Comeback nach Dopingsperre

Contador fährt um jeden Euro

SID
Dienstag, 07.02.2012 | 20:39 Uhr
Alberto Contador will nach Ablauf seiner Dopingperre wieder voll angreifen
© Getty
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Alberto Contador verschanzte sich in seinem Haus, bis sich die Dunkelheit über das kleine Städtchen Pinto gelegt hatte. Mit seinen engsten Vertrauten beriet der nun als Dopingsünder gebrandmarkte Spanier über seine Zukunft - und ließ die Öffentlichkeit fast anderthalb Tage im Dunkeln tappen. Erst am Dienstagabend äußerte sich Contador im Hotel Las Artes in Pinto zusammen mit Teamchef Bjarne Riis zu seiner Sperre. "Ich werde weiter Radfahren und sauber bleiben wie eh und je. Ich bin unschuldig."

Dem nun nur noch zweimaligen Tour-Sieger wird auch gar nichts anderes übrig bleiben. Zwar hatte Contador in den quälend langen 18 Monaten bis zur Verkündung des Urteils ("Es war eine zermürbende Zeit") immer wieder damit kokettiert, im Falle einer Sperre seine Karriere zu beenden. Doch angesichts der ins Haus stehenden Forderungen in Millionenhöhe, ist Contador auf jeden Euro angewiesen.

Nachdem dem 29-Jährigen alle Ergebnisse zwischen Juli 2010 und Februar 2012 - darunter zwölf Siege - aberkannt worden sind, dürften demnächst einige Rückforderungen der Veranstalter seinen Briefkasten in Pinto erreichen. Allein für den Gesamtsieg bei der Tour 2010 kassierte Contador 450.000 Euro, die er nun Andy Schleck überweisen muss.

Teures Urteil für Contador

Alles in allem soll sich die Summe auf 2,5 Millionen Euro belaufen. Traditionell werden diese Prämien im Team aufgeteilt. Der Spanier müsste also zum Bittsteller werden, will er das Geld nicht aus eigener Tasche zahlen.

Hinzu kommt eine Strafforderung des Radsport-Weltverbandes UCI über gut 2,5 Millionen Euro. Darüber will der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in den kommenden Wochen gesondert entscheiden. Nachdem der CAS allerdings schon im Dopingfall gegen Contador entschieden hat, dürfte er auch hier nicht um eine Zahlung herum kommen.

Der dritte Posten sind die Anwalts- und Verfahrenskosten. Nach Schätzungen spanischer Medien sind bereits rund eine Million Euro aufgelaufen. Dennoch wird Contador wahrscheinlich Einspruch gegen das CAS-Urteil einlegen und vor das Schweizer Bundesgericht ziehen.

"Wir werden weiter kämpfen", erklärte Contador: "Meine Anwälte prüfen derzeit, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen." Billiger wird die Angelegenheit dadurch nicht. Zumal Contador durch die Sperre und die Rufschädigung auch noch Sponsorengelder in beachtlicher Höhe entgehen dürften.

Landis als Warnung

Floyd Landis, dem vor Contador als bisher einzigem Fahrer der Sieg bei der Tour de France aberkannt worden war, dürfte als warnendes Beispiel gelten. Er flüchtete sich jahrelang in Unschuldsbeteuerungen, sammelte angeblich zwei Millionen Dollar Spenden von Fans für seine Verfahren ein - und gestand am Ende doch. In Amerika glaubt man Landis deshalb kein Wort mehr. Als er Lance Armstrong öffentlich des Dopings beschuldigte, hatte er nur eine Minderheit auf seiner Seite.

Die spanische Öffentlichkeit dürfte in ihrer Mehrheit an Contadors Seite stehen. Schon vor einem Jahr hatte der damalige Ministerpräsident Jose Luis Zapatero für Contador Partei ergriffen, am Tag des Urteils taten es viele Radprofis. In einer Umfrage der Sportzeitung "Marca" gaben 84 Prozent der Befragten an, dass die Strafe für Contador ungerecht sei.

Saxo-Bank-Lizenz in Gefahr

Contador wird in den Augen der Spanier wohl als Held zurückkehren, wenn er am 18. August aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Vuelta startet. Es könnte allerdings trotz Ablauf seiner Sperre für lange Zeit sein letzter großer Auftritt gewesen sein.

In den vergangenen Jahren hatten die Organisatoren von Tour und Giro prominente Fahrer nach ihrer Sperre noch ein Jahr in der Warteschleife gelassen, ehe sie wieder willkommen waren.

Außerdem muss Contador befürchten, Mitglied eines zweitklassigen Teams zu sein. Denn mit den Ergebnissen hat Contador auch alle erfahrenen Ranglistenpunkte verloren. Die Lizenzkommission der UCI prüft nun, ob der Rennstall Saxo Bank unter den neuen Umständen überhaupt die Lizenz für die Eliteklasse WorldTour behalten darf, die für die größten 28 Rennen ein Startrecht garantiert.

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