MotoGP-Doppelweltmeister Marc Marquez im Porträt

Der mit dem Hinterrad jongliert

Dienstag, 14.10.2014 | 14:11 Uhr
Marc Marquez braucht zum Fahren offenbar nicht mal Kontakt zu seiner Honda
© getty
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Marc Marquez ist ein Mysterium. Den Rekorden als jüngster MotoGP-Sieger und jüngster Weltmeister aller Zeiten hat der Honda-Pilot beim Japan-GP in Misano auch noch den Titel als jüngster Doppelweltmeister folgen lassen. Den Spanier scheint nichts aufhalten zu können, dabei ist seine Karriere ein ständiger Ritt auf der Rasierklinge.

Wer Marquez nach seinem Erfolgsgeheimnis fragt, bekommt entweder ausweichende Antworten oder Hinweise auf einen ausgeprägten Aberglauben. "Im Training trage ich blaue Unterhosen, im Rennen rote", erklärte er grinsend dem "Red Bulletin". Überhaupt: Grinsen kann er gut.

Marquez vereint Motorsporttalent mit fast penetrant guter Laune. "Der Kerl ist ein Phänomen und fährt den Arrivierten mit seinen 20 Jahren um die Ohren", sagte Ralf Waldmann im SPOX-Interview. Stefan Bradl ergänzt: "Wir versuchen alle, ihn zu knacken, aber noch hat keiner ein Mittel gefunden."

Schon die erste Fahrt des Spaniers auf einer MotoGP-Honda war eine Offenbarung. "Der erste Tag war verregnet, wir konnten nicht auf die Strecke. Andere wären nervös geworden, doch als es am zweiten Tag endlich losging, hockte sich Marc aufs Bike und fuhr im ersten Stint eine Sektoren-Bestzeit. Schneller als Stoner, Rossi, Pedrosa. Ich habe den Screen mit meinem Mobil­telefon ­fotografiert, es war unglaublich", erinnert sich Teamchef Livio Suppo.

Marquez weigert sich nachzudenken

Normalerweise liegen die Rookies bei ihrem Debüt Sekunden hinter der Konkurrenz. Doch Marquez hat einen Vorteil, der ihn vom ersten Meter an schnell macht: Er weigert sich nachzudenken und vertraut seinem fast übernatürlichen Instinkt. Zweifel kennt er nicht.

Beim Saisonfinale 2013 war Marquez es, der seinen Chef beruhigte, obwohl er vor 130.000 Landsleuten den Titel gewinnen konnte: "Mach dir keine Sorgen, auf Platz 3 fahre ich sogar, wenn du mir eine Hand auf den Rücken bindest." Er wurde Dritter, jüngster Weltmeister aller Zeiten.

Dabei wäre ihm beinahe schon früh der Aufstieg verwehrt geblieben, als er in der Moto2 mit schweren Stürzen auffiel. Der Speed war da, aber die Fehleranfälligkeit zu hoch. "Das Limit zu suchen gehört dazu", sagt er heute: "Sonst bist du nicht schnell genug."

Beim Malaysia-GP 2011 übertrieb er es aber eindeutig: Auf feuchter Strecke verlor er die Kontrolle über seine Suter und stürzte im 1. Training. Vor dem Rennen bestand der Spanier die medizinische Prüfung nicht, selbst beim WM-Finale in Valencia konnte er nicht antreten und musste Stefan Bradl den Titel kampflos überlassen. Während der Deutsche mit Lobeshymnen überhäuft wurde, zitterte sein Widersacher um seine Karriere.

"Ich sah alles doppelt"

"Ich hatte fünf Monate lang diese Sichtprobleme und sah alles doppelt", erklärte Marquez im "Motorsport Magazin", ans Motorradfahren war nicht zu denken: "Das war wirklich hart, denn du rennst ständig zu den Ärzten, die dir immer wieder sagen, dass du Geduld haben musst. Wenn du sie fragst, ob es wieder besser wird, sagt dir jeder, dass er es nicht weiß. Für ein normales Leben wäre das okay gewesen, aber auf dem Motorrad geht das nicht."

Marquez nahm sich gezwungenermaßen die Zeit und kam noch stärker zurück. Mit neun Saisonsiegen sicherte er sich den Moto2-Titel. Er war so gut, dass sogar die Regeln für ihn geändert wurden: Eigentlich muss jeder Fahrer in der MotoGP bei einem Satellitenteam einsteigen, Marquez aber durfte direkt beim Werksteam Repsol Honda an der Seite von Dani Pedrosa starten.

"Japaner evaluieren und besprechen gern", erklärt Marquez die anfänglichen Mentalitäts-Differenzen: "Beim ersten Test wollte ich die Lenker­griffe tauschen. Das hatte nichts mit der Performance des Bikes zu tun, bloß mit persönlichem Geschmack. Es hat ein Meeting gebraucht, um sie zu wechseln."

Konkurrenten erklären Marquez' Fahrstil

Mittlerweile funktioniert das Zusammenspiel. Die RC213V passt perfekt zu seinem Fahrstil und lässt ihn dauerhaft auf der Rasierklinge tanzen. "Marc bremst immer sehr spät, hat die Situation aber stets unter Kontrolle", meint Valentino Rossi, das langjährige Vorbild des Jungstars: "Speziell in der Schlussphase eines Rennens agiert er sehr clever und kann seine Linie immer noch variieren. Das macht es für den Hintermann schwierig."

Teamkollege Dani Pedrosa, den Marquez als seinen Maßstab bezeichnet, kann den Fahrstil sogar noch besser einschätzen, schließlich sitzt er auf der gleichen Maschine: "Es ist nicht nur die Art und Weise, wie er bremst. Er lässt das Bike auch extrem rutschen. Das Problem, wenn man so fährt: Man muss die Kurve erst mal kriegen."

Cheftechniker Klaus Nöhles, der früher selbst als Fahrer in der WM antrat, hat aus seinen Daten Rückschlüsse gezogen: "Marc braucht ein extrem stabiles Vorderrad. Was das Hinterrad macht, ist ihm - vereinfacht gesagt - egal. Er ist der Einzige, der es schafft, dass das Hinterrad in voller Schräglage abhebt, so stark bremst er in die Kurven rein." Warum Marquez das nahezu immer perfekt hinbekommt? Es hängt mit seinem sportlichen Werdegang zusammen.

Fahrgefühl ohne Bremse gesammelt

Statt auf Straßenmaschinen begann er in seiner Heimatstadt Lleida auf Motocross-Maschinen. Bis heute wohnt er dort mit seinem Bruder Alex bei den Eltern, hat noch immer keinen Motorradführerschein und fährt mit dem brüderlichen Moto3-Piloten und Moto2-Pilot Tito Rabat Dirt Track.

Das Besondere: Die Maschinen haben keine Vorderradbremse. Das Spiel mit Gewicht und Gas bringt die Maschinen driftend um die Kurve. Eine ähnliche Fahrweise legt er auch in der MotoGP an den Tag, wenn er mit dem Körper das Bike auf der Strecke hält.

"Die Hinterradbremse verwende ich nur im letzten Teil der Bremszone, dann schalte ich herunter", beschreibt der Weltmeister sein Erfolgsgeheimnis: "Es ist sehr schwierig zu erklären. Ich mag es, wenn das Motorrad etwas rutscht." Oft scheint er nahe am Kontrollverlust, doch er fängt die Honda jedes Mal ein - wie beim Reifentest in Brünn, als er schon mit dem Oberkörper den Asphalt berührte, sich aber rettete: "Wenn ich schnell sein will, muss ich so fahren. Ein runder, entspannter Stil funktioniert bei mir nicht."

Marquez schon immer der Jüngste

Dass der Spanier riesiges Talent besitzt, war von Beginn an offensichtlich. Im Alter von 15 Jahren und 56 Tagen gab er sein Debüt in der 125ccm-Klasse, der heutigen Moto3. Nach einem Podestplatz in der Debütsaison und der ersten Pole Position im Folgejahr drehte er 2010 richtig auf. Er hatte Zeit gebraucht, um sich wirklich an das Fahren auf Asphalt zu gewöhnen.

Siege in Mugello, Silverstone, Assen und Barcelona machten Marquez zum jüngsten Vierfachsieger der Geschichte. Am Sachsenring gelang ihm der fünfte Sieg in Folge - ein Kunststück, das zuletzt Valentino Rossi im Jahr 1997 gelungen war. Der unbedingte Siegeswille war geweckt, Marquez konnte nichts stoppen, weder eine ausgerenkte Schulter in Tschechien, noch die Regenunterbrechung beim vorletzten Lauf in Portugal.

Auf dem Weg zum Restart stürzte der Spanier und gab sich selbstkritisch: "Wie ein Nachwuchsfahrer" habe er die Kontrolle verloren. Das Team schüttelte in der Box enttäuscht mit dem Kopf. Die Verkleidung war im Kiesbett gebrochen, Marquez schaffte es nicht mehr rechtzeitig in die Startaufstellung. Statt auf Platz zwei stand er plötzlich ganz hinten.

Dann folgte ein Wunder: Nach Turn 1 war Marquez Fünfter, auf der Gegengerade Dritter hinter Meisterschaftskonkurrent Nico Terol und dessen Aprilia-Kollegen Bradley Smith. Den Briten schnappte er sich in der Vorschlussrunde, der Weg war frei für einen echten Showdown. Am Ende fuhr Marquez nach mehreren Überholmanövern binnen einer Runde mit 0,150 Sekunden Vorsprung wild fuchtelnd über die Linie. Der Titel als zweitjüngster Weltmeister nach Loris Capirossi war nur noch Formsache.

Bekannter als Fernando Alonso

Nur vier Jahre später ist Marquez das sportliche Aushängeschild Spaniens. Seine Stellung ist mit Formel-1-Doppelweltmeister Fernando Alonso vergleichbar, wenn nicht noch höher. Nur die Stars von Real Madrid oder die Spieler seines Lieblinksklubs FC Barcelona erregen auf der Straße noch mehr Aufmerksamkeit.

Marquez nimmt es locker: "Auf einer Tribüne in Spanien habe ich ein Transparent entdeckt, auf dem stand: 'Ich ziehe meine Unterwäsche aus für ein Foto mit dir.' Letztes Jahr habe ich Frauen­brüste signiert, einen Männerhintern, ein Baby und einen 500-Euro-Schein. Wahrscheinlich hofft der ­Besitzer, dass der im Wert steigt."

Die Chancen stehen nicht schlecht. "Marc hat das Zeug, noch erfolgreicher zu sein als ­Valentino Rossi. Das könnte wahrscheinlich nur eine wunderschöne Brasilianerin verhindern, in die er sich verliebt und die ihn auf eine einsame Insel entführt", sagt sein Teamchef Livio Suppo.

Marc Marquez im Steckbrief

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