Rechtsstreit in der Sackgasse

Verdrängen als Patentrezept

SID
Sonntag, 21.10.2007 | 14:10 Uhr
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München- Die deutschen Ski-Sportler wollen auf die Negativ-Schlagzeilen im Fernseh-Wirrwarr mit Erfolgen reagieren.

"Das kann man nur mit guten Leistungen kontern. Wenn man erfolgreich fährt, dann interessieren sich die Leute für den Sport und damit auch das Fernsehen", kündigte der alpine Skirennfahrer Felix Neureuther vor dem Auftakt der Weltcup-Saison an.

Die alpinen Skirennfahrer starten am kommenden Wochenende in Sölden in den Winter, für die Langläufer geht es auf der Düsseldorfer Stadtstrecke in die Saison. Die Fans werden davon nichts live im Fernsehen mitbekommen, denn von den Auftakt-Wettbewerben wird es keine TV-Bilder geben.

Das hat aber nichts mit dem Streit zwischen dem Deutschen Skiverband (DSV) und seinem langjährigen Partner RTL um den neuen Fernseh-Vertrag zu tun, der erst ab November gilt. Die Sender haben in diesem Fall selbst entschieden, nicht live zu berichten.

In der Sackgasse

Bei der Vermarktung der TV-Rechte der Ski-Wettbewerbe aus Deutschland sind die Verhandlungspartner derzeit in einer Sackgasse. Der neue Rechte-Inhaber Infront kann die Rennen nicht an Fernseh-Sender weiterverkaufen, weil der alte Rechte-Inhaber RTL auf eine Vertragsklausel pocht, laut der er sich nach eigener Ansicht die Rechte für das selbe Angebot wie Infront zurückholen könnte.

"Ich wüsste nicht, dass der DSV Barrieren aufgebaut hätte. Wir sind die, die in wenigen Wochen in Deutschland Veranstaltungen haben, die riesige Auswirkungen haben auf unser zukünftiges internationales Geschäft. Wenn die Weltcups nicht ausgestrahlt werden, wird es keine Weltmeisterschaften geben. Ich weiß auch nicht, ob eine Olympia- Bewerbung ohne erfolgreichen DSV stattfindet", mahnte DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller eine schnelle Einigung an.

Der DSV bewirbt sich um die Biathlon-Titelkämpfe 2012 und die nordische Ski- WM 2013.

Nachwuchs Opfer der Sparmaßnahmen

Pfüller warnte davor, dass die Sache "letztlich auf dem Rücken der Athleten ausgetragen wird". Ähnlich sieht es Langläuferin Evi Sachenbacher-Stehle. "Unser gesamter Sport hängt davon ab. Wir Top-Athleten können weitermachen, aber für den Nachwuchs sieht es schlecht aus. Wir hoffen, dass man zu einem Ergebnis kommt, damit alles so weiterläuft wie bisher", sagte die Bayerin.

"Die Dinge sind so verfahren, dass wir vom Sport nicht viel dazu sagen können", erklärte Alpin-Direktor Wolfgang Maier. Als ersten Schritt hatte der Verband alle DSV-Trainingsmaßnahmen unterhalb der Weltcup-Ebene in sämtlichen Disziplinen ausgesetzt. "Letztlich zahlen die Kleinen, wovon wir eh' nicht so viele haben in Deutschland."

Hoffen auf Einsicht

Zwar trifft der TV-Ärger die Weltcup-Mannschaften noch nicht und war auf einem Mannschaftsabend auch kein großes Thema, doch mittelbar könnten auch Maria Riesch, Tobias Angerer, Martin Schmitt & Co. die Auswirkungen zu spüren bekommen. "Der Marktwert ist davon abhängig, ob der Sportler sichtbar ist in der Öffentlichkeit", sagte Maier. Beim starken deutschen Wintersportmarkt sind die Einschaltquoten traditionell mit die höchsten.

"Die Spitzensportler können das zwar eine Weile überbrücken, aber letztlich leben auch sie davon, dass ihre Leistungen im Fernsehen gezeigt werden", sagte auch der alpine Herren-Cheftrainer Christian Scholz. "Im Moment scheint nicht der Wille zum gemeinsamen Vertragsabschluss da zu sein. Deshalb hoffe ich auf Einsicht bei allen Vertragspartnern."

Um dem Nachwuchs ein wenig aus der Klemme zu helfen, schlüpften die Wintersport-Asse schon einmal in die Spendierhosen und kündigten an, möglicherweise auf Prämien zu verzichten oder Trainingstage mit Nachwuchssportlern einzulegen. "Wir waren uns einig, dass wir etwas tun sollten oder zumindest anbieten", sagte die viermalige Weltcup- Siegerin Maria Riesch über die Spontanaktion. Tobias Angerer, zweimaliger Gesamt-Weltcupsieger im Langlauf, meinte: "Wir haben einige Ideen, nun müssen wir schauen, wie wir sie umsetzen."

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