UFC 148 in Las Vegas

Champion Silva zerpflückt Sonnen

Von Oliver Copp
Sonntag, 08.07.2012 | 11:29 Uhr
Konnte seinen UFC-Titel im Mittelgewicht gegen Chael Sonnen (l.) verteidigen: Anderson Silva
© UFC
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Just als man dachte, Chael Sonnen würde seine Drohung wahrmachen und Anderson Silva die Weltmeisterschaft der UFC 148 im Mittelgewicht abnehmen, wendete der Brasilianer das Blatt und fügte dem Amerikaner seine erste vorzeitige Niederlage durch technischen Knockout zu, der nicht einer Cutverletzung geschuldet war.

Im Hauptkampf von UFC 148 gelang Anderson Silva die Verteidigung seiner Weltmeisterschaft im Mittelgewicht gegen Chael Sonnen. Sonnen zeigte in der ersten Runde sofort einen Takedown und kontrollierte den Rest der Runde das Geschehen aus Silvas Guard und später aus dem Full Mount heraus.

Die Bilder waren bekannt, Sonnens Dominanz ebenfalls - würde er diesmal das schaffen, was ihm vor zwei Jahren verwehrt geblieben war?

Weltmeister Silva dreht auf

Doch in der zweiten Runde drehte der Weltmeister auf und griff tief in die Trickkiste, um seinen Herausforderer zu besiegen. Während Sonnen an einem Takedown am Käfig arbeitete, brachte Silva ihn auf Distanz, zog ihn an der Hose und schlug gleichzeitig zu.

Wenig später versuchte Sonnen am Käfig einen Ellenbogenstoß aus der Drehung, verlor jedoch die Balance und fiel zu Boden. Silva kam mit einem Kniestoß zum Solar Plexus angestürmt, traf Sonnen und raubte ihm so die Luft. Einige Schläge später sah sich Ringrichter Yves Lavigne gezwungen, den Kampf abzubrechen und Anderson Silva nach 1:55 Minuten der zweiten Runde zum Sieger durch technischen Knockout zu erklären.

Nach dem Kampf betonte er, es gebe keine Unstimmigkeiten zwischen ihm und Chael Sonnen, dass dies ein Sport sei und dass seine brasilianischen Landsmänner ihre Manieren beweisen sollten, indem sie Sonnen applaudieren. Dies gelang nur ansatzweise.

Ortiz: Abschied mit Niederlage

Dem früheren Halbschwergewichtsmeister Tito Ortiz war es leider nicht vergönnt, sich mit einem Sieg aus dem aktiven Geschehen zu verabschieden.

Im Kampf gegen Forrest Griffin gab Ortiz ein drittes und letztes Mal alles. Die erste Runde war ausgeglichen, aber Tito Ortiz gelang wenige Sekunden vor Ende ein Takedown, aufgrund dessen man die Runde für ihn hätte werten können. Im zweiten Durchgang kam Griffin immer besser in den Kampf und landete mehr Treffer, wurde allerdings gegen Rundenmitte von Ortiz mit einer Rechten angeklingelt.

In der letzten Runde waren beide Kämpfer erschöpft, mobilisierten aber noch einmal die letzten Reserven. Ortiz gelang ein Knockdown und ein Takedown, aus dem er aber nichts machen konnte. Griffin arbeitete aus der Unterlage an einem Kimura-Armhebel, den Tito jedoch geschickt konterte.

Am Ende standen die Fans in der Halle, und obwohl der Sieg mit 29-28, 29-28 und 29-28 einstimmig an Forrest Griffin gegangen sein mag, kann Tito Ortiz sich nun erhobenen Hauptes und als Mitglied der Ruhmeshalle der UFC seiner nächsten Lebensphase widmen.

Aufgabe nach 47 Sekunden

Cung Le gewann etwas überraschend einstimmig mit 30-27, 30-27 und 30-27 Punkten gegen Patrick Cote. In den ersten beiden Runden zeichnete sich immer wieder dasselbe Bild: Le versuchte sich an Einzelaktionen, während Cote Kombinationen abfeuerte. Le und Cote bewiesen beide enorme Nehmerfähigkeiten, aber so richtig konnte bei diesem Kampf der Funke nicht überspringen.

Man muss Cung Le Respekt dafür zollen, dass er im nicht mehr ganz taufrischen Alter von 40 Jahren mit Cote über die Distanz ging, zumal er rein körperlich im Mittelgewicht nicht gut aufgehoben ist. Es ist schön, dass er den Sieg mitnehmen konnte, aber in Hinblick auf Kämpfe gegen die Besseren der Division wird es eng aussehen, sollte Le nicht in einen zweiten Frühling kommen.

Der hoch favorisierte Dong Hyun Kim zog sich bei einem Takedownversuch von Demian Maia eine Rippenverletzung zu und musste deswegen nach nur 47 Sekunden aufgeben.

Chad Mendes traf Cody McKenzie mit einer harten Rechten zum Rippenbogen, die McKenzie die Luft raubte. Ringrichter Steve Mazzagatti ging nach nur 31 Sekunden dazwischen und erklärte Mendes zum Sieger durch technischen Knockout.

Pubklikum fast eingeschlafen

Im ersten Kampf des Hauptprogramms gingen Ivan Menjivar und Mike Easton über die volle Distanz von drei Runden. Anders als in den unteren Gewichtsklassen sonst üblich, herrschte weder ein hohes Tempo vor, noch ließen sich die beiden auf einen echten Schlagabtausch ein. Stattdessen wurde gezirkelt, was das Zeug hielt, und in Runde drei war das Publikum schon so eingeschlafen, dass daran ein von Easton durchgebrachter Takedown auch nichts ändern konnte. Easton gewann einstimmig 30-27, 30-27 und 29-28.

Das Vorprogramm war bis auf den Hauptkampf ebenso wenig erbaulich und bot kaum Highlights. Melvin Guillard schlug Fabricio Camoes nach drei Runden mit 30-27, 30-27 und 30-27 Punkten. Khabib Nurmagomedov besiegte Gleison Tibau einstimmig mit 30-27, 30-27 und 30-27 Punkten.

Costa Philippou setzte sich nach Punkten gegen Riki Fukuda durch. Offizielle Wertung: 30-27, 30-27 und 29-28. Shane Roller holte sich einen Punktsieg (29-28, 29-28 und 29-28) gegen John Alessio. Im Eröffnungskampf der Veranstaltung besiegte Rafaello Oliveira den kubanischen Fighter Yoislandy Izquierdo einstimmig nach Punkten.

Alle UFC-Champions im Überblick

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