Leichtathletik

Rehm und Reus ragen heraus

SID
Markus Rehm überzeugt trotz Prothese bei der Leichtathletik-DM
© getty

Prothesen-Springer Markus Rehm und Sprinter Julian Reus sorgen für die Highlights bei der DM. Auch Diskus-Riese Robert Harting ist eine Klasse für sich.

Das Leichtathletik-Märchen um Prothesen-Weitspringer Markus Rehm hat bei den deutschen Meisterschaften in Ulm sogar die grandiose Sprintshow von Julian Reus und den Auftritt von Diskus-Riese Robert Harting in den Schatten gestellt.Der unterschenkelamputierte Rehm, Paralympics-Sieger von 2012, gewann als erster Springer mit Handicap den deutschen Meistertitel bei den Nicht-Behinderten und verbesserte seinen Weltrekord um 29 Zentimeter auf 8,24 m.

Zudem überbot der 25-Jährige die Norm von 8,05 m für die Europameisterschaft in Zürich (12. bis 17. August) deutlich - nur vier Athleten in Europa sind in diesem Jahr überhaupt weiter gesprungen.

Diskussionen um "Technik-Doping"

"Wahnsinn. Es gibt einfach Sprünge, die trifft man perfekt - und so war das heute", sagte Rehm, der mit seinem Coup hitzige Diskussionen um ein etwaiges Technik-Doping durch seine Karbon-Prothese auslöste. Bis nicht geklärt ist, ob der Leverkusener durch seine Prothese einen Vorteil gegenüber den Nichtbehinderten hat, gilt seine Leistung nur unter Vorbehalt.

"Es braucht komplexe Analysen, um diese Frage beantworten zu können", sagte Idriss Gonschinska, Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Ob Rehm in Zürich starten darf, wird der europäische Verband in Absprache mit der IAAF entscheiden müssen.

"Ich sehe das als eine andere Sportart. Jeder hat gesehen, wie viel Energie in der Prothese steckt. Das war Wahnsinn", sagte Florczak, im DLV verantwortlicher Coach für den Weitsprung, der Bild-Zeitung: "Aber das ist nur mein erster Eindruck."

Reus mit Sprint-Rekord

In dem ganzen Trubel um Rehm ging der deutsche Rekord von Sprinter Julian Reus über 100 m fast ein bisschen unter. "Ich bin absolut baff, kann es gar nicht glauben", sagte der 26 Jahre alte Wattenscheider, nachdem er im Donaustadion in 10,05 Sekunden bei noch gerade zulässigem Rückenwind von 1,8 m/s eine Hundertstel unter der 29 Jahre alten Bestmarke des DDR-Läufers Frank Emmelmann blieb und sich anschließden noch den Titel sicherte.

Von der magischen Sprinter-Marke will der neue schnellste Deutsche der Geschichte aber noch nichts wissen: "Unter 10 Sekunden? Das lässt mich kalt", sagte Reus. Der legendäre Armin Hary glaubt sogar an eine Medaillenchance von Reus bei der EM: "Für ihn ist jetzt alles möglich."

Harting nicht zu schlagen

Neben den Überraschungen Rehm und Reus war auch wieder auf die starken Männer Verlass. Diskus-Olympiasieger Harting (Berlin) untermauerte vor 15.000 Zuschauern am Sonntag seinen Anspruch auf EM-Gold in der Schweiz. Bei schwierigen Bedingungen und nach einer Verschiebung wegen eines heftigen Gewitterregens siegte Harting mit beachtlichen 66,67 m.

Und am Freitagabend hatte schon Kugel-Weltmeister David Storl klar gemacht, dass ihm der Titel im Letzigrund eigentlich nicht zu nehmen ist. Vor dem Münster kratzte der Chemnitzer mit 21,87 m erneut an der 22-Meter-Marke. "Aber vielleicht ist es ganz gut, dass es jetzt noch nicht geklappt hat, so bleibt mir das für Zürich als Ziel", sagte Storl.

Große Ziele für die EM

Trotz der Ausfälle von so prominenten Athleten wie Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe (verletzt) oder Speerwurf-Königin Christina Obergföll (Baby-Pause) steckt sich der DLV für Zürich hohe Ziele. Sportdirektor Thomas Kurschilgen rechnet mit einem Aufgebot von "90 plus x" Athleten - so vielen wie seit der Heim-EM 2002 in München nicht mehr.

"Wir sind in der Breite so gut aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr, der Trend der Vorwärtsbewegung hat sich in dieser Saison fortgesetzt. Auch im Laufbereich haben wir aufstrebende Talente, die ins Rampenlicht drängen", sagte DLV-Präsident Clemes Prokop dem SID und hofft für Zürich auf ordentlich Edelmetall: "Wir wollen unter den Top Drei des Medaillenspiegels landen." Vor zwei Jahren in Helsinki holten die DLV-Athleten sechsmal Gold und insgesamt 16 Medaillen.

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