Montag, 16.02.2015

Renaissance des Bahn-Vierers

Das Flaggschiff ist wieder auf Kurs

2008 und 2012 fanden die Olympischen Spiele ohne den deutschen Bahnrad-Vierer statt. Inzwischen ist die große Krise aber ausgestanden. Bei der WM scheint Bronze möglich, die Qualifikation für Rio 2016 ist fest eingeplant.

Der Bahn-Vierer möchte die Qualifikation für Rio 2016 klar machen
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Der Bahn-Vierer möchte die Qualifikation für Rio 2016 klar machen

Für den heutigen Bundestrainer Sven Meyer war die jahrelange Bahnvierer-Misere wie der Gang durch ein nicht enden wollendes Tränental. Zweimal nacheinander verpasste das einst so ruhmreiche Flaggschiff des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) die Olympischen Spiele, verschwand irgendwo im Mittelmaß.

"Wenn man die Tradition betrachtet, gehört Deutschland einfach in die Weltspitze", sagte Meyer dem "SID": "Es war traurig, dass es um die Frage ging: Sind wir überhaupt dabei oder nicht?"

Doch Krise oder Stagnation ist nicht mehr, der Umschwung offensichtlich gelungen. Bei der WM in Saint-Quentin-en-Yvelines nahe Paris (18. bis 22. Februar) scheint ab Mittwoch in der 4000-m-Mannschaftsverfolgung sogar ein Podestplatz möglich - es wäre der erste seit 13 Jahren.

Medaille im Blick

"Wenn alles passt, wollen wir eine Medaille angreifen", sagte Meyer, der ab 2011 den Neuanfang einleitete und nun beginnt, die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Für BDR-Sportdirektor Patrick Moster wäre Bronze freilich noch immer "eine riesengroße Sensation".

Meyer hat den Vierer jedenfalls wieder an die Besten herangeführt, liegt klar auf Kurs in Richtung Rio 2016. Das BDR-Team ist derzeit Dritter des Nationenrankings, nur Australien und Großbritannien scheinen noch zu stark.

Olympia in Brasilien kann lediglich ein anhaltender Leistungseinbruch gefährden, weil sich die sechs besten europäischen Teams qualifizieren. Nach der WM 2016 in London wird der endgültige Strich gezogen.

"Zuletzt haben wir bei einer WM immer die Pistole auf der Brust gehabt", sagte Meyer, "diesmal sind wir sehr entspannt." Nach Mosters Ansicht sind unter dem Nachfolger von Andreas Petermann "enorme Fortschritte" gelungen, "die wir in der kurzen Zeit nicht für möglich gehalten hätten."

"Der Kern arbeitet seit 2012 auf 2016 hin"

Beim Weltcup in Guadalajara/Mexiko im November stellten Theo Reinhardt, der derzeit am Knie verletzte Leon Rohde, Henning Bommel und Nils Schomber zwar höhenunterstützt, aber in 3:57,507 Minuten dennoch einen bemerkenswerten deutschen Rekord auf.

Ein Kreis von acht nahezu gleichwertigen Fahrern sorgt für belebende Konkurrenz, fast alle sind in einem vom Verband gegründeten Team vereint.

Reinhardt und Bommel sollen am Mittwochnachmitag im nagelneuen Vélodrome National mit Kersten Thiele und Domenic Weinstein auch die Qualifikation für die Medaillenrennen bestreiten. Bis auf den 31-jährigen Bommel ist zudem kein Fahrer älter als 24. "Der Kern arbeitet seit 2012 auf 2016 hin. Es gibt uns ganz andere Möglichkeiten, ein Team zu formen", findet Meyer.

Die Toursieger der letzten 15 Jahre
Am Mont Ventoux ließ er Pantani (r.) noch gewinnen. Aber am zweiten Sieg von Armstrong konnte im Jahr 2000 weder der noch Jan Ullrich etwas ändern (Titel annulliert)
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Am Mont Ventoux ließ er Pantani (r.) noch gewinnen. Aber am zweiten Sieg von Armstrong konnte im Jahr 2000 weder der noch Jan Ullrich etwas ändern (Titel annulliert)
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Die Tour 2001 ging in die Geschichte ein: Armstrong mimte am Berg den Leidenden, warf dann Ullrich den berühmten Blick über die Schulter zu - und weg war er! (Titel annulliert)
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Die Tour 2001 ging in die Geschichte ein: Armstrong mimte am Berg den Leidenden, warf dann Ullrich den berühmten Blick über die Schulter zu - und weg war er! (Titel annulliert)
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Beim vierten Streich von Armstrong im Jahr 2002 war Ullrich nicht am Start, dementsprechend ungefährdet radelte der Dominator zum Sieg (Titel annulliert)
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Beim vierten Streich von Armstrong im Jahr 2002 war Ullrich nicht am Start, dementsprechend ungefährdet radelte der Dominator zum Sieg (Titel annulliert)
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Ein Jahr später bot sich ein anderes Bild: Ullrich verlangte Armstrong alles ab. 61 Sekun- den betrug am Ende sein Vorsprung, aber es reichte zum fünften Sieg (Titel annulliert)
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Ein Jahr später bot sich ein anderes Bild: Ullrich verlangte Armstrong alles ab. 61 Sekun- den betrug am Ende sein Vorsprung, aber es reichte zum fünften Sieg (Titel annulliert)
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Keine Geschenke gab es 2004: Armstrong holte sich fünf Etappensiege und das Mannschaftszeitfahren - der sechste Sieg in Serie! (Titel annulliert)
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Keine Geschenke gab es 2004: Armstrong holte sich fünf Etappensiege und das Mannschaftszeitfahren - der sechste Sieg in Serie! (Titel annulliert)
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Sieben auf einen Streich: Der letzte Sieg des Texaners gelang ihm 2005. Wegen Doping wurden Armstrong aber alle Titel wieder aberkannt (Titel annulliert)
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Sieben auf einen Streich: Der letzte Sieg des Texaners gelang ihm 2005. Wegen Doping wurden Armstrong aber alle Titel wieder aberkannt (Titel annulliert)
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Eigentlich gewann Floyd Landis die Tour 2006. Drei Tage später flog er wegen Dopingmissbrauchs auf und aus dem Klassement. Der Titel ging an Oscar Pereiro
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Eigentlich gewann Floyd Landis die Tour 2006. Drei Tage später flog er wegen Dopingmissbrauchs auf und aus dem Klassement. Der Titel ging an Oscar Pereiro
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2007 holte Alberto Contador (r.) seinen ersten Sieg. Am Berg war der Spanier eine Klasse für sich. Winokurow und der Däne Rasmussen (l.) wurden des Dopings überführt
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2007 holte Alberto Contador (r.) seinen ersten Sieg. Am Berg war der Spanier eine Klasse für sich. Winokurow und der Däne Rasmussen (l.) wurden des Dopings überführt
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Überraschung! 2008 gewann der Spanier Carlos Sastre in Alpe d'Huez und siegte in Paris mit 58 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans
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Überraschung! 2008 gewann der Spanier Carlos Sastre in Alpe d'Huez und siegte in Paris mit 58 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans
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Ihn konnte auch das Comeback von Lance Armstrong nicht stoppen: Souverän holte sich Alberto Contador 2009 seinen zweiten Toursieg
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Ihn konnte auch das Comeback von Lance Armstrong nicht stoppen: Souverän holte sich Alberto Contador 2009 seinen zweiten Toursieg
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Der Luxemburger Andy Schleck (M.) bekam den Toursieg 2010 am grünen Tisch zugesprochen: Contador (l.) hatte gedopt. Verunreinigtes Steak - na klar!
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Der Luxemburger Andy Schleck (M.) bekam den Toursieg 2010 am grünen Tisch zugesprochen: Contador (l.) hatte gedopt. Verunreinigtes Steak - na klar!
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2011 durfte sich der Australier Cadel Evans in die Siegerliste eintragen. Im Zeitfahren und am Berg zermürbte er unter anderem die Gebrüder Schleck
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2011 durfte sich der Australier Cadel Evans in die Siegerliste eintragen. Im Zeitfahren und am Berg zermürbte er unter anderem die Gebrüder Schleck
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2012 fuhr Bradley Wiggins im Gelben Trikot am Triumphbogen vorbei. Er ist der erste Brite überhaupt, der die Frankreich-Rundfahrt gewinnen konnte
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2012 fuhr Bradley Wiggins im Gelben Trikot am Triumphbogen vorbei. Er ist der erste Brite überhaupt, der die Frankreich-Rundfahrt gewinnen konnte
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Wieder Sky! Auch 2013 triumphierte das britische Team bei der Tour de France. Christopher Froome wurde der Nachfolger von Bradley Wiggins
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Wieder Sky! Auch 2013 triumphierte das britische Team bei der Tour de France. Christopher Froome wurde der Nachfolger von Bradley Wiggins
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Vincenzo Nibali (M.) ließ bei der 2014er Tour de France nie Zweifel an seinem Sieg aufkommen und dominierte nach Belieben
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Vincenzo Nibali (M.) ließ bei der 2014er Tour de France nie Zweifel an seinem Sieg aufkommen und dominierte nach Belieben
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Anfangs wie eine Maschine, am Ende mit Schwächen: Trotzdem reichte es für Froome in Paris
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Anfangs wie eine Maschine, am Ende mit Schwächen: Trotzdem reichte es für Froome in Paris
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All diese Bausteine hätten "Signalwirkung", wie Moster sagt. "Wir haben jetzt einen ganz anderen Anspruch", betonte Meyer. Auf seinem Höhepunkt sieht der Sportdirektor den neuen Vierer aber noch lange nicht, bezeichnet Rio sogar als "Zwischenstation" für Tokio 2020.

Dort soll der Leistungszenit erreicht werden. "Wir haben sicher noch Luft", meinte Moster: "Es war richtig, auf die jungen Athleten zu setzen."

Das Aufgebot des BRD:

Ausdauer Männer: Maximilian Beyer (21 Jahre/Nordhausen), Henning Bommel (31/Finsterwalde), Lucas Liss (23/Unna), Theo Reinhardt (24/Berlin), Nils Schomber (20/Neuss), Kersten Thiele (22/Göttingen), Domenic Weinstein (20/Villingen-Schwenningen)

Ausdauer Frauen: Charlotte Becker (31/Datteln), Anna Knauer (19/Eichstätt), Mieke Kröger (21/Bielefeld), Tatjana Paller (19/Starnberg), Stephanie Pohl (27/Cottbus), Gudrun Stock (19/Deggendorf)

Kurzzeit Männer: Stefan Bötticher (23/Leinefelde), Joachim Eilers (24/Köln), Eric Engler (23/Cottbus), René Enders (28/Zeulenroda), Robert Förstemann (28/Greiz), Maximilian Levy (27/Berlin)

Kurzzeit Frauen: Miriam Welte (28/Kaiserslautern), Kristina Vogel (24/Erfurt)


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