Sonntag, 01.12.2013

Jan Ullrich wird 40

"Jetzt-Mensch" ohne Rückspiegel

Am Montag feiert Jan Ullrich seinen 40. Geburtstag. Mit der Vergangenheit will sich das einstige deutsche Radsport-Idol, das 1997 die Tour de France gewann, nicht mehr beschäftigen.

Jan Ullrich war über Jahre hinweg der Star des deutschen Radsports
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Jan Ullrich war über Jahre hinweg der Star des deutschen Radsports

Er sei ein "Jetzt-Mensch", sagt Jan Ullrich. Einer, der "nicht gern" zurückschaut, "eher schon in die Zukunft". Kurz vor seinem 40. Geburtstag am Montag ist das so etwas wie sein Lebensmotto geworden. Doch auf die Vergangenheit wird der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger immer wieder gestoßen.

Seine Dopingvergehen sind auch bald sieben Jahre nach seinem Laufbahnende nicht vollständig aufgeklärt, was vor allem an Ullrich selbst liegt. "Ich habe mit dem Thema abgeschlossen", sagte er dennoch im Gespräch mit dem "NDR"-Hörfunk: "Ich habe meine Strafe genommen, ich habe es bereut, und ich stehe auch zu meinem Fehler".

Burnout-Erkrankung

Ullrich war der deutsche Rad-Kaiser, doch sein öffentliches Image ist längst ins Bodenlose gestürzt. Er wurde vergöttert und später verdammt wie selten ein Sportheld zuvor. Der Umgang mit seiner Verwicklung in die Affäre um den Dopingarzt Eufemiano Fuentes, die seine Laufbahn jäh beendete, trug wesentlich dazu bei. Zum Bericht des französischen Senats, der ihn im Sommer des Dopings bei der Tour 1998 überführte, äußert er sich nicht. "Ich muss mit dem Schlechtem und mit dem Guten auskommen", sagt Ullrich: "Ich kann ganz gut damit leben, weil ich mit mir wieder im Einklang bin".

Jan Ullrich - Vom Idol zum Dopingsünder
Jan Ullrich löste einst einen Radsport-Hype aus, nun schockierte er seine Bewunderer mit dem Geständnis. Vom Idol zum Dopingsünder: Die Karriere in Bildern
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Jan Ullrich löste einst einen Radsport-Hype aus, nun schockierte er seine Bewunderer mit dem Geständnis. Vom Idol zum Dopingsünder: Die Karriere in Bildern
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Erstmals im Fokus stand Ullrich (m.) bei der Tour de France 1996 - damals als Edelhelfer von Bjarne Riis (Gelb). "Ulle" galt als der bessere Fahrer, musste sich aber unterordnen
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Erstmals im Fokus stand Ullrich (m.) bei der Tour de France 1996 - damals als Edelhelfer von Bjarne Riis (Gelb). "Ulle" galt als der bessere Fahrer, musste sich aber unterordnen
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Am Ende belegte Ullrich den zweiten Platz hinter Teamkollege Riis und vor dem Franzosen Richard Virenque, der sich dazu noch das Trikot des besten Bergfahrers schnappte
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Am Ende belegte Ullrich den zweiten Platz hinter Teamkollege Riis und vor dem Franzosen Richard Virenque, der sich dazu noch das Trikot des besten Bergfahrers schnappte
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Nur ein Jahr später sollte Ullrich den Thron des Radsports erklimmen: Als neuer Kapitän des Team Telekom fuhr er bei der Tour 1997 ins Gelbe Trikot und behielt es bis Paris
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Nur ein Jahr später sollte Ullrich den Thron des Radsports erklimmen: Als neuer Kapitän des Team Telekom fuhr er bei der Tour 1997 ins Gelbe Trikot und behielt es bis Paris
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Mit dem Toursieg hatte Ullrich das geschafft, was zuvor kein Deutscher geschafft hatte. Die Medien feierten Ullrich, Teamkollege und Freund Erik Zabel gewann das Grüne Trikot
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Mit dem Toursieg hatte Ullrich das geschafft, was zuvor kein Deutscher geschafft hatte. Die Medien feierten Ullrich, Teamkollege und Freund Erik Zabel gewann das Grüne Trikot
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Es sollte der einzige Erfolg bleiben. 1998 macht ihm Marco Pantani (Gelb) einen Strich durch die Rechnung - Ullrich landet nur auf Platz zwei
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Es sollte der einzige Erfolg bleiben. 1998 macht ihm Marco Pantani (Gelb) einen Strich durch die Rechnung - Ullrich landet nur auf Platz zwei
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Im Jahr 2000 kehrt Lance Armstrong (l.) nach Krebserkrankung zurück. Er sollte zu Ullrichs größtem Gegner werden - auch beim Doping-Geständnis war Armstrong schneller
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Im Jahr 2000 kehrt Lance Armstrong (l.) nach Krebserkrankung zurück. Er sollte zu Ullrichs größtem Gegner werden - auch beim Doping-Geständnis war Armstrong schneller
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Nach Armstrongs Beichte 2013 sagte Ullrich der "Sport Bild": "Der liebe Gott richtet alles. Er hat sich zu viele Feinde gemacht, hat seine Untergebenen teilweise gnadenlos geführt."
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Nach Armstrongs Beichte 2013 sagte Ullrich der "Sport Bild": "Der liebe Gott richtet alles. Er hat sich zu viele Feinde gemacht, hat seine Untergebenen teilweise gnadenlos geführt."
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2002 der erste Skandal: Nach einem Autounfall wurde er positiv auf Amphetamine getestet. Er habe von unbekannten Pillen in einer Diskothek genommen - sechs Monate Sperre
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2002 der erste Skandal: Nach einem Autounfall wurde er positiv auf Amphetamine getestet. Er habe von unbekannten Pillen in einer Diskothek genommen - sechs Monate Sperre
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2003 folgte der Wechsel zum Team Bianchi: Auch dort wollte ihm nicht der 2. Gesamtsieg gelingen, er belegte zum fünften Mal den zweiten Platz
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2003 folgte der Wechsel zum Team Bianchi: Auch dort wollte ihm nicht der 2. Gesamtsieg gelingen, er belegte zum fünften Mal den zweiten Platz
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Trotzdem bekam Ullrich 2003 noch eine begehrte Trophäe: Wie 1997 wurde er als Sportler des Jahres ausgezeichnet
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Trotzdem bekam Ullrich 2003 noch eine begehrte Trophäe: Wie 1997 wurde er als Sportler des Jahres ausgezeichnet
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2004 kehrte er zu Telekom, dass sich jetzt T-Mobile nennt, zurück. Andreas Klöden (l.) hieß sein neuer Helfer. Aufgrund einer Erkältung in den Pyrenäen belegte er am Ende Platz vier
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2004 kehrte er zu Telekom, dass sich jetzt T-Mobile nennt, zurück. Andreas Klöden (l.) hieß sein neuer Helfer. Aufgrund einer Erkältung in den Pyrenäen belegte er am Ende Platz vier
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2006 platzte die Bombe: Ullrich ist in den Fuentes-Doping-Skandal verwickelt, der fünf Tage vor Tour-Beginn an die Öffentlichkeit gerät. Am 30. Juni 2006 wird er ausgeschlossen
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2006 platzte die Bombe: Ullrich ist in den Fuentes-Doping-Skandal verwickelt, der fünf Tage vor Tour-Beginn an die Öffentlichkeit gerät. Am 30. Juni 2006 wird er ausgeschlossen
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"Ab dem Tag war nichts mehr, wie es war. Wie es dazu kommen konnte, weiß ich aber bis heute nicht." Nach seinem Toursieg 1997 ist Jan Ullrich ganz unten angekommen
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"Ab dem Tag war nichts mehr, wie es war. Wie es dazu kommen konnte, weiß ich aber bis heute nicht." Nach seinem Toursieg 1997 ist Jan Ullrich ganz unten angekommen
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Doch Ullrich sieht sich nicht als Dopingsünder: "Ich habe niemals in meiner Karriere einen anderen Rennfahrer betrogen. Das ist Fakt", sagte er dem Schweizer "Blick".
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Doch Ullrich sieht sich nicht als Dopingsünder: "Ich habe niemals in meiner Karriere einen anderen Rennfahrer betrogen. Das ist Fakt", sagte er dem Schweizer "Blick".
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2007 trat Ullrich zurück. "Ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher", so Ullrich damals. Am 22. Juni 2013 gibt er schließlich Blutdoping bei Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zu
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2007 trat Ullrich zurück. "Ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher", so Ullrich damals. Am 22. Juni 2013 gibt er schließlich Blutdoping bei Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zu
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Ullrich hat eine Burnout-Erkrankung überwunden und seine persönliche Idylle am Bodensee gefunden. Mit seiner Frau Sara und den drei Söhnen lebt er in Kreuzlingen auf der Schweizer Seite. Mit ihnen feiert er auch seinen runden Ehrentag. Er sagt, er versuche ein "normaler Mensch" zu sein. Auch wenn Ullrich weiß, dass das nicht immer geht. Der Olympiasieger von 2000 kümmert sich um seine Familie und diverse berufliche Engagements, wie Hobby-Radtouren mit Fans. "Insgesamt", sagt Ullrich, der auf Fotos einen erstaunlich fitten Eindruck macht, "fühle ich mich total glücklich. Das Leben, was ich jetzt führe, wäre für viele Urlaub".

"Es ist alles gesagt"

Wenn mal wieder "die Welt ein Stück zusammenfällt", wie nach seiner halbseidenen Beichte kurz vor der 100. Tour de France im Sommer, dann ziehe es ihn "natürlich" auch runter, gibt Ullrich zu. Wobei der gebürtige Rostocker bis heute den Wirbel um das "Focus"-Interview nicht versteht. Nach seiner Ansicht hatte er "nichts Neues gesagt, und dann kommt so ein Boom. Es war eigentlich gar nichts, und das wurde so richtig aufgebauscht".

Pläne, all die nicht aufgeklärten Vorwürfe noch zu erklären, hat er derzeit keine mehr. Ullrich hat sich, von seinem früher zum Teil heuchlerischen Umfeld gelenkt, in eine juristische Klemme manövriert. Viele glauben, dass seine Zurückhaltung auch damit zusammenhängt. "Es ist alles gesagt, und ich werde auch nichts mehr dazu sagen", betont der einstige Konkurrent von Lance Armstrong, der im Gegensatz zu Ullrich sein Insiderwissen zum Doping mit Institutionen teilen will.

"Stolz auf meine Karriere"

Sollte aber der Weltverband UCI im Zuge der Vergangenheitsbewältigung auf Ullrich zugehen, wolle man sich zumindest alles anhören, wie sein neues Management dem "SID" sagte. Doch zunächst scheint der Texaner seinem deutschen Rivalen, wie zumeist auf den Straßen Frankreichs, einen Schritt voraus.

Ullrich ficht das aber nicht an. Er zieht seine Energie aus der Familie und den Begegnungen mit seinen Fans, für die er pünktlich zum Geburtstag seine neue Website online stellt und die es immer noch zahlreich gibt. "Das ist eine gute Sache für mich und motivierend. Es spiegelt irgendwo wider, dass die Leute mich noch mögen", sagt er. Über diese Dinge spricht Ullrich ebenso gern wie über den Radsport, denn da kenne er sich aus, "das tut mir gut".

Genauso wie ein Stück Torte und ein Glas Rotwein, die er sich zur Feier des Tages sicher genehmigen wird. Und wenn er schon mal in seinem Weinkeller ist, wirft Ullrich dann vielleicht auch einen Blick in eine der Kisten, wo seine Gelben Trikots verstaut sind. "Trotz der Fehler, die ich begangen habe, bin ich sehr stolz auf meine Karriere. Ich habe wunderschöne Jahre gehabt".


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