Finanznot beim DSV

"Das ist eine Katastrophe"

SID
Mittwoch, 17.10.2007 | 16:05 Uhr
© Getty
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Hamburg/Östersund - Ein strittiger TV-Vertrag stürzt den Deutschen Skiverband (DSV) in akute Finanznot und droht den Münchner Olympia-Ambitionen für die Winterspiele 2018 zu schaden.

Bei alpinen und nordischen Weltcups in Deutschland könnte der Bildschirm im kommenden Winter schwarz bleiben. Zudem wurden wegen der ausbleibenden Fernsehgelder alle DSV-Trainingsmaßnahmen unterhalb der Weltcup-Ebene in sämtlichen Disziplinen ausgesetzt, viele Nachwuchs- Mannschaften vorerst nach Hause geschickt.

"Es wäre einer möglichen Olympia-Bewerbung Münchens abträglich, wenn der Wintersport im Fernsehen nicht stattfindet", äußerte sich Thomas Bach alarmiert über eine missliche Lage. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mahnte eine schnelle Lösung an, "weil es ein schiefes Bild abgibt, wenn der deutsche Wintersport, die Nummer eins der Welt, nicht auf dem Bildschirm erscheint."

Zweistelliger Millionenbetrag fehlt

Hintergrund der Misere ist die ungeklärte Vertragssituation um die TV-Rechte. Im Frühjahr schloss der Verband mit der Agentur Infront eine Vereinbarung bis 2011 ab. Der bisherige Rechteinhaber RTL pocht jedoch auf Einhaltung eines Vertragspassus, der den neuen Kontrakt hinfällig lassen werden könnte.

Nach Ansicht des Kölner Privatsenders kann RTL durch ein sogenanntes "Matching Offer Right" den Infront- Vertrag überbieten und sich damit doch noch die TV-Rechte sichern. "Dieser rechtlichen Verpflichtung ist der DSV allerdings immer noch nicht nachgekommen", sagte ein RTL-Sprecher.

Damit fehlen dem Verband derzeit die jährlichen Einnahmen in zweistelliger Millionen-Höhe. "Wir haben einen Vertragszustand mit Infront", betonte ein DSV-Sprecher, räumte aber auch "schwierige Gespräche" ein. "Wir gehen davon aus, dass wir gemeinsam mit dem bisherigen Partner RTL und unserem neuen Vertragspartner Infront wie deren möglichen Abnehmern im nationalen und internationalen Markt eine zeitnahe Klärung der Situation erreichen", sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann.

Von 2002 bis 2007 hatte RTL pro Saison rund 15 Millionen Euro gezahlt. Eine juristische Ebene haben die konträren Standpunkte nach RTL-Angaben noch nicht erreicht. Grundsätzlich bestünde aber weiter Interesse an Wintersport-Übertragungen. RTL hat die Rechte für die beiden in Österreich stattfindenden Springen der Vierschanzen- Tournee 2007/2008 und an der Skiflug-WM 2008.

Athleten müssen selber zahlen

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle warnte vor weitreichenden Konsequenzen. "Das ist eine Katastrophe für die Athleten. Wenn sich die Probleme ausweiten, wird dies auch die Top-Athleten treffen. Dann können wir die Erfolge der vergangenen Jahre ad acta legen", sagte Behle in einem dpa-Gespräch. Die Anschlusskader müssen künftige Maßnahmen wie Trainingslager und Wettkämpfe vorerst selbst finanzieren. "Die Sportler sind enttäuscht, greifen aber erst einmal in die eigene Tasche", erklärte Behle.

"Um die Leistungsfähigkeit der Weltspitzenathleten zu sichern, werden kostenaufwändige Lehrgangsmaßnahmen unterhalb der Weltcup-Mannschaften in den kommenden Wochen und Monaten nicht durchgeführt", erklärte der DSV per Pressemitteilung.

Schon beim Weltcup-Auftakt der Langläufer in der nächsten Woche in Düsseldorf müssen die Athleten aus der nationalen Gruppe die Kosten selbst tragen. Insgesamt würden sieben Langläufer Auswirkungen spüren, berichtete der Bundestrainer. Behle fürchtet, dass künftig auch die Elite um den zweimaligen Weltcup-Gesamtsieger Tobias Angerer von den Sparmaßnahmen des DSV betroffen sein könnte, "denn der Techniker-Stab leidet auch darunter. Auch die Top-Athleten sind traurig, dass es trotz der vielen Erfolge bisher nicht gelungen ist, einen medialen Partner für die Sportart zu finden", sagte Behle.

Übertragung noch ungeklärt

Völlig unklar bleibt, wer die deutschen Wintersport-Weltcups überträgt. Möglich wäre eine abgespeckte Lösung. Die öffentlich- rechtlichen Sender warten erst einmal ab: "Es gibt eine Entscheidung von ARD und ZDF, sich dem Thema im Moment nicht zu nähern", sagte Jörg Augustin, der Geschäftsführer der Sportrechte-Agentur SportA.

Auch der Weltskiverband FIS ist besorgt. "Dass sich die Verhandlungen so lange hinziehen, behindert natürlich die Vorbereitungen. Unser Präsident Gian Franco Kasper hat schon ein Gespräch mit den Beteiligten und Rechteinhabern geführt, doch leider stehen die Entscheidungen weiter aus", sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis beim Forum Nordicum in Östersund.

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