Olympia-17. im Skeleton...

+ Russische Geheimdienstmethoden im Osterzgebirge

Mal ehrlich, Allerweltsnamen kann doch jeder. Tatjana Iwanowa zum Beispiel, russische Rodlerin mit dem Faible für die Top-Events. Bei Olympia in Vancouver war die 20-Jährige immerhin schon mal Vierte, dazu ebenfalls 2010 Europameisterin in Sigulda. Im Weltcup läuft es dagegen nicht immer rund.

Aber am Wochenende war schließlich WM. Und zur Halbzeit in Altenberg führte Iwanowa überraschend vor Tatjana Hüfner. Die deutsche Titelverteidigerin setzte sich schließlich doch noch durch, bekannte aber: "Tatjana Iwanowa war saustark."

Stimmt. Saustark waren an der Bahn im Osterzgebirge auch die Geheimdienstmethoden des russischen Teams. Als ARD-Reporter Claus Lufen die Halbzeitführung Iwanowas würdigte und dazu den Bereich ihres Teams aufsuchte, wurden die Betreuer recht unruhig. Ein breitschultriger Vertreter nahm Iwanowas Schlitten KGB-like in Manndeckung.

Dazu muss man wissen, dass die Kufen- und Schlitten-Tüftelei das A und O ist im Rodelsport. Frag nach beim Hackl Schorsch! Und wenn's hilft, bitte sehr!

- Ivica Kostelic vor dem Saisonaus

Ein absoluter Flop für den Alpin-Zirkus im Allgemeinen und Ivica Kostelic im Besonderen ereignete sich im russischen Sotschi. Und zwar beim sensationell überlegenen Kombi-Sieg des Kroaten. Was zunächst komisch klingt, hat Kostelic' Manager Vedran Pavlek inzwischen bestätigt: Der Gesamtweltcup-Führende hat sich den Medial-Meniskus gerissen, er wurde am Montag erneut am rechten Knie operiert. Nun droht das Saisonende.

Im Zielraum humpelte der 32-Jährige bereits ins Medical-Zelt, auf dem Podest vergoss er Tränen der Enttäuschung, auch die Schmerzen waren offenbar groß.

Es ist aber auch bitter: Kostelic hat im Gesamtweltcup 70 Pünktchen Vorsprung auf den Schweizer Beat Feuz, am Sonntag Zweitplatzierter. Genug, wenn er die Saison fit zuende fahren könnte, viel zu wenig, wenn sie schon jetzt vorbei ist.

Die kleine Super-Kombi-Kugel, die Kostelic in Russland abstaubte, ist ganz sicher kein Trost.

+ Olympia kann kommen

Sotschi ist bereit für Olympia, zumindest das Skigebiet Rosa Chutor gut 50 Kilometer nordöstlich: Zwei Jahre vor den Winterspielen in Russland hat der alpine Weltcup erstmals dort Station gemacht. Und die Organisatoren wurden mit Lob nur so überschüttet.

Die ehrgeizigen Pläne wurden offenbar so überzeugend umgesetzt, dass der Trouble um Visabeschaffung, die umständliche Anreise und sauteure Flüge fast schon wieder vergessen schien. Gut, die Bahnstrecke ist noch nicht fertig, auch in Sachen Umweltschutz gibt es wohl Mängel.

Da lässt sich aber sicher noch etwas drehen. Geld ist in rauen Mengen vorhanden und man redet auch drüber. So tönte Nickel-Oligarch Wladimir Potanin am Wochenende stolz, dass er umgerechnet insgesamt 1,74 Milliarden Euro in das Skigebiet investiere. Ähem, Glückwunsch!

+ Neuner, Neuner, Neuner

Kurz vor der Heim-WM in Ruhpolding darf ein Blick auf unsere Biathlon-Helden nicht fehlen. Magdalena Neuner hat ihren 25. Geburtstag gefeiert.

Sonst gab's in Finnland nicht viel Neues von der Rekordweltmeisterin: Laufbestzeiten - check - Weltcupsieg Nummer 32 - check - Gesamtweltcup-Führung verteidigt - check - strahlendstes Lächeln von Kontiolahti - na ihr wisst schon...

- WM-Form? Jein!

Würden wir dieser Tage Miriam Gössner oder Michael Greis nach ihrer WM-Form fragen, käme wohl etwas wie "hmm, mal schauen und Daumen drücken" dabei heraus. Während der 35-jährige Greis im Training versucht, sich und die Coaches von seiner WM-Form und einer Good-Will-Nominierung zu überzeugen, liefert Gössner Entertainment vom Feinsten.

Am Samstag im Sprint trauten wir unseren Augen kaum. Fehlerfrei. Zehn Schüsse, N-U-L-L Fehler. Kaum zu glauben. Zwar war auf der Schlussrunde nicht viel von ihrer Olympia-Wunderlaufform zu sehen, aber hey, Platz sechs. Erstes Top-Ten-Ergebnis der Saison. WM-Norm beisammen. Großartig!

Und tags drauf, in der Verfolgung? Knoten geplatzt? Ähem, nein. Acht Fehler bei zwanzig Schüssen. Ja, A-C-H-T. Trotzdem noch Rang 20. Aber am Schießstand ist es wirklich zum Mäusemelken mit ihr. Immerhin, es wird nie langweilig, versprochen.

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