Nach EM-Debakel von Rotterdam

Der Kurs von Totilas bricht ein

SID
Montag, 22.08.2011 | 11:33 Uhr
Matthias Rath mit Wunderpferd Totilas blieb bei der EM in Rotterdam ohne Medaillengewinn
© Getty
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Schmerzhafter hätte der Absturz von Matthias Rath und seinem Millionenpferd Totilas bei der Dressur-EM nicht sein können. Trotz des riesigen Investments blieb das Paar im Einzel ohne Medaille.

Isabell Werth steht als neue Reiterin nicht zur Verfügung, ein neues Millionenpferd will Investor Paul Schockemöhle auch nicht kaufen. Nach der Entzauberung von Totilas bei der Dressur-EM in Rotterdam schossen die wildesten Spekulationen über mögliche Neuerungen ins Kraut. Schließlich sagte Klaus-Martin Rath, Vater und Trainer des glücklosen Reiters Matthias Rath: "Es gibt keine großen Veränderungen. Wir setzen unsere Linie fort."

Alles bleibt also beim Alten. Rath junior wird Totilas auch weiterhin reiten und hoffen, dass er bei Olympia 2012 endlich ganz oben auf dem Treppchen steht. "Wer den Großen Dressurpreis von Aachen gewinnt und dabei fast alle Top-Paare schlägt, braucht seinen Kurs nicht zu ändern", sagte Rath senior und erinnerte an den Erfolg einen Monat zuvor beim CHIO. Rotterdam sei nicht als Rückschlag zu bewerten: "Wir befinden uns in einem ständigen Erfahrungsprozess. Da kann so etwas passieren."

Am ausgegeben Ziel Gold gescheitert

Totilas-Mitbesitzer Paul Schockemöhle wollte hingegen nichts schönreden. "Das war ein Schlag gegen den Bug. Aber vielleicht zur rechten Zeit", sagte Europas größter Pferdehändler, der den Rapphengst im vergangenen Herbst für geschätzte zehn Millionen Euro nach Deutschland geholt hatte. Mit dem Geld sollte die deutsche Dressur wieder zu Gold reiten, doch der Schuss ging zunächst mal nach hinten los.

Rath unterbot mit Platz vier und fünf in Special und Kür selbst die vorsichtigsten Pessimisten. Dennoch sagte Schockemöhle: "Grundsätzlich wird das Projekt Totilas so wie bisher fortgesetzt."

Auch Raths Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff sieht keinen Grund zur Neuorientierung. "Die Linie stimmt. Es muss jetzt im Training viel gearbeitet werden", meinte die Dressur-Olympiasiegerin von 1988. Im Winter soll Totilas nur sporadisch zum Einsatz kommen und auf keinen Fall die lange Weltcup-Tour gehen.

Finanzielle Einbußen und Kurseinsturz

Finanziell muss sich das Totilas-Lager nach dem Desaster auf jeden Fall auf Einbußen einstellen. Die Suche nach einem Namenssponsor dürfte nicht einfacher werden, das Interesse an dem zuvor so gepriesenen Samen von Totilas könnte bei den Züchtern ebenfalls zurückgehen. Auch für das Geschäft mit Tassen, T-Shirts und dergleichen sind die Aussichten nicht mehr so rosig.

Der Totilas-Kurs bricht ein, und Isabell Werth steht als Heilsbringerin auf gar keinen Fall zur Verfügung. Danach befragt, ob sie Totilas übernehmen wolle, wiegelte die fünfmalige Olympiasiegerin sofort ab. "Nein, das ist Quatsch", sagte die 42-Jährige, die selbst mit ihren beiden siebten Plätzen im Einzel nicht zufrieden sein konnte. "Die anderen Nationen haben aufgeholt", betonte Werth, es bleibe jetzt keine andere Wahl, als mit den Pferden zu arbeiten: "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Dann haben wir auch bei Olympia 2012 wieder eine Chance."

Von weiteren Pferdekäufen hält Chef-Investor Schockemöhle offiziell nichts. "Wir müssen keine Pferde holen", sagte der dreimalige Springreit-Europameister.

Zum dritten Mal hintereinander kein deutscher Teamerfolg

Immer wieder grassierten auf der Tribüne in Rotterdam Gerüchte über den möglichen Kauf der starken britischen Pferde Uthopia und Valegro, die aber laut Mitbesitzer und Reiter Carl Hester erst nach Olympia veräußert werden sollen.

Für das gesamte deutsche Dressurteam war Rotterdam nicht der erhoffte Neubeginn. Nach den Pleiten bei den Titelkämpfen 2007 und 2009 blieb der einstige Seriensieger (Gold von 1965 bis 2005) zum dritten Mal in Folge ohne Teamerfolg.

Dass es in Special und Kür wie 2009 wieder keine Medaille gab, fand Klaus Roeser, Ausschussvorsitzender Dressur im Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR), "aufschlussreich". Hier wäre die Formulierung "enttäuschend" passender gewesen.

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